15.03.2006. An diesem Tag ließ sich Giancarlo Fisichella als Sieger des Malaysia Grand Prix feiern. Fast auf den Tag genau 20 Jahre später steht wieder ein Italiener auf dem obersten Treppchen der Formel 1. Kimi Antonelli erlöste mit seinem Triumph in China die zwei Jahrzehnte andauernde Sieges-Durststrecke.
"Kimis Sieg hat mich sehr bewegt. Er ist ein 19-jähriger Junge, der sich kontinuierlich verbessert. Er hatte Probleme mit den Starts, aber er hat nie den Mut verloren", geriet Luca di Montezemolo regelrecht ins Schwärmen. Die langjährige Gallionsfigur der Roten ist wie Antonelli in Bologna geboren und betonte: "Kimi zeigte Reife und Gelassenheit – Eigenschaften, die man nicht unbedingt mit einem Italiener verbindet, und schon gar nicht mit jemandem in seinem Alter."
Montezemolo: Antonelli lieber in Rot gesehen
Lediglich eine Sache stieß Montezemolo am Sonntag in Shanghai bitter auf: die silberne Lackierung von Antonellis Auto. Der frühere Ferrari-Boss hätte den 19-Jährigen lieber in Ferrari-Rot gesehen. "Er bringt alles mit, was es braucht. Aber es hat mich ein wenig 'gestört', ihn in einem Mercedes zu sehen", räumte Montezemolo gegenüber der italienischen Corriere della Sera ein. Allerdings war die Kombo aus italienischem Rennfahrer in einem Ferrari in der über 70-jährigen F1-Geschichte selten von großen Erfolgen gekrönt.
Von Luca Badoer, Giancarlo Fisichella in der jüngeren F1-Geschichte über Nicola Larini, Ivan Capelli, Gianni Morbidelli Anfang der 90er bis zu Michele Alboreto und Arturo Merzario – ihnen allen blieben WM-Titel in Rot verwehrt. Einzig Alberto Ascari gelang es, sich mit zwei Fahrertiteln (1952, 1953) für die Scuderia ein Denkmal zu schaffen. Geht es nach Montezemolo, ist es für Kimi Antonelli zumindest in einem Punkt bei Mercedes richtig gelaufen: "Er gab sein Formel-1-Debüt in einem Auto, das kein Siegerauto war - und damit ohne den Druck, dem er jetzt ausgesetzt ist."
Italiens Formel-1-Sieger von 1950 bis 2026
| Fahrer | Siege | Rennen bis 1. Sieg |
|---|---|---|
| Alberto Ascari | 13 | 11 |
| Riccardo Patrese | 6 | 72 |
| Michele Alboreto | 5 | 28 |
| Nino Farina | 5 | 1 |
| Giancarlo Fisichella | 3 | 111 |
| Elio de Angelis | 2 | 55 |
| Giancarlo Baghetti | 1 | 1 |
| Lorenzo Bandini | 1 | 21 |
| Vittorio Brambilla | 1 | 25 |
| Luigi Fagioli | 1 | 8 |
| Luigi Musso | 1 | 11 |
| Alessandro Nannini | 1 | 61 |
| Ludovico Scarfiotti | 1 | 4 |
| Piero Taruffi | 1 | 7 |
| Jarno Trulli | 1 | 117 |
| Kimi Antonelli | 1 | 26 |
Montezemolo über Elektro-Ferrari: Nicht mal unter Drogeneinfluss
Bei Ferrari wäre es unmöglich, einen Rookie ins Cockpit zu setzen. "Jemanden wie Antonelli zu nehmen und ihn direkt in einen Ferrari zu setzen, hätte bedeutet, ihn zu zerstören", stellte Montezemolo klar. Für ihn ist es nicht nur bitter, Antonelli in einem Mercedes zu sehen, sondern auch Ferrari lediglich als zweitstärkste Kraft hinter Mercedes zu sehen. "Es tut mir weh zu sehen, dass sie ein gutes Auto haben, aber keines, das in der Lage ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Was mich am meisten schmerzt, ist, dass sie es in den vergangenen zehn Jahren nie bis zum letzten Rennen im Kampf um den Fahrertitel geschafft haben."
Zu seiner Ferrari-Zeit waren sie zumindest im Kampf. "Wir haben elf Meisterschaften im allerletzten Moment verloren. Ich erinnere mich daran wie an Schläge in die Magengrube - aber wir waren immerhin im Kampf dabei", so der 78-Jährige. Über die "neue" Formel 1 wollte er noch kein Urteil fällen, allerdings stellte er klar, dass es unter seiner Führung niemals einen elektrischen Ferrari gegeben hätte. "Nicht einmal unter Drogeneinfluss", lautete das klare Urteil Montezemolos.



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