Nur etwa eine Stunde nachdem Ferrari eine Vertragsverlängerung mit Nicklas Nielsen bekanntgab, verkündete die Langstreckenabteilung aus Maranello einen weiteren Fahrer für die WEC-Saison 2027 und darüber hinaus. Die Roten teilten mit, dass der Chinese Yifei Ye weiterhin Ferrari-Werkspilot bleiben wird.

Ye gewann 2025 die 24 Stunden von Le Mans mit dem Kunden-Ferrari von AF Corse #83 an der Seite von Robert Kubica und Phil Hanson. Dadurch wurde er der erste chinesische Fahrer, der beim Klassiker an der Sarthe den Sieg davontrug. Genauso wie bei Nielsen ist auch bei ihm von einem mehrjährigen Vertrag die Rede. Nicht erwähnt wird in der Pressemitteilung aber, ob Ye weiterhin Teil der #83-Crew sein wird oder ob er eines der Werks-Cockpits erhält. Da Ferrari in seinem Hypercar-Programm in der Vergangenheit sehr viel Wert auf Kontinuität gelegt hat, erscheint das als wahrscheinlich.

Dass er als vollumfänglicher Werksfahrer 'nur' beim Kunden-Einsatz von AF Corse unterkommt, ist kein Widerspruch. Abgesehen von Robert Kubica sind alle Hypercar-Fahrer aus Maranello als Werksfahrer angestellt, denn im Winter wurde auch Phil Hanson in den Kader aufgenommen. Der Brite hat seinen Ferrari-Vertrag erst vor weniger als zwei Wochen verlängert.

Ye selbst unterzeichnete Ende 2023 erstmals einen Ferrari-Werksvertrag, nachdem er direkt vom damaligen Porsche-Team Jota zu AF Corse gewechselt war. Seitdem war Ye nicht nur in der WEC für das 'Cavallino' am Start, sondern bestritt auch ausgewählte GT3-Rennen im Ferrari 296 GT3 bzw. dessen Evo-Version. Darunter auch 2024 und 2025 jeweils den GT-Weltcup in Macau. Neben dem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans gewann der 26-Jährige als Teil derselben Fahrerformation auch 2024 das Lone Star Le Mans in Austin.

Yifei Ye bleibt im Ferrari-Kader: Das sagen Fahrer und Teamchef

Bei der Vertragsverlängerung wurde Ye folgendermaßen zitiert: "Ich bin stolz, meine Partnerschaft mit Ferrari zu verlängern. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meinen ersten Vertrag mit dem 'Cavallino' unterzeichnet habe und davon träumte, die 24 Stunden von Le Mans mit dem 499P zu gewinnen. Dieser Traum wurde mit dem Sieg im Jahr 2025 sehr schnell Wirklichkeit – ein Beweis dafür, dass man mit Engagement und Professionalität gemeinsam große Ziele erreichen kann."

"Seit ich Teil der Ferrari-Familie bin, fühle ich mich willkommen und spüre das Vertrauen, das das Team verbindet, und dafür danke ich allen. Ich bin hochmotiviert, gemeinsam mit meinen Teamkollegen weiterhin mein Bestes zu geben, um weitere Erfolge zu erzielen", so Ye weiter. Ferraris Langstrecken-Chef Antonello Coletta sagte: "Das ist ein sehr wichtiger Moment für uns."

"Als erster chinesischer Fahrer, der im Langstreckenrennsport offiziell ein Ferrari-Fahrer wurde, war er auch der erste chinesische Sieger in Le Mans, wo er bei dieser Gelegenheit auch sein ganzes Können unter Beweis gestellt hat. Wir sind zuversichtlich, dass er in Zukunft weitere prestigeträchtige Meilensteine erreichen wird, die denen in nichts nachstehen, die er bereits vorweisen kann."

Sieger #83 AF Corse-Ferrari mit Ye, Hanson und Kubica im Ziel
Phil Hanson und Yifei Ye jubeln nach dem Sieg bei den 24h Le Mans 2025, Foto: IMAGO / PsnewZ

Ye kam in seiner Nachwuchslaufbahn erst über Formelserien in den Langstreckensport. 2016 feierte er etwa den Sieg in der französischen Formel 4, ehe er über die Formel Renault (2017 & 2018) und die Formel 3 2020 in der EuroFormula Open landete, wo er in seiner letzten Monoposto-Saison noch den Titel gewinnen konnte. Danach verbrachte er zwei Jahre in einem LMP2-Prototypen in der asiatischen und europäischen Le-Mans-Serie, wo er sich ebenfalls je einmal einen Titel sichern konnte. Erst im Laufe von 2023 kam er im Jota-Porsche unter, von wo es dann zu Ferrari ging. In Summe zählt Ferrari bislang 33 Rennen, in denen er für den italienischen Sportwagenbauer am Start stand.

Die laufende WEC-Saison lief bislang für Ye, Kubica und Hanson nicht nach Plan. Drei Rennen vor Schluss liegt das Trio nur auf dem 13. Rang in der Meisterschaft und stand als einzige Ferrari-Formation in diesem Jahr noch kein einziges Mal auf dem Podium, während der 499P mit der Nummer 50 zuletzt das Rennen in Austin für sich entscheiden konnte und die #51 mit zwei zweiten Plätzen und nur 17 Punkten Rückstand auf den führenden BMW nach wie vor im Titelkampf mitmischt.