Wenn MotoGP-Fahrer nach ihrer Lieblingsrennstrecke gefragt werden, ist die Antwort meist dieselbe: Phillip Island. Unter Fans würde so eine Umfrage wohl recht ähnlich ausfallen. Die Mischung aus malerischer Umgebung, einem extrem schnellen und flüssigen Layout sowie den dadurch meist sehr engen Rennen ist alles, was man sich von einem Kurs wünschen kann.
Phillip Island und die MotoGP: Beziehung mit Ablaufdatum?
Und dennoch ist der Verbleib des Phillip Island Circuit im MotoGP-Rennkalender alles andere als sicher, wie Motorsport-Magazin.com am vergangenen Wochenende im Fahrerlager erfahren hat. Der aktuelle Zehnjahresvertrag zwischen der Australian Grand Prix Corporation und Promoter Dorna läuft 2026 aus. Und für eine langfristige Verlängerung des Kontrakts unter den neuen Machthabern von Liberty Media sollen einige Bedingungen erfüllt werden müssen.
In erster Linie geht es hierbei um die Infrastruktur an der Strecke. So großartig das Layout auch ist, so bescheiden präsentiert sich das Fahrerlager auf Phillip Island. Das knapp bemessene Gelände ist vollgepfercht mit wenig ansprechenden Containern, die eher das Feeling einer Baustelle als jenes der Königsklasse des Motorradsports vermitteln. Zu den Europarennen bringen die Teams ja ohnehin ihre eigenen Hospitality-Einheiten, auf anderen Kontinenten ist es aber Aufgabe der Streckenbetreiber, eine derartige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Außerdem fehlt es an schicken VIP-Boxen.
Liberty Media: Die Ziele mit der MotoGP
Nicht unbedingt ein Umfeld also, in das Liberty Media zahlungskräftige Kundschaft locken kann. Doch genau auf diese Klientel hat man es dort abgesehen: Es ist kein Zufall, dass in der Formel 1 unter der Schirmherrschaft von Liberty vermehrt auf neue Strecken und viele Stadtkurse gesetzt wird. Was zählt ist eine schicke Umgebung, ausreichend hochklassige Hotels in der Umgebung und gute Erreichbarkeit mittels nahegelegener Flughäfen - das wünschen sich VIPs und die besser betuchten Anhänger des Sports.

Auf Phillip Island fehlt es an all diesen Dingen. Hotels gibt auf der Insel kaum, privat vermietete Häuser sind die gängigste Form der Unterkunft. Der Flughafen von Melbourne ist auch bei guter Verkehrslage kaum in unter zwei Stunden zu erreichen. Und die Infrastruktur an der Strecke wurde ja bereits thematisiert. Die Anlage befindet sich im Besitz des australischen Unternehmers Lindsay Fox, der aber wenig Interesse an großen Investitionen zeigt. Der Bundesstaat Victoria unterstützt das Event bereits mit jährlich rund 20 Millionen Australischen Dollar (rund 11 Millionen Euro) - höhere Ausgaben will man dem Steuerzahler aber nicht zumuten.
Gerüchten zufolge soll Besitzer Fox den Phillip Island Circuit nun sogar verkaufen und mit dem eingenommenen Geld eine neue Strecke im Westen von Melbourne finanzieren wollen. Der 'Avalon Motor Park' befindet sich bereits in der Planungsphase. Diese Anlage könnte die Wünsche von Liberty Media dann deutlich leichter erfüllen als Phillip Island. Klar ist aber auch: Bis zum Start eines neuen Vertrags für den Australien-Grand-Prix ab 2027 wird der Avalon Motor Park wohl nicht einsatzfähig sein. Liberty Media soll deshalb über eine Zwischenlösung mit Phillip Island nachdenken, um dann sobald möglich auf die neue Strecke zu übersiedeln.
Motorsport-Magazin.com meint: Liberty Media ist auf dem besten Weg, sich unter den MotoGP-Fans viele Feinde zu machen. Phillip Island definiert wie kaum eine andere Rennstrecke den Motorradsport. Strecken wie diese sind der Grund, warum sich Menschen in die MotoGP verlieben. Solche Austragungsorte durch seelenlose neue Anlagen zu ersetzen, ist ein Angriff auf die Identität der Königsklasse auf zwei Rädern. Bei allem Verständnis für das Geschäftsmodell von Liberty Media: Hier muss eine Lösung im Sinne des Sports und der Fans gefunden werden.
Stimmt ihr uns zu oder könntet ihr damit leben, wenn der Australien-GP bald auf einer moderneren MotoGP-Rennstrecke ausgetragen würde? Sagt uns eure Meinung unbedingt in den Kommentaren!



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