Der Regel-Neustart der MotoGP für die Saison 2027 wird bereits im Jahr 2026 zum großen Thema der Königsklasse. Die ersten 850er-Motoren wurden bereits getestet. Mit dem Verbot der Ride-Height-Devices und der Einschränkung der Aerodynamik wurden weitere Maßnahmen zur Einbremsung der gefährlichen Raketen auf zwei Rädern beschlossen. Doch wie viel langsamer wird es werden? Erste Zahlen aus Ingenieurskreisen sind nun bekannt geworden.

Diese wurden selbstverständlich nicht von den Herstellern selbst veröffentlicht. Stattdessen verriet sie einer der Offiziellen. Ex-Rennfahrer Loris Capirossi ist seit Jahren als Sicherheitsbeauftragter Teil der Rennleitung. Dementsprechend hat er sich Informationen zu den neuen Motorrädern ab 2027 eingeholt, denn die erreichten Geschwindigkeiten und Rundenzeiten sind logischerweise sicherheitsrelevant.

Loris Capirossi begutachtet die Strecke in Assen
Loris Capirossi ist Teil der Rennleitung, Foto: IMAGO / Goal Sports Images

MotoGP-Prognose für 2027: Bikes bis zu 2,5 Sekunden langsamer

Im Podcast 'Mig Babol' von Ex-Moto3-Pilot Andrea Migno spracht der Italiener über den Paceverlust ab 2027. "Die Daten der Ingenieure der Hersteller in den Simulationen deuten darauf hin, dass die Motorräder 2027 zwischen 1,5 und 2,5 Sekunden langsamer als die aktuellen Maschinen sein werden", kündigte der dreifache Weltmeister der Nachwuchsklassen (zwei 125er-Titel und ein 250er-Triumph) an.

Dabei handelt es sich um die aktuellen Einschätzungen der Hersteller. Mit den Testfahrten und weiteren Erkenntnissen zu den neuen Pirelli-Reifen kann sich diese Prognose aber verschieben. Außerdem werden die Unterschiede natürlich durch die jeweiligen Streckencharakteristiken beeinflusst. Besonders bei den Gummis sind die Fragezeichen derzeit noch groß. Mehr dazu hier:

"Der Hauptgrund dafür wird die Reduktion der Flügel sein, aber auch der 850ccm-Motor", gibt Capirossi an. Derzeit fährt die MotoGP noch 1000ccm-Motoren mit Leistungswerten jenseits der 300 PS. Die genauen Werte geben die Hersteller nicht preis. Die gewaltige Verbesserung der Rundenzeit in den letzten Jahren wurde aber hauptsächlich durch die Entwicklung im Bereich der Aerodynamik erzielt. Dort wird der Anpressdruck der ab 2027 deutlich reduzierten Flügeloberflächen fehlen. Den Fans ist der Geflügelsalat ohnehin ein Dorn im Auge. Zum einen gilt das optisch, zum anderen sorgen die Winglets durch verwirbelte Luft für Schwierigkeiten beim Überholen.

Geschichte wird sich wiederholen! - Loris Capirossi glaubt nicht an dauerhafte Einbremsung

Wie lange die MotoGP durch die Regelrevolution langsamer bleibt, ist derzeit nicht abzusehen. Loris Capirossi geht aber davon aus, dass sich ein altbekanntes Muster wiederholt. "Das wird genauso wie 2007, als sie die 800ccm-Bikes eingeführt haben. Zu Beginn ist es ganz normal, dass sie langsamer werden", erinnert sich der damalige Ducati-Pilot.

2007 erlebte Capirossi die letzte Einbremsung selbst, Foto: Ducati
2007 erlebte Capirossi die letzte Einbremsung selbst, Foto: Ducati

Besonders lange hatte dies jedoch nicht Bestand. Nur wenige Jahre später fielen bereits wieder Rundenrekorde. "Meiner Meinung nach wird sich die Geschichte wiederholen. Zuerst wird alles langsamer vonstattengehen. Genau deswegen wurden die Regeln ja auch eingeführt. Aber in den weiteren Entwicklungsphasen werden sie dann wieder auf Speed kommen", ist Capirossi überzeugt, dass die Ingenieure der Königsklasse einmal mehr ihre Wege finden werden.

Während die Zukunft schon ihre Schatten vorauswirft, haben wir bei Motorsport-Magazin.com auch noch einmal die Saison 2025 und ihre Themen Revue passieren lassen. Unseren Rückblick seht ihr hier:

Marc Marquez zu gut - oder die Gegner zu schwach? (31:05 Min.)