Unter höchster Geheimhaltung bestritt die MotoGP am Montag in Brünn ihren ersten Test der Stammfahrer mit den 850er-Maschinen und Pirelli-Reifen für die Saison 2027. Obwohl wir ein paar Dinge in Erfahrung bringen konnten, so fehlte uns etwas Wichtiges: Die Eindrücke der dort eingesetzten Piloten. Vor dem Rennen in Assen konnten sie uns nun einen gewissen Einblick gewähren.
Aprilia-Duo mit Vorfreude: Spaßiges Motorrad, spannende Rennen
Aprilia ging bisher am offensten mit Informationen zu den neuen Motorrädern um und auch am Donnerstag vor der Dutch TT gaben zuerst die beiden Einsatzpiloten aus Noale Auskunft. "Ich hatte beim Test zwei Möglichkeiten und habe die kürzere, was die Rundenzahl angeht, gewählt. Trotzdem waren das 60 Runden am Montag. Das war ein guter Tag", berichtete Marco Bezzecchi. Was er im Nachhinein zu seiner Sperre in Brünn zu sagen hatte, könnt ihr hier lesen:
An seinen Aussagen wurde klar, wie sehr die neue Generation der Königklasse noch in den Kinderschuhen steckt. Dennoch herrscht Vorfreude: "Das Bike sieht cool aus, aber natürlich ist es noch sehr früh, etwas zu sagen. Da wird noch viel Arbeit in der Fabrik nötig sein, aber auch für mich als Fahrer. Sich daran anzupassen, wird sehr schwierig, doch es ist ein Schlüsselfaktor. Aber mir hat das Fahren gefallen. Das Bike sieht nicht nur gut aus, es macht auch Spaß."
Dem schloss sich Raul Fernandez an. Der Trackhouse-Pilot besetzte beim Test die Box von Jorge Martin, der zu Yamaha wechseln wird und daher nicht mehr berufen wurde. "Ich darf nichts über den Test sagen. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass das Motorrad sehr viel Spaß macht. Ihr werdet spannende Rennen in der MotoGP sehen. Ich glaube, die MotoGP hat eine gute Regeländerung vorgenommen, um die Dynamik ein wenig zu verändern", machte er den Fans Appetit. Das deckt sich mit den Aussagen von Honda-Testpilot Aleix Espargaro, der vor ein paar Wochen bereits schwärmte:
Honda-Piloten vermuten für 2027: Qualifying weniger wichtig, Überraschungen möglich
Doch was sagen die Honda-Stammfahrer? Luca Marini und Joan Mir könnten die Japaner beide verlassen - beim Italiener besteht noch eine Chance als Testfahrer zu bleiben - doch durften sie dennoch am Montag testen. Auch sie verrieten ein paar Dinge.

"Ihr könnt euch vorstellen, dass wir nicht zu viel sagen dürfen. Aber das Motorrad macht Spaß. Die Kurvengeschwindigkeit ist höher, der Topspeed offensichtlich geringer. Und in einem solchen neuen Projekt gibt es auch noch viel Raum für Verbesserungen. Es ist fantastisch" berichtete Mir. Er kann sich Veränderungen im Kräfteverhältnis vorstellen: "Der Fahrstil ist sehr anders. Der Reifen funktioniert auf andere Weise. Es ist komplett gegenteilig. Wir müssen uns anpassen und da wird es nächstes Jahr Überraschungen geben, wie die Fahrer mit ihrem Bike zurechtkommen."
Marini traute sich sogar bereits vorsichtige Prognosen auf die sportlichen Auswirkungen des neuen Reglements zu. "Es gibt viele Veränderungen. Mit Sicherheit die Reifen, deren Management sehr wichtig werden wird. Vielleicht wird auch der Benzinverbrauch eine Rolle spielen. Bei einer solchen Veränderung des Motors kann das einigen Herstellern passieren. Ich glaube, dass nächstes Jahr das Qualifying vielleicht etwas weniger wichtig werden wird", meinte der Italiener.
Neue MotoGP-Reifen von Pirelli: Gewaltiger Unterschied und große Chance für Toprak Razgatlioglu?
Wie das Honda-Duo bereits anschnitt, sind die neuen Reifen von Pirelli ein großes Thema. Wie bedeutend der Unterschied zu Michelin ist, machte Yamahas Wildcard-Pilot Augusto Fernandez deutlich. Da er einerseits am 850er arbeitet und andererseits den V4-Motor des 1000er-Modells entwickelt, wechselt er stetig zwischen den Welten. Eine heikle Angelegenheit: "Die Reifen ändern den Fahrstil sehr. Sie sind komplett anders. Die beiden Marken arbeiten total anders. Wo du dem einen [Reifen] vertrauen kannst, darfst du dem anderen nicht vertrauen. Daran musst du dich in den ersten Runden einer Ausfahrt immer erinnern. Deswegen hatte ich auch schon Stürze."
Profitieren könnte vom Wechsel vor allem Markenkollege Toprak Razgatlioglu. Der Türke war in der Superbike-WM jahrelang erfolgreich auf Pirelli unterwegs und musste dann beim Königsklassen-Debüt zugeben, wie schwer ihm der Umstieg auf Michelin viel. "Ja, natürlich", antwortete bereits Fernandez auf die Frage, ob die Pirellis 'El Turco' helfen würden.

Diesen Eindruck bestätigte der Pramac-Pilot sofort: "Nach dem Test war ich zufrieden. Ihr wisst ja, dass wir mit unserem aktuellen Motorrad noch nicht zu 100 Prozent bereit sind, aber trotzdem haben wir schon den 850er mit den neuen Pirellis getestet. Das war schon jetzt sehr positiv." Sein Reifenurteil war sehr eindeutig: "Obwohl wir uns im Umgang mit dem Hinterreifen noch verbessern müssen, bietet er unglaublichen Grip. Und besonders auf dem Vorderreifen ist das Gefühl dasselbe wie bei den Superbikes."
Marc Marquez stürzt im Brünn-Test, aber Start mit 850er 'nicht schlecht'
Zum Schluss haben wir noch den amtierenden Weltmeister im Angebot. Bei Ducati waren die beiden für 2027 verbleibenden Stammfahrer im Einsatz. Da Fermin Aldeguer krankheitsbedingt leider seine Medienrunde nicht abhalten konnte, beschränkten sich die Aussagen auf Marc Marquez. Trotz höchster Geheimhaltung tauchte ein Video in den sozialen Netzwerken auf, welches ihn im Nachgang eines - allerdings wohl recht harmlosen - Sturzes auf der 850er-Maschine von Ducati zeigt:
Auf diesen Vorfall gang die Nummer 93 natürlich nicht ein und er wollte sich auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wie seine Fahrerkollegen: "Ein erster Eindruck bleibt immer nur ein erster Eindruck. Du musst dich erstmal um alles kümmern, das ist eine Menge Arbeit für die Teams, mit allen neuen Dingen, die in die Meisterschaft Einzug halten. Wir werden sehen, aber der Start war nicht schlecht." Darüber hinaus gelte nun erstmal der Saison 2026 die volle Aufmerksamkeit. Den generellen Tenor der Vorfreude und Spannung unterstrich in der Pressekonferenz am Donnertag daher eher sein künftiger Teamkollege Pedro Acosta, der noch für KTM getestet hatte: "Es wird interessant für uns und die Fans. Es fühlt sich wie eine andere Klasse an."
Was erwartet ihr euch von den neuen Regeln und Reifen der MotoGP ab 2027? Sagt es uns in den Kommentaren.



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