Lediglich zehn Tage noch, dann startet die MotoGP mit den Trainings zum Thailand-Grand-Prix endlich in die neue Saison 2026. Kurz vor Beginn der letzten Testfahrten in Buriram (21. und 22. Februar) werden die Schlagzeilen in der Königsklasse des Zweiradsports aber weiterhin von 2027 bestimmt. Einerseits, weil der Fahrermarkt für das kommende Jahr bereits jetzt verrückt spielt und andererseits, weil sich die fünf MotoGP-Hersteller aktuell der großen Herausforderung gegenübergestellt sehen, komplett neue 850ccm-Motorräder für 2027 entwickeln zu müssen. Und dann gilt es dieser Tage auch noch, die Zukunft des Australien-GPs zu klären.
Dieser ist seit inzwischen fast 30 Jahren auf dem Grand-Prix-Circuit von Phillip Island beheimatet. Und das auch völlig zurecht, gilt der 4,448 Kilometer lange Kurs im äußersten Südosten Australiens doch längst als Liebling von Fahrern und Fans zugleich. Eine fahrerisch anspruchsvolle Highspeedstrecke in malerischer Kulisse, was will das Herz eines Motorradrennfahrers mehr? Nichts! Das eines Kaufmanns aber schon.
Phillip Island vor dem Aus? MotoGP will in den Albert Park!
Das große Problem des Phillip Island Circuits ist dessen Infrastruktur. Das knapp bemessene Gelände rund um die Strecke bietet nur wenig Platz für das Paddock, fehlt es an großen Tribünen, schicken VIP-Boxen und Hotels. Zudem ist die Strecke selbst bei guter Verkehrslage kaum in unter zwei Stunden vom Flughafen in Melbourne aus zu erreichen. Wahrlich kein Umfeld also, in das die neuen MotoGP-Besitzer von Liberty Media zahlungskräftige Kundschaft locken können. Und genau deshalb ist ein Verbleib von Phillip Island im Rennkalender über 2026 hinaus - dann endet der aktuelle Vertrag - auch in der Schwebe.
Wie Motorsport-Magazin.com bereits vor einigen Monaten berichtete, gibt es bei den MotoGP-Promotern um Liberty Media und das ehemalige Unternehmen Dorna Sports, das seit Dienstag unter dem Namen 'MotoGP Sports Entertainment Group' firmiert, aktuell Überlegungen, den Australien-GP auf eine finanziell lohnenswertere Rennstrecke zu verlegen. Im Westen von Melbourne soll beispielsweise der 'Avalon Motor Park' entstehen, der Phillip Island ablösen könnte - allerdings erst in einigen Jahren, da die Strecke bis zum Herbst 2027 sicherlich noch nicht betriebsbereit sein wird. Und deshalb rückte zuletzt auch der aus der Formel 1 bekannte Albert Park Circuit im Zentrum von Melbourne in den Blickpunkt. Dabei handelt es sich zwar um einen Stadtkurs, aber das muss kein Ausschlusskriterium sein. "Die einzige Sache, die wir brauchen, sind Auslaufzonen. Wenn es eine Strecke mit Auslaufzonen in einer Stadt gibt, dann sind wir gerne dabei", deutete MotoGP-SEG-CEO Carmelo Ezpeleta schon Ende November entsprechende Gedankenspiele an.

Lokalregierung lehnt ab: MotoGP-Rennen soll auf Phillip Island bleiben
Keine drei Monate später scheint der Albert Park Circuit nun sogar die neue Priorität der MotoGP-Promoter geworden zu sein. Das verriet am Dienstag ausgerechnet die australische Lokalregierung in einem öffentlichen Statement. Das einzige Problem: Die Oberhaupte des Bundesstaates Victoria spielen bei den aktuellen Plänen der Königsklasse nicht mit. "Am Dienstag hat die Allan-Regierung [angeführt von Jacinta Allan, Premierministerin des Bundesstaats Victoria, Anm.] eine Anfrage von Dorna Sports, das Event von Phillip Island in den Albert Park zu verlegen, abgelehnt", heißt es dort mit folgender Begründung: "Phillip Island steht symbolisch für den Australien-Grand-Prix und [der Bundesstaat] Victoria ist stolz, ihn zu unterstützen. Die MotoGP lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher nach Phillip Island. Das ist positiv für den Tourismus, für lokale Unternehmen und für die Beschäftigung."
Kein Wechsel in den Albert Park also, zumindest wenn es nach der Regierung des Bundesstaates Victoria geht, welche das Event auf Phillip Island jährlich mit rund 20 Millionen Australischen Dollar [rund 11 Millionen Euro, Anm.] unterstützt. Doch droht dem Australien-GP dann vielleicht sogar das vollständige Aus in der MotoGP? Nein, denn die Regierung zeigte sich zugleich bereit, weitere finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen, um die Forderungen der MotoGP-Promoter für einen Verbleib auf Phillip Island durch einen Ausbau und eine Modernisierung der Infrastruktur zu erfüllen. "Victoria hat zugestimmt, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um der Dorna dabei zu helfen, nach 2026 eine größere und bessere Veranstaltung zu organisieren - jedoch unter der Bedingung, dass diese weiterhin auf Phillip Island stattfindet", heißt es im Statement.
Nun bleibt abzuwarten, wie die MotoGP-Promoter um Carmelo Ezpeleta reagieren werden. Ein wichtiger Schritt für den Verbleib des Australien-GPs auf Phillip Island scheint jedenfalls getan, aber gesichert ist die Zukunft des Events damit noch lange nicht. Die MotoGP könnte sich beispielsweise auch trotz deutlicher infrastruktureller Verbesserungen auf Phillip Island gegen einen Verbleib über 2026 hinaus entscheiden und den Australien-GP völlig aus dem Kalender streichen, um den freiwerdenden Platz stattdessen an eine andere Strecke im asiatischen oder amerikanischen Raum zu vergeben. An Interessenten soll es Liberty Media und Co. schließlich nicht mangeln und mit 22 Grands Prix pro Saison operiert die Königsklasse aktuell schon am Maximum. Um neue Austragungsorte reinzuholen, müssten also zunächst aktuelle Gastgeber Platz machen.
Welche Rennstrecken aktuell noch wie lange an die MotoGP gebunden sind, könnt ihr in unserer Vertragsübersicht nachlesen:



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