"Das ist ein besonderer Moment für mich. Ein Traum wird wahr", strahlte Toprak Razgatlioglu bei der Vorstellung seines ersten MotoGP-Motorrads. Spät, aber doch hat der Ausnahmekönner der Superbike-WM den großen Schritt geschafft. Ist vom Pramac-Piloten auch in der Königklasse Spektakel zu erwarten? Und welche Herausforderungen stehen ihm bevor? 'El Turco' gab erstmals Rede und Antwort.
Yamaha-Boss von Razgatlioglu begeistert: Mussten sein Talent in die MotoGP bringen!
Zuvor hatte Razgatlioglu sich aufgrund des noch bestehenden Vertrags mit BMW nicht zu seinem MotoGP-Abenteuer äußern können. Mit dem Beginn des neuen Jahres ist er nun aber offiziell bei Yamaha angestellt. Der neue Boss Paolo Pavesio war treibende Kraft hinter der Verpflichtung.

"Für Yamaha ist es bei Toprak ein Comeback. Alle wissen, dass er vier sehr besondere Jahre [inklusive Weltmeistertitel 2021, Anm. d. Red] mit uns in der Superbike-WM hatte. Er ist heute immer noch der Yamaha-Fahrer mit den meisten Siegen bei den Superbikes. Schon 2022 sprachen wir mit seinem Manager und wussten, dass wir sein Talent eines Tages in die MotoGP bringen müssen. Es hat etwas länger als erwartet gedauert, aber ich bin sehr glücklich darüber. Er ist bereiter als je zuvor", äußerte sich der Italiener voller Vorfreude.
Toprak Razgatlioglu vor großer Umstellung in der MotoGP: Alles ist komplett anders
Mit dieser ist er nicht allein. Die Motorrad-Fans sind gespannt, ob 'El Turco' in der MotoGP für ähnliche Furore sorgen wird, wie in der Superbike-WM. Dort gewann er mit spektakulärem Fahrstil als Spätbremser drei Weltmeistertitel. Doch die Umstellung wird gewaltig. "Alle fragen mich, wie sehr sich das Superbike und die MotoGP unterscheiden. Ich muss ihnen sagen: Alles ist komplett anders. Das gilt besonders für die Reifen", gab Razgatlioglu im ersten Interview als MotoGP-Pilot zu bedenken. Die Michelin-Gummis vermitteln nicht viel Rückmeldung und gelten als tückisch für die Piloten.

"Für mich wird das die größte Herausforderung [der Karriere, Anm. d. Red]. Ich sehe 2026 vermutlich eher als Lehrjahr. 2027 mit den neuen Regeln können wir vielleicht um das Podium kämpfen, aber das weiß ich noch nicht. Wir müssen erstmal sehen, wie 2026 verläuft. Es ist sehr wichtig für mich, dass ich mich an das Bike anpasse. Außerdem gibt es einige Strecken, die ich erst erlernen muss", war sich der Türke der Schwierigkeit seiner Aufgabe bewusst. 2026 gilt es, die Michelin-Reifen und Ride-Height-Devices zu meistern. Und das alles auch noch, während Yamaha die Umstellung auf den V4-Motor vollzieht.

Trotz der Fülle an Herausforderungen gab es auch bereits vorsichtigen Optimismus zu hören: "Die ersten Tests mit der neuen YZR-M1 V4 waren positiv, besonders was die Beschleunigung und den Kurvenausgang betrifft. Aber natürlich war das erst der Anfang. In der MotoGP kommt die Leistungsfähigkeit durch kontinuierliche Arbeit, Datenstudium und schrittweise Verbesserungen."
'Familie' bei Pramac schafft richtiges Umfeld: Alle wollen mir helfen
Teamkollege Jack Miller ist von seinem neuen Garagenpartner begeistert. "Er ist eine Legende. Wir hatten ein paar schöne Tage und haben uns auch abseits der Strecke kennengelernt. Es war schön, ihn als Person kennenzulernen. Ich freue mich sehr auf dieses Jahr. Das wird Spaß machen. Pramac fühlt sich wie eine Familie an und Toprak genießt diese Atmosphäre", gab der Australier an.

Dieses Gefühl bestätigte auch Razgatlioglu selbst. Das richtige Umfeld für sein MotoGP-Debüt sei vorhanden: "Jack ist ein sehr guter Teamkollege. Er ist ein lustiger Typ, das ist schön. Wir werden viel zusammenarbeiten, was die Entwicklung angeht. Das lief bereits sehr gut beim Test. Alle haben sie mir zugehört. Das war sehr wichtig für mich. Ich habe keine Erfahrung auf einem MotoGP-Bike, aber ich spüre, dass ich direkt mit dem Team sprechen kann und sie mir alle helfen wollen, den richtigen Weg zu finden." Er geht von baldigen Früchten dieser Arbeit aus: "Ich denke in Malaysia [bei den Testfahrten, Anm. d. Red.] wird uns ein großer Fortschritt gelingen. Wir haben sechs Tage zur Verfügung [Razgatlioglu darf als Rookie auch beim dreitägigen Shakedown fahren, Anm. d. Red.] und Yamaha wird neue Teile bringen."
'Stoprak' auch in der MotoGP? "Werde 2027 wieder meinen Stil fahren!"
Im Zuge der MotoGP-Anpassung stellen sich die Fans die Frage, ob wir dann noch den 'Stoprak' sehen werden, der in der Superbike-WM auf der Bremse mit dem Hinterrad in der Luft begeisterte? Der 29-Jährige glaubt daran, dass er seine spektakuläre Fahrkunst auch in der Königsklasse zeigen kann: "Für mich ist das sehr wichtig, dass ich meinen Fahrstil umsetzen kann. Vielleicht gelingt mir das dieses Jahr noch nicht, aber nächstes Jahr vermutlich zu 90%."

Ganz der Alte wird er auch unter den neuen Regeln von 2027 und mit Pirelli-Reifen nicht sein können, aber der Wiedererkennungswert soll definitiv da sein: "Ich verstehe, dass mein Stil mit diesem Motorrad auf manchen Strecken nicht funktionieren wird. Manchmal wird es mehr Kurvengeschwindigkeit brauchen. In diesen Fällen muss ich meinen Fahrstil ändern. Da wird es eine Mischung brauchen. Es ist leicht, darüber zu sprechen. Es dann zu ändern, wird hingegen nicht einfach. Ich glaube aber daran, dass ich 2027 wieder mit meinem Stil fahren werde." Falls ihm das gelingt, dann wäre die MotoGP definitiv um eine Attraktion reicher.
In unserer MotoGP-Saisonvorschau haben wir neben weiteren spannenden Themen auch über Toprak Razgatlioglu gesprochen. In der Redaktion von Motorsport-Magazin.com herrscht ebenfalls Vorfreude auf das MotoGP-Debüt von 'El Turco':



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