MotoGP-Fans müssen an diesem Donnerstag schlucken. Nach dem sich ein Wechsel des Klassikers auf Phillip Island zur Formel-1-Strecke in Melbourne durch das Veto der Lokalregierung zerschlagen hatte, verkündet die Königsklasse nun das Ende des Kult-Rennens mit der Saison 2026. Statt in Melbourne soll nun ab 2027 in Adelaide der erste Stadtkurs der MotoGP-Geschichte befahren werden.

Adelaide statt Melbourne: Südaustralien überbietet Phillip Island

Was bereits am Mittwoch durch australische Nachrichtensender berichtet wurde, ist nun am Donnerstag offiziell durch MotoGP-Sportdirektor Carlos Ezpeleta und Südaustraliens Premierminister Peter Malinauskas bestätigt worden. Das Rennen auf Phillip Island hatte in den letzten Jahren vermehrt mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und wäre nur schwer auf die modernen Infrastrukturstandards auszubauen, welche sich Liberty Media in Zukunft von MotoGP-Rennen erwartet. Die Stichworte sind Hospitality, TV-Equipment, VIP-Bereich & Co. Die Königsklasse drängte daher auf einen Standortwechsel, dem die Provinz Victoria nicht zustimmte.

Das Rennen auf Phillip Island wird 2026 das letzte Mal gefahren, Foto: MotoGP Press
Das Rennen auf Phillip Island wird 2026 das letzte Mal gefahren, Foto: MotoGP Press

Stattdessen hat sich nun die Regierung der Provinz Südaustralien mit ihrem Angebot durchgesetzt und einen Vertrag bis 2032 erhalten. Diese möchte wieder Motorsport-Veranstaltungen von internationalem Renommee nach Adelaide bringen. "Dies ist ein großer Erfolg für Südaustralien und ein weiterer Beweis dafür, dass unser Bundesstaat wirklich in Schwung gekommen ist. Wir konkurrieren jetzt mit dem Rest des Landes um die besten Veranstaltungen der Welt – und gewinnen. Die Ausrichtung des weltweit ersten MotoGP-Rennens auf einem Straßenkurs wird Adelaide ein wirklich einzigartiges Angebot bescheren, das mit Sicherheit Besucher aus anderen Bundesstaaten und aus dem Ausland anziehen wird", meint Malinauskas.

Auf dem Stadtkurs, auf welchem von 1985 bis 1995 die Formel 1 gastierte, fahren derzeit nurmehr nationale Serien wie die Supercars. Der Kurs in seiner MotoGP-Variante soll 4,2 Kilometer lang werden, 18 Kurven enthalten und etwa 340 km/h Topspeed ermöglichen.

Machbarkeit eines Stadtkurses für MotoGP höchstfraglich: Ersatzstrecke stünde bereit

Ein Stadtrennen stellt für die MotoGP völliges Neuland dar. Wie die Sicherheit für Motorräder bei mangelnden Auslaufzonen und nahen Mauern gewährleistet werden soll, ist für alle Beobachter ein Rätsel. Die Maßnahmen von Autorennen, deren Fahrzeuge Sicherheitszellen besitzen, sind für die Zweiräder nicht ausreichend.

Carlos Ezpeleta versicherte dennoch: "Von Anfang an haben wir gemeinsam mit der FIM dafür gesorgt, dass die Sicherheit nicht beeinträchtigt wird – jedes Element des Adelaide Street Circuit wurde so konstruiert, dass es den höchsten Standards der modernen MotoGP entspricht, damit die Fahrer mit voller Intensität und absoluter Zuversicht fahren können." Es wäre jedoch bei weitem nicht das erste Mal, dass die MotoGP ein angekündigtes Rennen nicht austragen kann. Einen Rückblick auf diese Historie haben wir in unserem Video:

Legendäre Luftschlösser: Hier ist die MotoGP nie gefahren (07:03 Min.)

Als Alternative in Südaustralien würde sich noch 'The Bend' anbieten. Die 2016 eröffnete permanente Rennstrecke liegt etwa 100 Kilometer südöstlich von Adelaide. Bisher wurden dort fast nur nationale Meisterschaften ausgetragen. Diese Strecke hat sich bereits durch die australischen Superbikes als Motorrad-tauglich erwiesen. Dem eigentlichen Ziel des Standortwechsels entspräche dies nicht. Ein Rennen in der Provinz würde durch ein anderes ausgetauscht.

Ein BMW auf der Rennstrecke The Bend in Australien
Die MotoGP könnte auch auf 'The Bend' fahren, Foto: IMAGO / Action Plus

Aus für Phillip Island: MotoGP-Fans entsetzt

Für den Kult-Klassiker aus Phillip Island bedeutet die Ankündigung das Aus nach über drei Jahrzehnten MotoGP-Rennen auf der Natur-Achterbahn. Die Austragung von 2026 wird die vorerst letzte für den spektakulären Kurs darstellen. Mehrere Rennen in Australien, wie in Italien oder Spanien, dürfen ausgeschlossen werden.

Die ersten Reaktionen auf den sozialen Netzwerken auf die Nachricht des Streckenwechsels finden bisher ein vernichtendes Echo. Stellvertretend dafür meldete sich Australien-Legende Casey Stoner vielsagend auf Instagram: "Warum würde die MotoGP ihre vermutlich beste Strecke aus dem Kalender nehmen...das soll jeder selbst für sich entscheiden." Die meistgelikte Antwort auf den Post war ein Meme, in dem Bündel von Geldscheinen gezählt werden.

Sobald es neue Entwicklungen und Informationen zur Zukunft des Australien Grand Prix gibt, informiert euch Motorsport-Magazin.com natürlich sofort. Wie ihr die MotoGP und damit auch das voraussichtlich letzte Mal Phillip Island 2026 im TV verfolgen könnt, erklären wir euch hier: