An der Last ihres Nachnamens sind schon viele Sportler zerbrochen. Erfolgreiche Eltern oder auch ältere Geschwister lassen die Erwartungshaltung für aufstrebende Athleten oft zu groß werden. Ein Schicksal, dass auch Alex Marquez zu ereilen schien. Trotz Weltmeistertiteln in der Moto3 sowie Moto2 und einigen ansprechenden Leistungen in der MotoGP schien seine Karriere dort 2022 möglicherweise bereits zu Ende zu gehen.
Das Gresini-Team warf ihm aber die rettende Boje zu, an der sich der Marquez mit der Startnummer 73 hochzog, das Vertrauen in sich selbst wiederfand, als Fahrer in den folgenden beiden Jahren massiv reifte und 2025 dafür die Lorbeeren einheimste. Er wurde zum Stammgast auf dem Podium, krönte sich zum Vizeweltmeister und ist für Bruder Marc Marquez nun ein Gegner auf Augenhöhe. Motorsport-Magazin.com traf den 28-Jährigen aus Cervera bereits Mitte April in Katar zum Exklusiv-Interview.
Motorsport-Magazin: Alex, du befindet dich voll im Kampf um den MotoGP-Weltmeistertitel. War das auch für dich eine Überraschung?
ALEX MARQUEZ: Ich hatte schon bei den Wintertests eine wirklich klare Vorstellung davon, wie die Saison laufen könnte. Dass ich dann nach drei Rennwochenenden die Weltmeisterschaft angeführt habe, kann man aber schon als Überraschung bezeichnen. Wenn du nach dem ersten Grand Prix führst, dann kann das einfach ein Zufall sein. Nach drei Rennwochenenden ist aber klar, dass du irgendwas sehr gut gemacht hast. Das ist schon nicht so einfach. Um das zu schaffen, brauchst du ein gutes Motorrad und ein gutes Team, musst aber auch erst alle Puzzleteile zusammensetzen und in den Rennen alles richtig machen. Die ersten Rennwochenenden waren unglaublich für uns.
Du warst schon immer ein schneller Fahrer in der MotoGP. Vor dieser Saison bist du bereits fünf Mal auf dem Podium gestanden, hast zwei Sprints gewonnen und eine Pole Position geholt. Was dir aber bislang gefehlt hat, war diese gewisse Konstanz. Jetzt bist du der vielleicht konstanteste aller MotoGP-Fahrer. Wie ist dir das gelungen?
Du musst im Rennsport zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Motorrad sitzen. Das war bei mir 2020 schon der Fall, als ich in meiner MotoGP-Rookie-Saison mit Repsol Honda zwei Mal auf das Podium fahren konnte. Da hatte ich alle meine Sachen beisammen. Auch 2023 ist mir das einige Male gelungen [Alex Marquez gewann damals die Sprints in Silverstone sowie Sepang und holte zwei Grand-Prix-Podien in Argentinien und Malaysia, d. Red.]. Wenn du neu auf einem Motorrad bist, ist es aber nicht einfach, das regelmäßig zu schaffen und immer alles zu verstehen. Das hat man im Vorjahr auch bei meinem Bruder gesehen - und wir sprechen hier von Marc Marquez! Umso mehr gilt das, wenn du zu einem Hersteller wie Ducati kommst, wo viele Fahrer schon eine Menge Erfahrung mit diesem Bike haben. In diesem Fall waren das Jorge Martin und Pecco Bagnaia. Das macht es schwierig. Wenn du dann aber selbst eine gewisse Erfahrung angehäuft hast, ist es einfacher, regelmäßig dein volles Potenzial abzurufen und um die vordersten Ränge zu kämpfen.
Du hast das Motorrad angesprochen. Wann ist dir klar geworden, dass du mit der Ducati Desmosedici GP24 wirklich viel erreichen kannst?
Eigentlich war ich mir da schon vor dem ersten Test ziemlich sicher. Wir hatten von Ducati ja alle Daten vorliegen und da war bereits zu sehen, dass dieses Motorrad ein großer Schritt nach vorne ist und meinem Fahrstil ziemlich gut entgegenkommen würde. Gewisse Zweifel bleiben natürlich immer, aber beim Barcelona-Test im November ist mir schon in meinem ersten Run klargeworden, dass die GP24 ein richtig gutes Motorrad ist. Es war genau das, was ich die gesamte Saison 2024 gesucht habe. Jetzt habe ich endlich dieses Paket. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich war mit der GP24 sofort schneller als mit der GP23 und konnte bereits am ersten Tag konstante Rundenzeiten fahren - nicht nur einzelne schnelle Umläufe. Dieses Gefühl zu haben war genial und hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.
Denkst du, dass du im Vorjahr mit diesem Motorrad auch so gute Ergebnisse erzielen hättest können? Oder hast du dich auch fahrerisch deutlich gesteigert?
Ich rede ungern darüber, was unter gewissen Umständen in der Vergangenheit möglich gewesen wäre. Ich bin jetzt aber sicher reifer als noch im Vorjahr. Ich habe in der Saison 2024 viel gelernt, weil das Motorrad für meinen Fahrstil nicht gut war, ich am Ende damit aber dennoch konkurrenzfähig sein konnte. Ich habe einen anderen Zugang gefunden und mich in Bereichen verbessert, in denen ich zuvor Schwächen hatte, etwa beim Anbremsen. In diesem Jahr kann ich das jetzt alles umsetzen.
Du hattest tatsächlich bereits ein ziemlich gutes Saisonende 2024. An den letzten beiden Rennwochenenden in Sepang und Barcelona hast du drei vierte und einen fünften Platz geholt. Hat sich für dich persönlich dieser Aufwärtstrend da schon abgezeichnet?
Ja, definitiv. Schon in Aragon war ich schnell. Nach dem Crash dort [Alex Marquez war im Rennen im Kampf um Platz drei mit Francesco Bagnaia kollidiert und heftig zu Boden gegangen, d.Red.] hatte ich mit Schwindelbeschwerden zu kämpfen. Dementsprechend waren die folgenden Rennwochenenden hart für mich. Gegen Ende des Jahres habe ich mich aber wieder zurückgekämpft. Ich war ziemlich schnell und auch konstant, obwohl mir das Motorrad kein besonders gutes Gefühl vermittelt hat. Da war mir klar, dass ich sofort Fortschritte sehen würde, wenn ich die Saison gut beende und dann auf das 2024er Bike wechsle. Dieses starkes Saisonende war also entscheidend, um 2025 mein volles Potenzial abzurufen.
Würdest du sagen, dass du ein eher langsamer Lerner bist? In den kleineren Klassen hast du einige Jahre gebraucht, um ganz vorne mitzumischen. Und in der MotoGP startest du jetzt in deiner sechsten Saison so richtig durch.
In den kleineren Klassen kann man das sicher so sagen, weil dort alle Fahrer mehr oder weniger gleichwertiges Material haben. In der Moto2 gab es damals ein paar Unterschiede beim Fahrwerk zwischen Öhlins und WP, aber im Großen und Ganzen waren die Motorräder gleich. In der MotoGP ist es aber, wie ich bereits gesagt habe, eine Frage des richtigen Motorrads und richtigen Teams zum richtigen Zeitpunkt. Um Weltmeisterschaften zu gewinnen, brauchst du ein Bike in Werks-Spezifikation. Das macht einfach das gewisse Extra aus. Ich fahre jetzt in einem privaten Rennstall ein Vorjahresmotorrad, kann aber auch damit sehr schnell sein. In dieser Situation bist du nicht immer. Du musst solche Gelegenheiten daher beim Schopf packen. Mir ist deshalb bewusst, dass ich diese Chance vielleicht nur 2025 habe. Ich will daher jede Möglichkeit nutzen und immer mein volles Potenzial abrufen.
Deine ersten drei MotoGP-Jahre hast du für Honda bestritten. Wir wissen, dass es dort eine ganz eigene, etwas distanzierte Arbeitsweise gibt oder zumindest gab. Jetzt bist du bei Gresini der Teamleader und auch Ducati als Motorradlieferant schenkt dir viel Aufmerksamkeit. Brauchst du das, um wirklich zu glänzen?
Ja, ich muss aber sagen, dass ich dieses Gefühl auch bei Honda hatte. Dort hat das Motorrad aber irgendwann leider einfach nicht mehr funktioniert. Das war das größte Problem. Da hilft dir dann auch ein gutes Team und eine familiäre Atmosphäre, wie ich sie etwa bei LCR hatte, nichts. Mit einem schlechten Bike kannst du das beste Team-Gefüge haben, sehr gut fahren und du wirst trotzdem Probleme haben. Dagegen kannst du nichts machen. Jetzt habe ich ein sehr gutes Motorrad und ein tolles Team, zu dem ich eine wirklich gute Beziehung aufgebaut habe. In so einer Zusammenarbeit geht es oft um Details: Die Leute im Team wissen, wie sie mit dir umgehen müssen, welche Dinge sie dir zumuten können und welche nicht - beispielsweise, wenn es um zusätzliche Events für Sponsoren oder andere Partner geht. Solche Kleinigkeiten helfen dir als Fahrer und lassen das Vertrauen im Team wachsen. Gresini nimmt sehr viel Rücksicht auf mich. Deshalb fühle ich mich hier so wohl.

Bevor du bei Gresini gelandet bist, sah es so aus, als könnte deine Zeit in der MotoGP bereits vorüber sein. Warst du dir immer sicher, in diese Klasse zu gehören?
Die schwierigste Zeit war 2022, als ich bei LCR war. Rund um den Deutschland-Grand-Prix haben mein Management und ich mit einigen Teams gesprochen, ob es eine Möglichkeit für 2023 gibt. Ich kann es jetzt ja verraten: Die RNF-Truppe hat sich damals auf ihr erstes Jahr mit Aprilia vorbereitet und sie haben in Betracht gezogen, mich zu verpflichten. Schließlich haben sie sich aber für Raul Fernandez entschieden. Ich bin dann direkt zu Gresini marschiert und habe ihnen klar gesagt: "Ich will euer Motorrad. Ich weiß, dass das meine letzte Chance ist. Und ich werde sie nützen, wenn ihr mir diese Chance gebt." Sie haben mich dann verpflichtet und ich habe es als Prüfung für mich gesehen. Wenn ich dort liefern kann, werde ich Profi-Rennfahrer bleiben. Wenn nicht, dann muss ich eben nach Hause gehen. Ich wollte nur dieses eine Jahr, um zu sehen, was passiert. Meine Zweifel waren groß, aber es ist von Beginn an gut gelaufen. Schon beim ersten Test auf der Ducati ist mir klar geworden, dass ich mit diesem Motorrad wieder schnell sein kann. Da ist auch der Glaube an mich selbst zurückgekommen. Ich weiß, dass ich kein Ausnahmetalent und nicht einer dieser Fahrer bin, die für die MotoGP geboren sind. Ich weiß aber auch, dass ich trotzdem sehr schnell sein und mit viel harter Arbeit um großartige Dinge kämpfen kann. Dieses Wissen motiviert mich jeden Tag.
Du bist der Underdog im Kampf gegen Fahrer wie Francesco Bagnaia oder deinen Bruder. Ist das eine Rolle, die dir gefällt?
Ja, auf jeden Fall, denn für mich bedeutet das weniger Druck. Theoretisch betrachtet können wir diese Weltmeisterschaft nicht gewinnen. Aber die Theorie deckt sich nicht immer mit der Praxis. Ich habe auf jeden Fall nichts zu verlieren.
Wie groß schätzt du deine Titelchancen dann in der Praxis ein?
Es wird in dieser Saison ein Zeitpunkt kommen, an dem die Fahrer auf der Ducati GP25 ein besseres Paket zur Verfügung haben. Sie werden neue Teile erhalten, etwa eine neue Verkleidung oder etwas in diese Richtung. Es ist ganz normal, dass ein Motorrad in Werks-Spezifikation besser ist und für die Fahrer im offiziellen Werksteam gilt das noch viel mehr. 2025 wird dieser Unterscheid wahrscheinlich nicht groß sein - vielleicht eine halbe Zehntelsekunde oder eine Zehntelsekunde pro Runde. Über 20 Runden sind das aber dann auch ein bis zwei Sekunden. Dann kämpfen wir eben nicht mehr mit denselben Waffen, aber bis dahin lebe ich meinen Traum und versuche, so oft wie möglich ganz vorne zu sein.
Ändert dieses Wissen, dass der Abstand zwischen deiner GP24 und den GP25 von Marc, Bagnaia und Fabio Di Giannantonio im Laufe der Saison wohl immer größer wird, etwas an der Art, wie du ein Rennwochenende in Angriff nimmst?
Grundsätzlich schaue ich nur von Rennwochenende zu Rennwochenende und will nicht zu weit in die Zukunft blicken. Jeder Grand Prix ist meine Möglichkeit, zu gewinnen. Die will ich nützen und darauf bin ich fokussiert. Ich fahre Rennen, um zu gewinnen. Das ist meine Einstellung. Grundsätzlich sollte ich aber auch im weiteren Saisonverlauf noch meine Chancen haben. Die ersten Strecken in diesem Jahr waren größtenteils keine guten für mich und ich habe mich dennoch teuer verkauft. Es kommen jetzt auch mit Le Mans und Mugello ein paar meiner Lieblingskurse. Wichtig wird aber sein, im Laufe der Wochenenden realistisch zu bleiben. Wenn ich nach dem Freitag oder Samstag schon erkenne, dass vielleicht nicht mehr als Platz drei möglich ist, dann muss ich eben dieses Ergebnis mitnehmen.
Wir haben jetzt viel über die richtigen und besten Motorräder der Klasse gesprochen. Würdest du sagen, dass in der MotoGP das technische Paket aktuell so wichtig wie noch nie ist?
Absolut. Ich stimme dem vollkommen zu. Vor allem seit die Aerodynamik so eine große Rolle spielt, ist das Motorrad absolut entscheidend. Ducati befindet sich seither in einer unglaublichen Ära. Sie haben alles unter Kontrolle. Sie wissen genau, was sie machen müssen, um sich zu steigern, aber auch, welche Dinge sie besser lassen. In diesem Winter haben sie in eine neue Richtung gearbeitet, die nicht funktioniert hat, aber sie haben das sofort erkannt und richtig reagiert. Wenn du jetzt als Fahrer eines anderen Herstellers drei Zehntelsekunden in der Beschleunigung verlierst, dann brauchst du nicht einmal daran zu denken, das in den Bremszonen wieder aufzuholen, weil Ducati auch da so stark ist. In der Vergangenheit war das anders, da hattest du mit jedem Motorrad gewisse Stärken und Schwächen. Aber Ducati hat es, vor allem seit der GP24 geschafft, in allen Bereichen stark zu sein. Vielleicht gibt es einzelne Details, in denen andere Hersteller besser sind, aber als Gesamtpaket funktioniert die Ducati immer am besten und das macht es für alle anderen extrem schwer, gegen sie zu kämpfen.
Du fährst für den aktuell besten Hersteller der MotoGP, aber eben auf einem Vorjahresmotorrad in einem Kundenteam. Rechnest du dir Chancen aus, es auch einmal in das Werksteam zu schaffen?
Wenn ich noch rund ein Jahr so weitermache wie jetzt, dann auf jeden Fall. In einem Jahr werden wir schließlich wohl schon die ersten großen Bewegungen für die neuen Verträge ab 2027 sehen. In dieser Phase musst du voll da sein, denn in diesem Sport bist du immer nur so gut wie dein letztes Rennergebnis. Was du in der Vergangenheit geleistet hast oder wie talentiert du bist, interessiert da niemanden mehr. Aber wie gesagt: Wenn ich so weitermache, könnte sich eine Chance auftun. Und warum sollte ich da nicht zuschlagen?
Vielleicht willst du nicht ein drittes Mal zusammen mit deinem Bruder in einem Team sein. Was fehlt dir aktuell noch, um ihn regelmäßig zu schlagen?
Gute Frage. Ich habe leider keine Antwort darauf [lacht]. Ich weiß nicht wirklich, wie ich ihm sportlich gesehen wehtun kann, weil er keine wirklichen Schwachstellen hat. Wenn ich eine heraussuchen müsste, dann wären es die Rechtskurve, aber seine "Probleme" dort sind praktisch auch nicht existent, wenn man es mit früheren Jahren vergleicht. Es ist dementsprechend schwierig, ihn zu schlagen. Um das zu schaffen, musst du in jedem Aspekt eine herausragende Leistung abrufen. Wenn uns das als Team gelingt, dann ist es möglich. Ansonsten wird es nicht reichen.
Wochenende für Wochenende gegen den eigenen Bruder um MotoGP-Rennsiege zu kämpfen ist eine neue Situation für dich und Marc. Wenn ihr dann am Montagmorgen beim gemeinsamen Frühstück sitzt: Ist die Stimmung anders als in den vergangenen Jahren? Sprecht ihr überhaupt darüber, was passiert ist?
Die Stimmung ist exakt gleich. Wir trainieren nach wie vor miteinander und machen dieselben Dinge. Ehrlich gesagt sprechen wir jetzt sogar mehr über die Rennen als zuvor. Wir schauen uns die Rennen immer gemeinsam noch einmal an und sind in diesem Jahr ja die meiste Zeit zusammen im TV-Bild zu sehen, können also viel detaillierter auf die Dinge eingehen, die wir da sehen. Wenn es keine Aufnahmen von dir gibt, dann kannst du nicht analysieren, wie du bremst, wie du einlenkst oder wo einer von uns beiden in manchen Kurven den Unterschied macht. So komisch es auch ist, aber wir sprechen jetzt mehr miteinander als im Vorjahr, obwohl wir damals Teamkollegen waren. 2024 war aber Marcs erstes Jahr auf einer Ducati, also war er viel mit anderen Dingen beschäftigt. Jetzt hat er das hinter sich gebracht und wir können uns wieder mehr austauschen. Es ist großartig.
Zwei Brüder, die um einen Weltmeistertitel in der Königsklasse des Motorradsports kämpfen - das ist schon etwas sehr Besonderes. Da gibt es auch in anderen Sportarten nur wenig vergleichbare Geschwisterpaare, am ehesten vielleicht noch die Schumacher-Brüder in der Formel 1 oder die Williams-Schwestern im Tennis. Ist euch das eigentlich bewusst, dass ihr gerade Sportgeschichte schreibt?
Wir wissen das schon beide zu schätzen. Marc als älterer Bruder sogar noch etwas mehr. Er ist da ziemlich emotional. In ruhigeren Momenten sagen wir uns schon: "Scheiße, das ist wirklich nicht einfach, was uns hier gelungen ist. Wir sind zusammen an der Spitze dieses Sports!" Vor allem, wenn man bedenkt, wie die Jahre zuvor gelaufen sind. Am Ende war es bei Honda für uns beide alles andere als leicht. Da wird einem die Bedeutung solcher Erfolge auf jeden Fall klar. Und wir wissen auch, dass wir diese Momente genießen müssen, denn man weiß nie, welcher unser letzter Doppelsieg sein wird. Wir haben schon viel zusammen erlebt, aber als Brüder zusammen an der MotoGP-Spitze zu sein steht über allem anderen.
Nachdem dich dein Bruder in Argentinien geschlagen hat, wurdest du in der Pressekonferenz gefragt, wann du endlich deinen übermäßigen Respekt vor ihm ablegen wirst. Du hast darauf sehr gut und klar geantwortet. Du hast verdeutlicht, dass du Marc mindestens so sehr schlagen willst wie jeden anderen Fahrer. Offensichtlich kannst du mittlerweile sehr gut damit umgehen, einen der erfolgreichsten Piloten der Geschichte als Bruder zu haben. Aber: War es für dich schwierig, als du noch jünger und unerfahrener warst?
Nein, eigentlich nicht. Aber es hat mich verletzt, dass mir jemand vorwirft, ich hätte die Gelegenheit gehabt, Marc zu attackieren, diese Gelegenheit aber nicht genützt, weil er mein älterer Bruder ist und ich zu viel Respekt vor ihm habe. Da habe ich mir gesagt: "Fick dich! Jetzt reicht es!" Wenn du als Fahrer jeden Tag im Training, auch in jedem Rennen alles gibst und dir dann so etwas anhören musst, tut das richtig weh. Ich musste klarstellen, dass das einfach nicht so ist. Wenn ich die Chance habe, werde ich Marc genauso attackieren wie Pecco oder jeden anderen Gegner. Das ist als Rennfahrer absolut normal. Keiner will Marc so sehr schlagen wie ich. Bei diesem Rennen in Argentinien hat es aber schlicht und ergreifend nicht gereicht.
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