Während dem Grand-Prix-Wochenende in China gab die Formel 1 offiziell bekannt, dass die beiden für April geplanten Nahost-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien nicht wie geplant über die Bühne gehen werden. Damit bestätigten sich wochenlange Spekulationen, die von der geopolitischen Lage ausgelöst wurden. Doch was genau steckt hinter den Absagen? Wir haben die wichtigsten Fragen für euch beantwortet:
Warum wurden die F1-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt?
Die kurze Antwort lautet: Krieg. Die lange: Ab dem 28. Februar griffen die USA und Israel in koordinierten Luftschlägen den Iran an. Dieser reagierte mit Gegenschlägen auf fast alle Staaten in der gesamten Golf-Region und teilweise sogar darüber hinaus. Darunter Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate oder eben auch Saudi-Arabien und Bahrain. Die Wüsteninsel ist für die USA in der Region besonders wichtig, da man dort den wichtigsten Flottenstützpunkt am Persischen Golf besitzt und wird deshalb entsprechend häufig gezielt ins Visier genommen.
Die beidseitigen Luftschläge halten nach wie vor an, was zu massiven Behinderungen im internationalen Flugverkehr führt und beinahe täglich Todesopfer fordert. Unter der ständigen Gefahr von Luftangriffen ist natürlich an die Abhaltung von Großveranstaltungen nicht zu denken. Ein Ende des Krieges ist schwer abzusehen. Die Formel 1 musste also früh genug reagieren, um den Teams die Möglichkeit zu geben, logistisch ihren weiteren Fahrplan vorzeitig abzustecken. In China lief diese selbst gesetzte Deadline aus.
Wieso gibt es keine Ersatzrennen?
Schon seit Anfang März schien eine Absage unausweichlich zu werden. Und ursprünglich machten auch zahlreiche Gerüchte über potenzielle Alternativrennen die Runde. Die am häufigsten genannten Kandidaten waren Portimao oder Imola. Aber auch Ideen wie Deutschland, die Türkei oder ein zweites Japan-Rennen lagen im Raum. Die FIA bestätigte, dass Alternativen diskutiert wurden, aber die Entscheidung fiel schließlich gegen einen Ersatz.
Gründe wurden offiziell keine genannt, aber es steht die Logistik im Fokus. Ein zweites Asien-Rennen war bei den Teams unpopulär, da es nach einer ohnehin bereits langen Übersee-Reise mit Australien, China, Suzuka noch mindestens eine weitere Woche in jener Weltregion bedeutet hätte. Für ein Europarennen hätten die Transportrouten erneut über den Haufen geworfen werden müssen, auch angesichts der Golfregion als Knotenpunkt ist es da einfacher die Paddock-Fracht direkt nach Florida weiterzuliefern. Letztendlich sind aber die Finanzen ein ausschlaggebender Punkt.
Mit nur etwa einem Monat Vorbereitungszeit wäre die Organisation eines Rennens mit viel logistischem und finanziellem Mehraufwnd verbunden gewesen. Strecken sind mitunter schon anderweitig gebucht. Budgets sind von Seiten potenzieller Promoter schon weit im Voraus eingeplant und so hätte die Formel 1 - wenn überhaupt - nur geringe Antrittsgebühren erwarten können. Vermutlich eher gar keine. Da geht ein bedeutender Teil des Geschäftsmodells der Königsklasse nicht auf.
Werden die Rennen nachgeholt?
In der Bekanntgabe ist nur davon die Rede, dass Bahrain und Saudi-Arabien nicht im April stattfinden werden. Von einer Absage steht in dieser kein Wort, stattdessen aber Bekenntnisse aller Beteiligten, "so früh es die Umstände erlauben" zurückzukehren. Die Rennen sind also offiziell für 2025 nicht vom Tisch, aber die entscheidenden Hürden sind das Klima und der Formel-1-Kalender.
Der heiße Sommer mit Tages-Durchschnittstemperaturen von über 30 Grad in den beiden Wüstenländern machen die Abhaltung eines Grands Prix zwischen Mai und September praktisch unmöglich - auch nicht abends. Bereits im April und Oktober erlebte die Formel 1 in der Region bereits wahre Hitzeschlachten. Theoretisch wäre also nur der Herbst denkbar. In diesem ist der Kalender aber so dicht wie eh und je. Zunächst steht zwischen dem 25. Oktober und dem 8. November der Amerika-Tripleheader (USA, Mexiko, Brasilien) auf dem Programm, dann mit nur einem rennfreien Wochenende Pause dazwischen der finale Tripleheader mit Las Vegas, Katar und Abu Dhabi.
Formel 1 Kalender 2026 - Rennen, Startzeit, Strecken
In der MotoGP wurde das Problem so gelöst, dass das Saisonfinale nach hinten rückte, um Platz für den abgesagten Katar-GP zu schaffen. Aber da die Formel 1 erst im Dezember ihr letztes Rennen fährt, bleibt auch hier nicht viel Spielraum. Theoretisch ließe sich durch eine Verschiebung des Abu-Dhabi-GPs, dem vertraglich das Saisonfinale zugesichert ist, also Platz für ein Rennen schaffen. Ein noch nie zuvor erlebter Quadruple-Header wäre aber die Folge. Ein Szenario, das man aufgrund der enormen Belastung der F1-Teams sogar während Covid tunlichst vermieden hatte und gegen das die Rennställe wohl Widerstand leisten würden.
Sind weitere Formel-1-Rennen in Gefahr?
Wie schon erwähnt lässt sich laut heutigem Stand nur schwer abschätzen, wie lange der Iran-Konflikt noch anhält. 100-prozentige Garantien gibt es also keine. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass die involvierten Konfliktparteien bis in den Herbst in der aktuellen Intensität Ressourcen dafür aufbringen können oder wollen.
Die Formel 1 kann also entspannt bleiben, denn das nächste Rennen in der Gegend findet erst am 29. November mit dem Katar-GP statt, eine Woche später das Finale in Abu Dhabi. Einschläge gab es in den ersten Kriegstagen zwar auch in einer peripheren Exklave Aserbaidschans, aber das Land war seitdem nicht mehr von dem Krieg betroffen - die Hauptstadt Baku erst recht nicht. Der GP in dem Kaukasus-Staat, der 2026 an einem Samstag ausgefahren wird, ist also ebenfalls nicht gefährdet.
So sieht der aktuelle F1-Rennkalender aus:
| Datum | Grand Prix | Strecke |
|---|---|---|
| 08.03.2026 | Australien | Albert Park Circuit, Melbourne |
| 15.03.2026 | China | Shanghai International Circuit, Shanghai |
| 29.03.2026 | Japan | Suzuka Circuit, Suzuka |
| 03.05.2026 | Miami | Miami International Autodrome, Miami Gardens, Florida |
| 24.05.2026 | Kanada | Circuit Gilles Villeneuve, Montreal |
| 07.06.2026 | Monaco | Circuit de Monaco, Monaco |
| 14.06.2026 | Barcelona-Catalunya | Circuit de Barcelona-Catalunya, Montmeló |
| 28.06.2026 | Österreich | Red Bull Ring, Spielberg |
| 05.07.2026 | Großbritannien | Silverstone Circuit, Silverstone |
| 19.07.2026 | Belgien | Circuit de Spa-Francorchamps, Stavelot |
| 26.07.2026 | Ungarn | Hungaroring, Mogyoród |
| 23.08.2026 | Niederlande | Circuit Zandvoort, Zandvoort |
| 06.09.2026 | Italien | Autodromo Nazionale Monza, Monza |
| 13.09.2026 | Spanien | Madring, Madrid |
| 26.09.2026 (Samstag) | Aserbaidschan | Baku City Circuit, Baku |
| 11.10.2026 | Singapur | Marina Bay Street Circuit, Singapur |
| 25.10.2026 | USA | Circuit of the Americas, Austin, Texas |
| 01.11.2026 | Mexiko | Autódromo Hermanos Rodríguez, Mexiko-Stadt |
| 08.11.2026 | São Paulo | Interlagos Circuit, São Paulo |
| 21.11.2026 (Samstag) | Las Vegas | Las Vegas Strip Circuit, Paradise, Nevada |
| 29.11.2026 | Katar | Lusail International Circuit, Lusail |
| 06.12.2026 | Abu Dhabi | Yas Marina Circuit, Abu Dhabi |
Wie geht es mit den F1-Nachwuchsserien weiter?
Die Formel 2 wäre bei den abgesagten Rennen an beiden Wochenenden gefahren, die Formel 3 nur in Bahrain und die F1 Academy in Saudi-Arabien. All diese Rennen wurden selbstverständlich mitabgesagt. Während sich die Formel 1 gegen Ersatz-GPs entschied, gilt in den Nachwuchsklassen (vor allem in der F2/F3) ein Ersatz als wahrscheinlich.
Fahrer berappen sowohl in der Formel 2 Budgets von mehreren Millionen für eine volle Saison, auch in der F3 liegen die Summen mittlerweile im siebenstelligen Bereich. Die Absagen würden sie also um ihren zugesicherten Kalender bringen oder die Teams durch Minderungen einer wichtigen Einnahmequelle berauben.
Vor allem aber lassen die weniger dichten Kalender deutlich einfacher Ersatztermine zu, wenn nötig auch abseits von F1-Wochenenden. In der Formel 2 wäre das kein Novum. Im Herbst klafft im F2-Kalender eine große Lücke, während die F3-Saison etatmäßig ohnehin schon im September zu Ende geht.
Formel 2 Kalender 2026 - Rennen, Startzeit, Strecken
Wie viel Geld kosten die Absagen?
So viel vorweg: Eine konkrete Summe lässt sich im Vorfeld nicht benennen, sondern nur Schätzungen. Aber man kann damit rechnen, dass sich die entgangenen Einnahmen auf eine dreistellige Millionensumme belaufen. Bahrain und Saudi-Arabien zählen zu den finanzkräftigsten Rennen im Kalender. Offizielle Zahlen zu den Antrittsgebühren für die einzelnen GPs gibt es nicht, aber nur zur Orientierung: In Summe nahm die Königsklasse im Vorjahr etwa 824 Millionen US-Dollar (ca. 714 Mio. Euro) über diese Antrittsgelder ein.
Diese verteilen sich nicht gleichmäßig auf alle 24 Rennen und kaum irgendwo verdient die F1 so viel wie in den rohstoffreichen Golfstaaten. Die Rede ist davon, dass diese pro GP Summen jenseits der 50 Millionen Dollar abwerfen - die kolportierten Zahlen variieren. Alleine das würde eine Delle in Form einer dreistelligen Millionensumme in die Bilanz schlagen.
Das ist aber nicht alles. Dazu kommen noch Sponsoring-Einnahmen. Auch hier liegen keine genauen Zahlen pro GP vor, weshalb wir uns an den Gesamtjahres-Summen orientieren. Die Sponsoring-Einnahmen liegen im Schnitt pro Rennen bei 28 Millionen US-Dollar, es kann allerdings je nach Vertrag variieren, ob diese tatsächlich einer Minderung unterliegen.
Fix aus bleiben die Hospitality-Einnahmen, deren Summe über das Jahr nicht gesondert ausgewiesen wird. Groben Schätzungen zufolge liegen sie im Schnitt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Die TV-Verträge fallen durch die Absagen bei der Formel 1 nicht ins Gewicht, da Minderungen bei ihnen erst unterhalb einer gewissen Anzahl von GPs greifen und somit 22 GPs für die volle Auszahlung ausreichen. Konservativ geschätzt entgehen der Königsklasse insgesamt Einnahmen im Bereich von mindestens 150 Millionen US-Dollar, teilweise ist die Rede sogar von bis zu 200 Millionen. Eine genauere Schätzung kann man wohl in ein paar Monaten anstellen, wenn die Bilanz des ersten Quartals von Liberty Media vorliegt.
Welche Auswirkungen hat die Absage auf das Entwicklungsrennen?
Was die Entwicklungsgeschwindigkeit angeht, ändern die Absagen kaum etwas. "Wir designen neue Teile und das passiert relativ unabhängig von dem Umstand, ob man zu Rennen 4 und 5 reist", sagte McLaren-Teamchef Andrea Stella. Was sich allerdings ändert, ist der Zeitpunkt, zu dem Upgrades erstmals zum Einsatz kommen. Bahrain war dafür der logische Ort, denn aufgrund der Position im Kalender als erstes Rennen in der näheren Umgebung Europas und der hohen Erfahrungswerte aus dem Winter bot sich Sakhir als die perfekte Strecke für Neuentwicklungen an.
Ferrari beispielsweise hatte wie viele andere Teams für Bahrain größere Updates geplant, diese verschieben sich nun bis Miami. Bei McLaren war ohnehin schon immer Miami der Plan. Das erste US-Rennen wird nun bei wohl allen Teams in den Fokus rücken, um größere Update-Pakete zu liefern. Positiv ist für alle Verfolgerteams von Mercedes: Ihnen bleibt nun mehr Zeit zum Entwickeln, relativ gesehen zur Anzahl jener Rennen in denen die Silbernen ihre aktuelle Dominanz ausspielen können.
Was bedeutet das für die Formel-1-Motoren?
In der Formel 1 gelten ab 2026 die sogenannten ADUOs (Additional Development and Upgrade Opportunities). Diese erlauben bei einem gewissen Rückstand zur Spitze mehr Entwicklungen. Bei einem Rückstand von mehr als zwei Prozent greift die erste Stufe, bei mehr als vier Prozent Rückstand erhält ein Hersteller noch mehr Zugeständnisse. Derzeit scheinen außer Mercedes alle Motorhersteller davon auszugehen, dass sie ADUOs nutzen können, um ihren Rückstand gegen die Silberpfeil-Motoren anzugehen.
Die Crux: Als Stichtag für die ADUOs gelten vier Deadlines. Nach Rennen 6, 12, 18 und zu Saisonende. Ausnahmen sind im Reglement keine vorgesehen, dadurch würde sich die erste Deadline aufgrund der beiden ausgefallenen Rennen von Miami nach Monaco verschieben und damit den Mercedes-Vorteil um einen weiteren Monat stützen.
Update: Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com laufen gerade Diskussionen mit der FIA, um die Deadlines an die Absagen anzupassen. Mehr dazu gibt es hier:



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