"In wenigen Tagen werden die Bekanntgaben aller Teams eintrudeln. Dann wird auch meine dabei sein", hatte Francesco Bagnaia nach den letzten Wintertestfahrten in Buriram gesagt. Es sollte etwas länger dauern. Knapp vier Monate sogar, weil sich die MGP-Group und die fünf Hersteller lange Zeit nicht auf einen Rahmenvertrag für die neue Regelperiode von 2027 bis 2031 einigen konnten. Am Donnerstag vor Assen kam die Verkündung jetzt aber: Bagnaia verlässt Ducati mit Saisonende 2026 und schließt sich im kommenden Jahr Aprilia an. Das bestätigte der Hersteller aus Noale nun endlich offiziell. Damit fährt Bagnaia in der kommenden MotoGP-Saison erstmals an der Seite seines guten Freundes Marco Bezzecchi, der Aprilia bereits Anfang Februar das 'Ja'-Wort hatte.
Italienisches Traumteam: Francesco Bagnaia unterschreibt für vier Jahre bei Aprilia!
Die Mitteilung Aprilias hatte es in sich, denn Noale verkündete gleich einmal einen Vertrag über vier Jahre. Zuvor war in den Medien spekuliert worden, ob es sich um einen Zweijahresvertrag mit der Option der Verlängerung um zwei weitere Saison handelt. Nun hat der Hersteller dies aber gleich als einen laufenden Vertrag verkündet.
Die Verkündung war dabei ganz im Sinne eines italienischen 'Dream Teams' mit Bezzecchi gehalten. Aprilia-Boss Massimo Rivola reihte seinen Neuzugang in die italienischen Sporthelden der Gegenwart ein: "Bagnaias Ankunft ist eine Bestätigung für den Wert des italienischen Sports, der sich in den letzten Monaten dank der Erfolge von Kimi Antonelli in der Formel 1, Jannik Sinner im Tennis und Federica Brignone bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 auf der Weltbühne hervorgetan hat. Deshalb erfüllt es uns mit Stolz, Pecco willkommen zu heißen, und verleiht dem italienischen Sport international weiteren Auftrieb. Wir werden ihn und seine Familie herzlich willkommen heißen – aber zuerst werden wir versuchen, ihn zu schlagen! Einen mehrfachen Weltmeister in unseren Reihen zu haben, ist eine Verantwortung, die wir nur zu gerne übernehmen." Bagnaia selbst konnte sich aufgrund des noch bis Ende 2026 bestehenden Vertrages mit Ducati nicht äußern.
Doch nicht Yamaha: Francesco Bagnaia wechselt zu Aprilia
Durchaus kurios: Zunächst hatte es eigentlich nicht danach ausgesehen, als würde Bagnaia ab 2027 für Aprilia an den Start gehen. Nachdem sein Aus bei Ducati Anfang Februar durchgesickert war - die Roten haben sich für Pedro Acosta als neuen Teamkollegen von Marc Marquez entschieden - ging die Tendenz zunächst zu einem Wechsel zu Yamaha. Dort sollte der 29-Jährige aus Turin gemeinsam mit Ex-WM-Rivale Jorge Martin ein völlig neues und hochkarätiges Fahrer-Line-Up bilden. Mit Technikdirektor Max Bartolini hätte er in Iwata auch wieder mit einem alten Bekannten aus erfolgreichen Ducati-Zeiten zusammenarbeiten können.
Doch Mitte Februar dann das Umdenken. Warum? Nun, das hat wohl zwei primäre Gründe. Zunächst einmal soll Aprilia das bestehende Angebot an Bagnaia nochmal nachgebessert haben, nachdem die Vertragsverlängerung mit Bezzecchi unter Dach und Fach gebracht wurde. Dieses soll aus finanzieller Sicht zwar immer noch deutlich geringer als jenes von Yamaha ausgefallen sein, aber Noale konnte Mitte Februar eben auch die deutlich bessere sportliche Perspektive bieten.
Bezzecchi und Co. zeigten bereits in Sepang auf und bestätigten den starken Eindruck in Buriram nochmal mit der Testbestzeit und eindrucksvollen Longruns. Yamaha wiederum rutschte in dieser Zeit vom einen Debakel in das nächste. Das neue V4-Motorrad präsentierte sich alles andere als konkurrenzfähig, die M1-Piloten belegten bei den Tests stets die hintersten Plätze im Klassement. In Sepang musste ein Testtag aufgrund unbekannter Motorenprobleme sogar komplett ausgelassen werden und auch in Buriram kam es dann wieder zu einem Materialengpass. Bei Bagnaia sorgte das offenbar für Zweifel, ob Yamaha ab 2027 für ihn wirklich der richtige Arbeitgeber sei und so erhielt dann doch Aprilia den Zuschlag.

Francesco Bagnaia und Ducati: Traumehe endet in Scheidung
Für Bagnaia endet in knapp sechs Monaten nun das bislang erfolgreichste Kapitel seiner Karriere als Motorradrennfahrer. 2021 nach zwei Jahren im Kundenteam Pramac zum Ducati-Werksteam gekommen, stieg der damals 24-Jährige schnell zum neuen Goldjungen der Italiener auf. Bereits im zweiten gemeinsamen Jahr wurde Bagnaia nach dem größten Comeback der WM-Geschichte erstmals MotoGP-Weltmeister und bescherte Ducati damit den so lange ersehnten ersten Fahrertitel seit Casey Stoner im Jahr 2007. 2023 folgte dann gleich der zweite WM-Gewinn, 2024 scheiterte man im Zweikampf mit Markenkollege Jorge Martin nur denkbar knapp um zehn Punkte.
Auf einen Absturz im Jahr 2025 deutete zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts hin, genau diesen gab es aber. Während sein neuer Teamkollege Marc Marquez gleich vom ersten Rennen an brillierte und dominierte, rutschte Bagnaia von Grand Prix zu Grand Prix tiefer in die Krise. Mit der GP25 kam er überhaupt nicht zurecht, verlor jegliches Gefühl für die Front und tat sich zum Saisonende hin sogar schwer, überhaupt noch aus eigener Kraft in die Punkte zu fahren.

Umdenken bei Ducati: Pedro Acosta statt zweiter Chance für Bagnaia
Zumindest vereinzelt, wie bei den Rennen in Motegi oder Sepang, blitzte Bagnaias Können dann aber doch noch auf und so gaben sich sowohl Fahrer als auch Team über den Winter zuversichtlich, 2026 die Trendwende schaffen zu können. Bagnaia selbst machte auch nie einen Hehl daraus, dass die Roten auch über 2026 hinaus seine erste Option bleiben würden. "Ich will meine Karriere bei Ducati beenden", kündigte er nach dem Saisonfinale 2025 in Valencia noch an. Dazu wird es jetzt aber nicht mehr kommen. Denn in der Ducati-Führungsebene waren die Zweifel an 'Pecco' offenbar doch größer als öffentlich zugegeben, sodass man sich lieber frühzeitig auf Pedro Acosta festlegte.
Was glaubt ihr: Wird Bagnaia bei Aprilia einschlagen oder floppen? Sagt uns eure Meinung unbedingt in den Kommentaren!
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