Dass der Grand-Prix-Sieg in Silverstone nur über die Aprilias gehen würde, war MotoGP-Fans und -Experten zugleich spätestens nach der dominanten Vorstellung im Sprint klar. Als Siegertipp dürfte die große Mehrheit vor dem Start wohl Ai Ogura oder Jorge Martin angegeben haben. Tatsächlich war es jedoch Raul Fernandez, der am Sonntag in einer eigenen Liga fuhr und zum zwölften unterschiedlichen Silverstone-Sieger in Serie aufstieg. Frust und Taktik machten seine Galavorstellung möglich.
Frust nach Sprintsturz: Raul Fernandez wandelt Ärger in Speed
"Ich war ziemlich sauer", erinnerte Fernandez im Rahmen der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz an seinen Sturz im Sprint. So hatte er von außen mitansehen müssen, wie seine drei Aprilia-Kollegen allesamt auf das Podium fuhren. "Das Team hat mir dann geholfen, wieder in einen positiven Gemütszustand zu kommen. Ich habe meinen Ärger genutzt, um noch schneller zu fahren. Das hat mich ermutigt, als ich heute wieder auf das Motorrad gesprungen bin. Dafür möchte ich Davide [Brivio, Anm.] und dem Team danken."

Wer das MotoGP-Rennen am Sonntag live verfolgte, fragte sich mit Blick auf das Reifendrama vom Vortag aber vielleicht, ob Fernandez zu Beginn des Grands Prix nicht sogar etwas zu schnell unterwegs war. Knapp vier Sekunden hatte er sich nach dem ersten Renndrittel schließlich schon von seinem ersten Verfolger Marco Bezzecchi abgesetzt. Das konnte bei diesem erwartet hohen Reifenverschleiß doch nicht gutgehen, oder? Doch konnte es - und Fernandez wusste das schon vorher.
Warm Up als Fingerzeig: Raul Fernandez lernt Medium-Limit frühzeitig kennen
"Das Warm Up hat mit geholfen zu verstehen, wo das Limit des Hinterreifens liegt. Das war etwa bei einer [Rundenzeit von, Anm.] 1:58.5 Minuten. Vom Start weg habe ich dann versucht, tiefe 59er-Zeiten zu fahren. Da ich heute morgen gelernt hatte, wo das Limit liegt, hatte ich dann auch keine Angst mehr, dass die Reifen zum Rennende noch einbrechen würden", enthüllte der 25-Jährige aus Madrid. Als sich Jorge Martin in Runde zwölf mit einem Zwischenspurt auf 3,6 Sekunden annäherte, waren so auch noch genug Reserven vorhanden, um den Vorsprung wieder auf vier Sekunden zu erhöhen und anschließend konstant zu halten.
Bestätigt wurden Fernandez' Aussagen übrigens durch Trackhouse-Stallgefährte Ai Ogura. Der Japaner streute in seiner Medienrunde Rosen: "Raul war dieses Mal wirklich stark. Als ich nach dem Warm Up seine Daten gesehen habe, wusste ich gleich, dass das heute sein Tag werden würde." Worte, die auf der anderen Garagenseite sicher gerne zur Kenntnis genommen werden, denn an einem Sonntag kam Fernandez zuletzt beim Saisonstart in Buriram vor Ogura ins Ziel. Diesmal wäre der WM-Dritte aber selbst ohne Sturz chancenlos gegen die Nummer 25 gewesen. Kein Wunder, dass Fernandez deshalb jubelt: "Wir haben wirklich gute Arbeit geleistet. Das war das perfekte Rennen!"
Raul Fernandez und Trackhouse feiern Vertragsverlängerung in Style!
Wohl wahr - und augenscheinlich auch die beste Art und Weise, die am Mittwoch verkündete Vertragsverlängerung mit Trackhouse Racing bis Saisonende 2028 zu zelebrieren. "Ich denke schon", lachte Teamgründer Justin Marks am 'ServusTV'-Mikrofon auf die Frage, ob das die richtige Entscheidung gewesen sei. Der US-Amerikaner lobte: "Als er nicht wusste, ob sein Vertrag verlängert werden würde, hat er angefangen zu liefern. Jetzt haben wir verlängert, seine Zukunft ist gesichert - und er performt immer noch. Wir können also sehr glücklich sein. Ich bin wirklich stolz auf dieses Team!"
Fernandez selbst konnte da nur zustimmen. "Als meine Situation noch unklar war, war ich in einigen Rennen wirklich etwas gefrustet. Jetzt konnten wir uns aber auf einen guten Deal einigen", strahlte der Spanier, der sich nun zweimaliger MotoGP-Grand-Prix-Sieger nennen darf und offensichtlich gestärkt aus all den Strapazen der letzten Monate hervorgegangen ist. "Das war ein mental sehr forderndes Rennen", meinte er mit Blick auf knapp 45 Minuten freie Fahrt ohne Gegnerdruck. "Dann musste ich auch das Benzin von der ersten Runde an managen. Aber das haben wir wirklich gut hinbekommen. Ich bin sehr happy und weiß gar nicht so recht, was ich noch sagen soll."

Ein völlig gegenteiliges Rennen erlebte am Sonntag Marc Marquez. Der Landsmann von Fernandez wurde nur drittbester Ducati-Fahrer und ruderte mit Blick auf seine rechte Schulter anschließend wieder zurück. Hier gibt's alle Infos dazu:



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