Es wird langsam wieder zu einem altbekannten Gefühl. Schon zum zweiten Mal in diesem Kalenderjahr meldete sich Marc Marquez am Freitag von einem verletzungsbedingten Ausfall zurück. Kein Wunder also, dass in Mugello - wie schon Anfang Februar bei den Testfahrten in Sepang - alle Augen auf den Superstar der MotoGP gerichtet waren. In welcher Verfassung würde sich der verletzungsgebeutelte Spanier diesmal zurückmelden? Das erste Zwischenfazit nach den Trainings fällt erfreulich aus, zumindest in einer Hinsicht.
Freigabe durch die Ärzte: Marc Marquez in Mugello 'rennfit'
Die erste positive Nachricht für alle Fans der Nummer 93 gab es schon zur Mittagszeit. 24 Stunden zuvor hatte es zunächst nur eine vorläufige Startfreigabe gegeben, nach dem FP1 wurde ein weiterer Medizincheck anberaumt. Wie zu erwarten, fiel den Ärzten der MotoGP aber auch bei der Zweituntersuchung nichts Negatives auf, womit Marquez nun auch für den restlichen Italien-GP als 'rennfit' erklärt wurde. Einem Start im Sprint am Samstag sowie im Grand Prix am Sonntag steht damit nichts mehr im Weg.
Weil Marquez im 1. Freien Training mit 1,177 Sekunden Rückstand auf Markenkollege Fabio Di Giannantonio aber nur auf Platz 15 landete, sah sich Ducatis Teammanager Davide Tardozzi dazu genötigt, erstmal auf die Euphoriebremse zu treten. "Marc ist die erste Session etwas langsam und bedacht angegangen. Er macht sich nicht schlecht, aber er ist noch nicht in perfekter Form. Er wird dieses Rennen und Ungarn [kommende Woche, Anm.] noch benötigen, um dann in Brünn wieder bei 100 Prozent zu sein", kommentierte er im Interview mit MotoGP-Boxengassenreporter Jack Appleyard.
Erstmal nur Schadensbegrenzung also, um bis zum Tschechien-GP Mitte Juni (19. - 21.06.) wieder in Fahrt zu kommen? Nein, zumindest wenn es nach Stallgefährte Francesco Bagnaia geht. "Er arbeitet sehr ruhig und gut. Als es Zeit für die 'Timeattack' war, ist er sie gefahren und war sofort da", lobte der Italiener seinen Teamkollegen. Für ihn ist deshalb klar: "Er verwaltet seine Energy. Sobald es in die Rennen geht, wird er da sein."

Eine klare Botschaft also: Mit Marquez ist fortan wieder zu rechnen! Aber sieht der 33-Jährige aus Cervera das auch selbst so? Zunächst einmal verkündete er am Freitagabend erleichtert: "Für mich war heute das Wichtigste herauszufinden, wie der Nerv reagieren würde und das Gute ist, dass ich ihn heute nicht mehr gespürt habe. Ich hatte keine Taubheitsgefühle im Arm, in den Fingern oder im Ellbogen. Für den Moment funktioniert alles gut und das macht mich froh."
Marc Marquez verrät: Schulter-OP ein Erfolg, aber…
Die Schulter-Operation vom Le-Mans-Sonntag darf also als voller Erfolg abgestempelt werden. Gleichzeitig musste Marquez aber gestehen, dass nun nicht wieder Friede, Freude, Eierkuchen angesagt ist. Es gibt neue Probleme beim amtierenden MotoGP-Champion. "Jetzt, da der Nerv wieder wie normal funktioniert, arbeite ich wieder mit anderen Muskeln auf dem Motorrad. Ich habe neue Schmerzen und ein neues Gefühl auf dem Motorrad. Ich spüre den Nerv nicht mehr, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich gedacht hätte, dass ich mich besser fühlen würde", gab Marquez zu. Er verliere speziell in den Rechtskurven und beim Richtungswechsel viel Zeit.
Der Spanier glaubt daher, noch einige Zeit zu brauchen, ehe er wieder zu 100 Prozent attackieren kann. "Am Limit fühle ich mich noch nicht wohl. Über eine Runde kann ich das aushalten, aber nicht über die Renndistanz. Da bin ich pro Runde aktuell eine halbe Sekunde langsamer als die Spitzenfahrer." Ist es also doch nicht Bagnaia, sondern Tardozzi, der die Lage um seinen Superstar korrekt erkannt hat? "Wir müssen jetzt schauen, dass wir uns über die nächsten Rennen Schritt für Schritt verbessern. Dieses Wochenende werde ich theoretisch von Tag zu Tag eher schlechter werden, weil ich immer müder werde", stimmte Marquez seinem Teammanager zu.
Marc Marquez fürchtet: In Mugello keine Chance aufs MotoGP-Podium
Scheint also, als müssten Marquez-Fans noch etwas länger auf Grand-Prix-Sieg Nummer 100 warten. "Ich bin nicht bereit, um einen Platz in den Top-Fünf zu kämpfen", machte der Ducati-Werkspilot klar und ergänzte: "Ich bin ehrlich. Ich würde gerne sagen, dass ich hier die maximale Punkteausbeute holen will, um in der Weltmeisterschaft voll da zu sein. Aber momentan geht es für mich nur darum, meinen Arm und damit auch meine Zukunft wieder aufzubauen. Das ist mein einziges Ziel. Ich habe keine Ziel-Rundenzeit oder eine Ziel-Platzierung im Kopf. Es geht nur um konstante Verbesserung."
Vermutlich also doch Schadensbegrenzung für Marc Marquez. Was traut ihr ihm im Italien-Grand-Prix zu? Und was glaubt ihr, wann wir ihn wieder im Angriffsmodus sehen werden? Sagt es uns in den Kommentaren!
Bruder Alex Marquez fehlt in Barcelona unterdessen verletzt, ebenso wie Johann Zarco. Aus ihren schlimmen Stürzen vor zwei Wochen will die MotoGP jetzt Konsequenzen ziehen und vier Sicherheitsupdates bringen. Was genau zur Debatte steht, das erfahrt ihr hier:



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