2014 erwischte es Laguna Seca, 2016 dann auch Indianapolis. Seit Mitte der 2010er-Jahre macht die MotoGP nur noch einmal pro Saison in den Vereinigten Staaten Halt: Ende März wird auf dem Circuit of the Americas in Austin gefahren. Dass das aber nicht mehr lange so bleiben wird, war schon mit dem MotoGP-Einstieg von Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media im Jahr 2024 zu vermuten. Und jetzt nimmt ein zweites Rennen in den USA erstmals konkrete Formen an.

Liberty-CEO stellt klar: Zweites USA-Rennen für die MotoGP in Arbeit

"Wir haben es schon mehrfach gesagt, und wir werden das auch weiterhin betonen: Die USA ist ein wichtiger Markt für die MotoGP und deshalb halten wir unsere Augen nach allen Optionen offen, unser Business dort auszubauen", kommentierte Liberty-CEO Derek Chang vergangene Woche in einem Investorencall und bestätigte damit nochmal, was ohnehin längst alle wussten: "Wir haben ein Interesse daran, weitere Rennen in den USA auszutragen. Es wird Zeit brauchen, so wie auch in der Formel 1, aber wir sehen, dass es einen Appetit danach gibt und dass sich dort ein entsprechender Markt für uns bilden wird."

Austin ist derzeit das einzige MotoGP-Event in den USA, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Austin ist derzeit das einzige MotoGP-Event in den USA, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Kehrt die MotoGP also vielleicht schon bald nach Laguna Seca zurück? Die anspruchsvolle Rennstrecke im Bundesstaat Kalifornien erfreut sich bei Fahrern und Fans schließlich gleichermaßen großer Beliebtheit und wäre folglich ein gerngesehener Zuwachs. Doch die Antwort fällt kurz und schmerzhaft aus: Nein. Der Blick von Liberty Media geht anderenorts - und zwar zum Miami International Autodrome.

MotoGP prüft Machbarkeit eines Grand Prix in Miami

Die Rennstrecke in Florida trug erst kürzlich das vierte Rennen der laufenden Formel-1-Saison 2026 aus und durfte sich in diesem Zuge auch des Besuchs von MGP-Group-CEO [ehemals Dorna, Anm.] Carmelo Ezpeleta erfreuen. Der 79-Jährige aus Barcelona war jedoch nicht nur zum Spaß da, denn sofort machten Gerüchte über ein MotoGP-Rennen in Miami die Runde. Und dass es tatsächlich ein Interesse gibt, bestätigte nun Chang.

Fernando Alonso bei der Formel 1 in Miami
Auslaufzonen sind in Miami Mangelware, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Miami wäre der logische Ort, schließlich gibt es dort schon eine Rennstrecke", kommentierte der Liberty-CEO im eingangs erwähnten Investorencall. "Natürlich gäbe es noch viel zu klären, egal ob Miami oder eine andere Strecke. Wir müssen erst herausfinden, ob das für die MotoGP machbar ist mit Blick auf die Sicherheit und Ähnliches, ob es aus kommerzieller Sicht Sinn ergibt etwa. Aber das sind Gespräche, die wir mit Miami und auch mit anderen [Strecken, Anm.] führen werden, um herauszufinden, welche Standorte für die Expansion in den USA die richtigen wären."

MotoGP will in die Städte, aber Sicherheitsbedenken bleiben

Ob das Miami International Autodrome tatsächlich ein passender Neuzugang für den Rennkalender der Motorrad-WM wäre, muss beim ersten Blick auf das Layout erstmal bezweifelt werden. Es handelt sich beim 5,412 Kilometer langen Kurs zwar nicht um einen Stadtkurs im klassischen Sinne, sondern um eine temporäre Rennstrecke rund um das Hard Rock Stadium von American-Football-Klub Miami Dolphins, aber Auslaufzonen und Sturzräume sind dennoch nur spärlich vorhanden. Weite Teile der Strecke sind von Betonmauern umgeben, die aufgrund angrenzender Gebäude und Brücken auch nur schwer nach hinten verschoben werden können. Speziell im ersten Sektor, einem Hochgeschwindigkeitsabschnitt der Strecke, ein großes Problem. Noch muss eine Machbarkeit eines Miami-GPs in der MotoGP also mit Vorsicht genossen werden.

Dass der Trend unter der Führung von Liberty Media aber immer mehr in Richtung Stadtstrecken gehen wird, ist klar. "Wir wollen näher an die Städte heran, um die vorhandene Infrastruktur besser nutzen zu können", unterstreicht auch Chang nochmals und begründet: "Ob es nun um den Flughafen und Fernreisen geht, um die Anreise für uns selbst oder für die Fans aus dem Ausland, um die Hotels, Restaurants oder die allgemeine Erreichbarkeit - ich halte das für wichtig, und das zeigt sich auch bei den Rennen, die wir für nächstes Jahr angekündigt haben, sowohl in Buenos Aires als auch in Adelaide. Wir machen in dieser Hinsicht also schon ordentlich Fortschritte."

Beim Comeback von Buenos Aires handelt es sich noch um eine klassische Rennstrecke, die schlicht im Zentrum der Stadt gelegen ist und deshalb von Fans auch weniger kritisch zur Kenntnis genommen wurde. Die Verlegung des Australien-GPs von Phillip Island nach Adelaide ab 2027 sorgte in den vergangenen Monaten aber für großen Aufschrei. Alle Details zu den Plänen der MGP Group und Liberty Medias findet ihr hier: