Jahrelang fuhr Alex Marquez nach seinem MotoGP-Aufstieg im Jahr 2020 im Niemandsland der Königsklasse umher. Mehr als einzelne Highlights wie die beiden Sprintsiege 2023 in Silverstone und Sepang waren nicht drin - bis zum Vorjahr. Dann endlich der Durchbruch, der jüngere Bruder von MotoGP-Superstar Marc stieg zum Spitzenfahrer auf. Glaubten wir zumindest alle, denn 2026 scheint gerade die Rolle rückwärts zu erfolgen.

Die Zahlen zeichnen nach dem MotoGP-Saisonstart 2026 ein klares Bild: Alex Marquez ist der große Verlierer. Lag der Gresini-Pilot vor einem Jahr nach den ersten drei Rennwochenenden in Thailand, Argentinien und den USA mit 87 Punkten noch an der Spitze der Fahrer-Weltmeisterschaft, findet er sich 2026 mit 28 Zählern nur noch auf WM-Rang acht wieder. Ganze 59 Punkte sammelte er also weniger als 2025 zum gleichen Saisonzeitpunkt, das größte Minus aller 20 im Vorjahr schon aktiven MotoGP-Fahrer. Seht hier selbst:

Ducatis ganz vorne: Die größten Verlierer des MotoGP-Saisonstarts 2026

PlatzFahrerPunkte 2025Punkte 2026Differenz
1Alex Marquez8728-59
2Francesco Bagnaia7525-50
3Marc Marquez8645-41
Franco Morbidelli5514-41
5Jack Miller190-19
6Johann Zarco2513-12
7Fabio Quartararo166-10
8Joan Mir103-7

Die große Frage lautet also: Wieso läuft bei Alex Marquez derzeit nichts mehr zusammen? Die Wintertestfahrten hatten schließlich noch auf eine Bestätigung der starken Saison 2025 hoffen lassen. Im Valencia-Test war der Spanier Drittschnellster, in Sepang gelang ihm die Testbestzeit und den Buriram-Test beendete er auch noch als Fünftschnellster. Dass nach drei Rennwochenenden mit P4 im Sprint von Austin bislang nur eine einzige Top-Fünf-Platzierung zu Buche steht, kommt daher umso überraschender.

Die erste Idee lautete, dass Ducati schlicht nicht so gut wie Aprilia und KTM mit den hitzebeständigeren Pneus von Michelin klarkäme, die in Thailand und Brasilien zum Einsatz kamen. Spätestens in Austin wurde aber klar, dass die Probleme der Roten tiefer gehen. "Ich bin nicht glücklich. Es lief genau wie erwartet, denn das ist aktuell einfach unsere Platzierung. Ich habe einfach nur versucht, bis zum Ende zu überleben. Wir hängen Aprilia ein gutes Stück hinterher", bilanzierte auch Marquez nach Platz sieben im USA-GP.

Alex Marquez und die Ducati GP26? Bisher keine Liebesgeschichte!

Während die Ducatis allesamt mit starkem Reifenabbau zu kämpfen haben, kommen bei der Nummer 73 noch weitere Probleme hinzu. "Ich habe zu viel Bewegung [auf dem Motorrad, Anm.]. Das macht es schwer zu verstehen, bis wann du pushen kannst und wie lange der gute Grip vorhanden bleibt. Es ist hart, das Limit zu finden und darunter zu bleiben", beschreibt Marquez, der 2026 bereits viermal auf dem Hosenboden landete - nur WM-Leader Marco Bezzecchi (6x) stürzte noch häufiger. Es fehlt am Gefühl für das neue Arbeitsgerät, und zwar überall: "Es ist nicht nur die Front. Auch das Heck ist recht instabil und das nimmt dir als Fahrer das Vertrauen, die Kurve zu attackieren."

Auf der Ducati GP26 fühlt sich Alex Marquez derzeit nicht wohl, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Auf der Ducati GP26 fühlt sich Alex Marquez derzeit nicht wohl, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Von der Topform des Vorjahres sieht sich Marquez daher deutlich entfernt. "Ich bin noch ziemlich weit weg. Mir fehlen wahrscheinlich 20 Prozent", gesteht er offen und ehrlich. "Ich fühle mich noch nicht komfortabel auf dem Motorrad. Die Charakteristik dieser neuen Ducati [der GP26, Anm.] passt nicht perfekt zu meinem natürlichen Fahrstil. Ich versuche nur zu überleben, das Gefühl stimmt einfach nicht. Ich kann nicht mehr tun, als ein paar Punkte einzufahren und mich nicht verrückt zu machen. Ich muss so lange durchhalten, bis Ducati Lösungen für unsere Probleme findet."

Wann und ob das überhaupt passieren wird, ist aktuell unklar. Zumindest für den Moment will der Gresini-Pilot aber noch keine Notlage ausrufen. "Nein, ich bin nicht frustriert. Das motiviert mich nur noch mehr, weiterzuarbeiten, meine Rückmeldung zu geben und den nächsten Schritt zu machen", antwortete er in Austin auf die Frage, ob ihm das aktuelle Formtief nach der so starken Vorsaison zu schaffen mache. Die Verschiebung des Katar-GPs in den November scheint daher sogar passend zu kommen: "Das ist gut für uns. Denn so haben wir etwas mehr Zeit, die Dinge zu verstehen, alles zu analysieren und in Jerez einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Wir sind nah dran, wir müssen uns einfach noch etwas gedulden. Aber ich bin sicher, dass wir zurückkommen werden."

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Während Alex Marquez also kämpferisch bleibt, könnte die aktuelle Lage um Bruder Marc noch deutlich schlimmer als gedacht sein. Das glaubt zumindest dessen ehemaliger WM-Rivale Andrea Dovizioso. Wieso? Das erfahrt ihr hier: