Die Absage der beiden April-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Kriegs im Nahen Osten zieht auch sportliche Konsequenzen für die Formel 1 nach sich. Während Motor-Kontingente durch die voraussichtliche (de facto könnten die Rennen noch nachgeholt werden) Verkleinerung des Rennkalenders von 24 auf 22 Grands Prix unangetastet bleiben dürften, könnte es durchaus Änderungen am Zeitplan für Motoren-Updates geben.
Das sogenannte ADUO-Reglement (Additional Development and Upgrade Opportunities) sieht eigentlich vier Beobachtungszeiträume über die Saison hinweg vor. Nach jeweils sechs Rennen werden die Leistungen der Verbrennungsmotoren der verschiedenen Hersteller mit einem Performance-Index verglichen.
Durch den Entfall der beiden Nahost-Rennen im April findet das sechste Rennen aber erst Anfang Juni in Monaco statt. Eigentlich wäre Miami Anfang April Rennen Nummer sechs und damit das letzte des ersten Beobachtungszeitraums gewesen. Für praktisch alle Hersteller außer Klassenprimus Mercedes wäre das ein großer Nachteil.
Deshalb laufen im Hintergrund Diskussionen, das Reglement anzupassen. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com wird die FIA den Motorenherstellern einen Vorschlag unterbreiten, die Deadline nach vorne zu schieben. Weil lediglich von Mercedes Gegenwind zu erwarten ist, dürfte der Vorschlag abgesegnet werden.
Mercedes-Jäger wollen Motor-Updates - so schnell als möglich
Audi hat bereits öffentlich zugegeben, beim Motor noch einen großen Rückstand zu haben. Die Ingolstädter erhoffen sich durch die ADUO-Regel, etwas aufholen zu können. Selbst Ferrari-Teamchef Fred Vasseur sprach nach dem China-GP von ADUO-Updates bei der Scuderia.
Rückstände am Motor sind schwieriger aufzuholen. Einerseits, weil die Vorlaufzeiten für Motor-Komponenten deutlich länger sind als für Chassis-Entwicklungen. Auf der anderen Seite sind die Motoren homologiert und dürfen nur eingeschränkt entwickelt werden.
Wer aber beim Verbrennungsmotor mehr als 2 Prozent hinter dem besten Motor liegt, bekommt Upgrade- und Entwicklungs-Zugeständnisse. Maßgeblich für die Einstufung ist nicht nur die Spitzenleistung des Verbrennungsmotors, sondern ein sogenannter ICE Performance Index.
Das Technische Reglement beinhaltet eine Liste von 84 Komponenten, bei denen festgelegt ist, wann sie ein Performance-Update erhalten dürfen. Grundsätzlich gibt es maximal ein Update pro Teil pro Jahr, das muss zu Saisonbeginn eingeführt werden. Bei manchen Teilen ist nur in bestimmten Jahren ein Update erlaubt, bei anderen gar nicht. Wer jetzt aber über 2 Prozent Rückstand hat, der bekommt mehr.
Das System ist hier mehrstufig. Wer zwar mehr als 2 Prozent, aber weniger als 4 Prozent zurückliegt, darf sowohl in der laufenden als auch in der nächsten Saison je ein zusätzliches Update bringen. Über 4 Prozent werden die Updates verdoppelt. Für welche Teile man diese ADUO-Erlaubnis verwenden darf, steht grundsätzlich frei, solange sie in der angesprochene 84-Komponenten-Liste als ADUO-Teile markiert sind.
Das System ist in Schritten von 2 Prozentpunkten bis insgesamt 8 Prozent gestaffelt. Je größer der Rückstand, desto mehr Upgrade-Möglichkeiten gibt es. Außerdem gibt es noch mehr Prüfstandszeit und Lockerungen bei der Budgetobergrenze.
Auf die Budgetobergrenze auf Team-Seite haben die Absagen übrigens keine Auswirkungen. Das Reglement erlaubt das maximale Budget von 215 Millionen US-Dollar bei "24 oder weniger Rennen". Nur für den Fall, dass es mehr als 24 Rennen geben sollte, gibt es Aufschläge.



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