Die Vorbereitungen auf die neue MotoGP-Generation von 2027 laufen langsam heiß. Am Montag nach dem Rennen in Brünn gibt es erstmals einen gemeinsamen Test der 850er-Bikes auf den neuen Pirelli-Reifen. Leider wird dieser als privater Test unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Es ist also zu befürchten, dass nicht allzu viele Informationen nach außen dringen werden. Zum Glück hat uns einer der Hersteller aber bereits Einblick in die neue Regel-Periode gewährt.
Aprilia im Entwicklungsspagat zwischen WM-Kampf und MotoGP-Generation 2027
Die MotoGP-Spitzenreiter von Aprilia zeigten sich bisher am meisten in Plauderlaune, was die neue MotoGP-Generation angeht. Als einziger Hersteller veröffentlichten sie sogar ein paar Bilder ihres ersten 850er-Tests in Jerez. Warum ansonsten viel Geheimhaltung angesagt ist und auch der Brünn-Test hinter verschlossen Türen bleibt, erklären wir euch in unserem neuesten Video:
Bei Aprilia wird über einige Dinge offen gesprochen. "Es war ein sehr guter Beginn, ein erster Shakedown des Motorrads. Der Motor war für viele Monate auf dem Prüfstand, aber für den Rest des Bikes war es der erste Test. Ehrlicherweise ist das sehr gut verlaufen und [Lorenzo] Savadori hat großartige Arbeit geleistet", berichtete Team-Manager Paolo Bonora über die Ausfahrt in Jerez. Es war dennoch nur der erste Schritt in einem schwierigen Spagat: "Das Bike hat sich schon ein wenig verändert. Ohne Ride-Height-Device braucht es eine andere Balance in Sachen Setup und Elektronik. Es wird eine sehr harte zweite Saisonhälfte für uns, denn wir müssen das Niveau mit dem 1000er in der Meisterschaft hochhalten und gleichzeitig zuhause am 850er arbeiten."
Aprilias Entwicklungsleiter warnt: Wer falsch liegt, merkt es zu spät
Genaueren Einblick in die technischen Begebenheiten bot Marco de Luca, Leiter der Fahrzeugentwicklung bei Aprilia. "Es ist kein kompletter Bruch. Wir werden vermutlich ein paar Aspekte des aktuellen Konzeptes auf das neue Bike übertragen und es weiterentwickeln, während es bei anderen Dingen nicht geht", schätzt er die Veränderungen ein, die der Königklasse bevorstehen.

Die technischen Entscheidungen der nächsten Monate werden langfristige Folgen haben: "Es gibt viele Herausforderungen. Die Reifen sind nicht schwierig, aber sie sind unbekannt. Wir müssen sie erst einmal in den Griff bekommen. Bislang haben wir einige gute Testläufe absolviert und damit begonnen, unsere eigenen Modelle zu erstellen. Was den Rest des Motorrads angeht, werden wir es mit einem Fahrzeug zu tun haben, das sich in Bezug auf Gewicht und Gewichtsverteilung völlig von den bisherigen unterscheidet. Wir müssen bei unseren Simulationen sehr vorsichtig sein und den richtigen Weg einschlagen, denn wenn man den falschen Weg einschlägt, merkt man es immer zu spät."
Keine falsche Hoffnung für MotoGP-Fans: Bikes bleiben Flügelmonster, auch mit weniger PS
Honda-Testfahrer Aleix Espargaro schwärmte bereits von leichteren und wendigeren Motorrädern, aber ein Dorn im Auge der Fans wird weiter bestehen bleiben. "Solange die Aerodynamik nicht verboten wird, muss man jede verfügbare Ressource auf jeden Zentimeter des verfügbaren Platzes verwenden. Es wird sicherlich anders sein als jetzt. Es wird einige Einschränkungen und weniger Homologationen geben. Man muss es gleich beim ersten Mal richtig hinbekommen. Ehrlich gesagt geben wir so viel aus, wie wir nur können. Die Aerodynamik wird immer entscheidend sein", stellt de Luca klar, dass die Einschränkung der Aero-Flächen definitiv kein Ende des Flügelsalats der MotoGP darstellen wird. Die ersten Fotos des 850er-Prototypen belegen dies auch eindeutig. Hoffnung auf glatte Verkleidungen wie früher gibt es also keine.

Während die Aero-Entwicklung also weiter auf Hochtouren läuft, kann der Verlust von 150 Kubikzentimetern Hubraum beim Motor durch nichts kompensiert werden. Den zu erwartenden Leistungsabfall in Sachen Rundenzeit beziffert De Luca allerdings überraschend gering: "Wenn du 40 oder 50 PS verlierst, dann kannst du nichts machen. Du kannst keine Wunder bewirken. Ich glaube, dass es zu Beginn einen Unterschied im Rahmen von einer Sekunde geben wird." Damit wurden die Erwartungen jedoch bereits deutlich übertroffen. Die ersten Prognosen gingen von bis zu 2,5 Sekunden höheren Rundenzeiten aus.
Brünn-Test ohne Aussagekraft? "Niemand wird alle Karten aufdecken"
Ob De Lucas Vorhersage wirklich der Fall sein wird, werden wir wohl erst in einigen Monaten oder gar erst mit der Saison 2027 erfahren. Selbst wenn Zeiten aus Brünn nach außen dringen sollten, so schätzt De Luca diesen Test bereits zuvor als wenig repräsentativ ein: "Das wird ein entscheidender Moment, aber ich glaube nicht, dass alle ihre Karten aufdecken werden. In diesem ersten gemeinsamen Test in Brünn wird niemand bereits alles auf der Strecke zeigen oder alles bereit haben. Das ist noch mitten in der Entwicklungsphase."
Vor dem Geheimtest findet in Brünn ja auch noch ein Rennwochenende statt, glücklicherweise in aller Öffentlichkeit. Wie ihr den Klassiker in Tschechien verfolgen könnt, erfahrt ihr hier:



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