'Passender' hätte die verfluchte Saison von Francesco Bagnaia kaum enden können. Beim MotoGP-Finale in Valencia wurde der Italiener bereits nach vier Kurven ins Kiesbett und damit zum Ausfall geboxt. Das Jahr 2025 hat tiefe Spuren hinterlassen, aber aufgeben will 'Pecco' definitiv nicht.

Ende im Kies: Johann Zarco entschuldigt sich für MotoGP-Kollision

"Es tut mir sehr leid für Pecco", entschuldigte Johann Zarco nach dem Rennen sofort für das Rauskegeln des zweifachen MotoGP-Weltmeisters. "Ich habe gesehen, wie Quartararo das Front-Device nicht lösen konnte. Da er es in den ersten beiden Kurven nicht lösen konnte, dachte ich, dass er ein technisches Problem hat. Also wollte ich Fabio so schnell wie möglich überholen, um keine Zeit hinter ihm zu verlieren", erklärte der Franzose zunächst die Ausgangslage.

In dieser Hektik war dann Bagnaia der Leidtragende seines Fehlers: "Beim Richtungswechsel auf der Bremse entschied ich mich, ihn [Quartararo] zu überholen. In dem Moment, wo ich das Manöver begann, war es schwierig das Bike abzubremsen und Kontakt mit Brad Binder zu verhindern. Ich wäre in Brad Binder reingefahren, also bin ich ausgewichen und habe dabei die Linie von Pecco gekreuzt. Die Berührung war ziemlich heftig und es tut mir leid, dass er sein Rennen so verlor. Ich habe erwartet, dass ich dafür eine Strafe bekomme."

Francesco Bagnaia seufzt: Hätte gerne noch einmal Spaß haben wollen!

Zarco musste dafür in die Longlap abbiegen. Bagnaia strandete im Kies. Groll hegte der Pechvogel aber keinen: "Zarco hat den Bremspunkt verpasst, mehr gibt es nicht zu sagen. Ich denke, das ist ein Rennunfall. Das kann passieren. Die Strafe, die sie ihm gegeben haben, war richtig und fair. Diese Strecke ist nicht einfach und die ersten Runden hier sind heikel mit unseren Motorrädern. Er war einfach ein bisschen zu optimistisch, aber mir hätte auch dasselbe passieren können, als ich in der zweiten Kurve drei Fahrer überholt habe."

Francesco Bagnaia geht nach dem Aus im Valencia GP zu Fuß zur Box zurück
Bagnaia ging vom Unfallort zu Fuß zurück, Foto: IMAGO / IPA Sport

Vielmehr war das Aus ein letzter mentaler Nackenschlag für das Sorgenkind des Jahres. "Nach so einer Saison hätte ich gerne noch einmal Spaß in einem Rennen gehabt. Für drei Kurven hatte ich Spaß. Die Möglichkeit eines guten Rennens war da. Unter den ersten Sechs oder Sieben zu landen, wäre ein gutes Resultat gewesen. Ich glaube, das war möglich", trauert der Turiner der Chance auf ein kleines Erfolgserlebnis nach.

"Warum immer ich?" Die mentalen Abgründe der Krise für Fahrer und Team

Stattdessen erlebte er in Valencia eine Art 'Best of' seiner Situation. Wirklich dazu äußern wollte er sich zunächst nicht mehr: "In welchem Film war das mit 'warum immer ich?'. Ach [Mario] Balotelli war das, also kein Film. Egal, es war vermutlich die härteste und schlimmste Saison, die ich bisher erlebt habe, besonders der letzte Teil. Da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich habe im Verlauf der Saison genug gesagt. Jetzt blicke ich nur noch darauf, das [neue] Bike im Test zu fahren. Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden. Ich bin ein Träumer, also glaube ich immer noch daran, dass es möglich ist. Also hoffe ich, eine gute Basis für die Tests im Februar zu legen."

Doch dann gab er doch noch tieferen Einblick in die Auswirkungen seiner Krise, die man auch am langen und freiwilligen Fußmarsch - anstatt der Fahrt mit dem Roller - zurück an die Box erkannte. "Heute ein Unfall, die Probleme von gestern [als seine Mechaniker nicht genug Benzin im Qualifying einfüllten, Anm. d. Red.], die Probleme am Freitagmorgen...ich glaube Negativität darf nie der Schlüssel sein. Wenn du beginnst, negativ zu denken, dann ziehst du auch das Unglück an. Ich fürchte, das ist uns passiert. Alle waren müde. Die Saison war lang und hart", reflektiert der 28-Jährige. Kein Wunder also, dass er Erfolgserlebnisse bei den Tests herbeisehnt. Es geht auch um die Stimmung im Team.

Francesco Bagnaia geht im Qualifying in Valencia der Sprit aus
Im Qualifying strandete Bagnaia ohne Sprit, Foto: IMAGO / Icon Sportswire

Francesco Bagnaia will um Platz kämpfen: Möchte Karriere bei Ducati beenden!

Das führt uns zum nächsten Punkt. Der Blick in die Zukunft kann noch deutlich weiter gefasst werden als die nächsten Testfahrten. Bagnaias Vertrag bei Ducati endet mit der Saison 2026. Mit Vizemeister Alex Marquez oder Shootingstar Fermin Aldeguer stünden Alternativen im Kader bereit, von externen Neuzugängen abgesehen. Auch wenn Gigi Dall'Igna und seine Mannschaft ihm stets den Rücken stärken: So kann es nicht auf Dauer weitergehen.

Francesco Bagnaia will weiter für Ducati fahren, Foto: Ducati Media
Francesco Bagnaia will weiter für Ducati fahren, Foto: Ducati Media

Die Frage zu seiner Zukunft kam am Sonntag in Valencia selbstverständlich wieder auf. "Ich weiß es nicht. Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte mit Ducati weitermachen, das ist meine Ambition. Ich habe mit Ducati angefangen. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, den Titel zu holen und ich habe ihnen den Titel gewonnen", erteilte er Wechselgedanken eine Absage. Trotz aller Enttäuschungen scheint da immer noch ein Feuer zu brennen. "Mein Ehrgeiz ist es, meine Karriere bei ihnen zu beenden", schob er dann noch einmal entschlossener nach. Dafür braucht es dringend die sportliche Wende. Der Test am Dienstag wird ein erster Indikator sein. Es darf also mit Spannung auf die Box der Nummer 63 geblickt werden.

Während Bagnaia klassisch abgeschossen wurde, stellte sich die Sache bei Landsmann Franco Morbidelli deutlich kurioser dar. Eine Kollision beim Einnehmen der Startaufstellung hat es so wohl auch noch nicht gegeben: