Am 12. September 2021 gewann Francesco Bagnaia im Motorland Aragon sein erstes MotoGP-Rennen. Und wie: Er schlug ausgerechnet seinen heutigen Teamkollegen Marc Marquez in einem hochspannenden Zweikampf, wehrte in den letzten Runden gleich sieben Angriffe des Aragon-Spezialisten ab. Damals also auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, könnte er fünf Jahre später nicht mehr weiter davon entfernt sein. Nach Silverstone wurde der Aragon-GP zum nächsten Debakel: Bagnaia ist am Tiefpunkt angekommen - und das gibt er inzwischen auch selbst offen zu.

Null Grip: Francesco Bagnaia verzweifelt im Motorland Aragon

"Ich habe das Heck verloren und dadurch ist mir die Front dann eingeklappt", beschrieb der Ducati-Pilot am Sonntagabend seinen Sturz in Runde sechs. Anschließend folgten jene Aussagen, die man von Bagnaia schon das gesamte Wochenende über zu hören bekommen hatte: "Ich habe null Grip am Hinterrad, wirklich null. Ich musste schon nach fünf Runden auf das Mapping mit weniger Motorleistung wechseln, weil der Hinterreifen komplett hinüber war. Und das, obwohl ich nicht gepusht hatte. Ich hatte gar nichts gemacht. Ich hatte einfach nur zu kämpfen."

Francesco Bagnaia beendete den Aragon-GP in Kurve neun vorzeitig, Foto: IMAGO / Xinhua
Francesco Bagnaia beendete den Aragon-GP in Kurve neun vorzeitig, Foto: IMAGO / Xinhua

Erlebte Bagnaia im Vorjahr im Motorland noch eines seiner stärkeren Wochenenden, fügte sich der Aragon-GP diesmal nahtlos an das Debakel vor drei Wochen an. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Erstmals seit Aragon, Teruel und Europa 2020 musste Bagnaia am Samstag zum dritten Mal in Folge durch Q1 gehen, erstmals seit Mandalika und Phillip Island 2025 holte er in zwei aufeinanderfolgenden Grands Prix nicht einen einzigen WM-Punkt.

Francesco Bagnaia am Tiefpunkt: Das ist demütigend und beschämend!

"Ich bin ein Fahrer, der in jeder Situation alles gibt. Wenn ich an die Box zurückkomme versuche ich, meine Probleme so klar wie möglich wiederzugeben, damit eine Lösung gefunden werden kann. Leider kommt diese aber einfach nicht. Wenn du pushst und dennoch ständig auf Boden landest, eine Sekunde langsamer bist, dann ist das demütigend und beschämend", nahm der zweimalige MotoGP-Weltmeister kein Blatt mehr vor den Mund. Es ist unverkennbar, wie sehr ihm der erneute Rückfall in die Krise zu schaffen macht. Unverblümt bilanziert er: "Ich denke, dass ich am Tiefpunkt meiner Karriere angekommen bin. Und ich sehe keinen Ausweg, es wird immer nur schlimmer."

Die MotoGP-Saison 2027, in der Bagnaia zu Aprilia wechseln wird, kann also nicht früh genug beginnen. Bevor es soweit ist, stehen aber noch neun weitere Grands Prix [acht, wenn Katar abgesagt wird, Anm.] in Rot auf dem Programm. Es droht ein unwürdiges Ende seiner Ducati-Zeit, die immerhin 31 Grand-Prix-Siege und zwei WM-Titel hervorbrachte. Doch wieso eigentlich? In der ersten Saisonhälfte 2026 hatte sich Bagnaia zunächst ja vom Horrorjahr 2025 rehabilitiert, stand zwischen Barcelona und Brünn viermal in Serie auf dem Podium. Der Italiener hat keinerlei Erklärung.

Nahostkonflikt trifft MotoGP-Titelkampf: Katar-GP vor Absage! (09:42 Min.)

"Bis zum Sachsenring war mein Gefühl nicht so schlecht. Ich hatte meine Probleme, ja. Aber die Ergebnisse waren trotzdem erfreulich. Seit Silverstone ist aber etwas passiert, weil ich jetzt wirklich überhaupt gar keinen Grip mehr habe", seufzt er. "Wir hätten gedacht, dass Pecco hier mindestens in den Top-Fünf landen würde", zeigte sich am Sonntag auch Teammanager Davide Tardozzi ratlos. "Wir haben weiter Probleme, den richtigen Weg für ihn zu finden", hielt er im Interview mit 'TNT Sports' weiter fest und vermutete anschließend, dass es vielleicht doch am Fahrer und nicht am Motorrad liegen könnte: "Es könnte auch sein Zugang sein, der seine Performance manchmal etwas limitiert."

Eine bezeichnende Aussage. Die Ducati-Truppe scheint mit ihrem Latein ebenfalls am Ende, probiert wurde in den letzten Wochen und Monaten genug. Ob sich bis zum Saisonende noch eine Lösung auftun wird? Die Zweifel sind groß, und zwar auf allen Seiten. Bagnaia offenbart bereits jetzt Muffensausen vor den restlichen Grands Prix des Jahres. Es könnte noch schlimmer werden: "Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn wir auf den nächsten Strecken fahren, wo das Griplevel noch geringer ist. Ich will es mir gar nicht vorstellen."

Was meint ihr: Gelingt Francesco Bagnaia vor dem Abschluss seiner Ducati-Zeit noch eine Trendwende oder geht 2026 wie 2025 zu Ende? Sagt es uns in den Kommentaren! Ex-WM-Rivale Jorge Martin hofft unterdessen, was Aragon wortwörtlich nur ein Ausrutscher war. Warum? Das verrät euch Tobias in diesem Artikel: