Mit Maverick Vinales können die spanischen MotoGP-Fans an diesem Wochenende einen ihrer Nationalhelden zurück im Grid begrüßen. Der wohl Größte fehlt jedoch: Marc Marquez kann aufgrund zweier Operationen an Schulter und Fuß nicht am Katalonien-Grand-Prix teilnehmen. Sein Comeback ist frühstens Ende Mai in Mugello angesagt. In aller Munde ist der neunmalige Weltmeister aber auch in Barcelona.

Marc Marquez gibt Verletzungseinblick: Fahre mit anderthalb Armen!

Am Mittwoch veröffentlichte Ducati auf dem hauseigenen YouTube-Kanal nämlich eine weitere Ausgabe der zweiten Staffel von 'INSIDE Ducati Lenovo Team'. Zu sehen gab es im knapp 15 Minuten langen Video diverse 'behind the Scenes' vom zurückliegenden Rennwochenende in Le Mans und folglich auch die hochspannenden Momente nach Marquez' heftigem Abflug im Sprint. Zurück in der Garage zeigte sich der Superstar aus Cervera dort emotional äußerst ergriffen. "Es gibt eine Schraube, die mir Nervenprobleme verschafft. Ich kann damit kein Motorrad fahren. Ich fahre mit anderthalb Armen. Deshalb muss ich Katalonien auslassen. Ich fahre eine Sekunde unter meinem Limit", verkündete er der versammelten Mannschaft den Tränen nahe.

Marc Marquez erneut verletzt! OPs an Fuß und Schulter nötig (08:22 Min.)

Aussagen, die im MotoGP-Paddock natürlich hohe Wellen schlugen. Es hatte zwar immer wieder Vermutungen gegeben, dass Marquez mit Blick auf den Gesundheitszustand seiner Schulter vor Le Mans nicht immer die Wahrheit gesagt hatte. Dass es allerdings so schlimm war, kam dann doch überraschend.

Kein Wunder also, dass Ducati-Teammanager Davide Tardozzi am Donnerstag in Barcelona ganz besonders lobende Worte fand. "Er hat während der ersten Rennen dieses Jahres sehr gelitten. Jetzt zu wissen, was passiert ist und zu wissen, was uns die Ärzte gesagt haben … ich denke, da hat uns Marc wieder einmal gezeigt, dass er ein Superheld und ein außergewöhnlicher Fahrer ist. Er hat Unglaubliches geleistet", zollte der Italiener seinem Schützling höchsten Respekt und hielt anschließend fest: "Was er in seinem körperlichen Zustand geleistet hat, hätte kein anderer schaffen können."

Marc Marquez ließ sein Können auch 2026 immer wieder aufblitzen, Foto: IMAGO / NurPhoto
Marc Marquez ließ sein Können auch 2026 immer wieder aufblitzen, Foto: IMAGO / NurPhoto

Im Detail sind das zwei Sprintsiege, eine Pole Position und 57 WM-Punkte. Äußerst beachtlich mit "anderthalb Armen" und das wirft natürlich die Frage auf, was Marquez 2026 noch ausrichten kann, wenn er wieder vollständig genesen ist. Ist ein Eingriff in den Titelkampf noch möglich? Kann der 33-Jährige vielleicht sogar noch Weltmeister werden?

Trotz Ausfall in Barcelona: Kann Marc Marquez noch MotoGP-Weltmeister werden?

Mit genau diesen beiden Fragen sahen sich auch Marco Bezzecchi, Jorge Martin und Alex Marquez am Donnerstag konfrontiert. Ihre Antworten? Sie fielen eindeutig aus. "Er hat die Weltmeisterschaft letztes Jahr mit 100 Punkten Vorsprung und fünf Rennen vor Schluss in Japan gewonnen. Ich werde ihn also niemals ausschließen. Wir sind immer noch sehr früh in der Saison. Alles kann passieren und wenn er zurück ist, wird Marc sicherlich sehr hungrig nach Siegen sein", gab etwa WM-Leader Bezzecchi an.

Aprilia-Teamkollege Martin, der in der Weltmeisterschaft nur einen Punkt hinter 'Bezz' zurückliegt, bließ ins gleiche Rohr: "Wenn jemand gezeigt hat, dass er vom Tiefpunkt an die Spitze zurückkehren kann, dann ist das Marc. Wir können ihn also keinesfalls ausschließen." Einzig Alex Marquez war kurioserweise etwas zurückhaltender. Der jüngere Bruder von Marc kommentierte: "Jetzt müssen wir erstmal abwarten und sehen, wie viele Rennen er verpassen wird. Eins, zwei, drei, vier … wir wissen es nicht. Erst wenn wir es wissen, werden wir darüber reden können, ob er noch Chancen hat. Jetzt ist es dafür noch zu früh. Ich glaube, dass er aktuell auch selbst gar nicht an die WM denkt. Er denkt nur daran, wieder gesund zu werden."

Angepeilt ist ein Comeback beim Ducati-Heimspiel in Mugello (29. bis 31. Mai), aber eine Garantie gibt es dafür gewiss nicht. Vinales, der sich ebenfalls 'nur' eine Schraube aus der Schulter hatte entfernen lassen, fehlte schließlich auch längere Zeit. Marquez liegt bereits jetzt 71 Punkte im Rückstand, je nach Resultaten könnte dieser in Barcelona also auf etwa 100 Zähler anwachsen. Sollte er dann noch weitere Grands Prix verpassen, würde sein Rückstand nur noch größer werden und dann bräuchte es schon eine historische Aufholjagd, um 2026 doch noch Weltmeister zu werden. Mehr als 91 Punkte Differenz konnte in 77 Jahren WM-Geschichte bislang noch kein Fahrer aufholen.

Marc Marquez muss sich strecken, um die Aprilias 2026 nochmal einzuholen, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Marc Marquez muss sich strecken, um die Aprilias 2026 nochmal einzuholen, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Marquez-Comeback in Mugello? Aktuell "unmöglich zu sagen"

Ob ausgerechnet Marquez also einen potenziell dreistelligen Rückstand nochmal drehen könnte? Das wird nur die Zukunft zeigen. Zumindest für den Moment wird - wie Bruder Alex korrekt erkannte - aber wohl tatsächlich sehr viel vom Zeitpunkt des Comebacks der Nummer 93 abhängen. Wann das erfolgen wird? Teammanager Tardozzi konnte Mugello weder verneinen noch bestätigen: "Die Operation ist gut verlaufen und jetzt müssen wir warten, bis er wieder gesund wird. Aktuell ist es unmöglich zu sagen, wie viele Tage das noch dauern wird."

Was meint ihr: Kann Marc Marquez nach seiner Rückkehr nochmal in den Titelkampf der MotoGP eingreifen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Eine Rolle könnte vielleicht auch spielen, wie sich das Verhältnis zwischen Marco Bezzecchi und Jorge Martin entwickeln wird. Droht Aprilia-intern womöglich Krach? Dieser Frage ist unser Markus im nachfolgenden Video nachgegangen:

WM-Duell Bezzecchi vs. Martin! Aprilia beschwört Team-Harmonie (07:55 Min.)