Nach dem Launch ist vor dem Launch! Nachdem Pramac Racing am Dienstagabend als erstes MotoGP-Team die Hüllen für 2026 fallen ließ, legte am Mittwoch das VR46 Racing Team nach. Der Rennstall von MotoGP-Legende Valentino Rossi präsentierte sich pünktlich zur Mittagszeit im Schloss Villa Miani über den Dächern der italienischen Hauptstadt Rom. Und anders als am Vortag gab es für alle Fans der Königsklasse diesmal auch eine (zumindest im Ansatz) neue Lackierung zu sehen.

Dies hatte VR46 in den vergangenen Tagen und Wochen mit verdächtigen Kurzvideos, Bildern und dem Launch-Motto 'Black and Light' [zu deutsch: Schwarz und Licht, Anm.] bereits angedeutet und am Mittwoch nun auch die Bestätigung geliefert. Nachdem das Satellitenteam von Ducati in den letzten zwei Jahren mit einem identischen Design aus Neongelb und Weiß unterwegs war, kehrt 2026 das Schwarz der Anfangsjahre in der MotoGP (2022 und 2023) wieder zurück. "Weiß ist eleganter, aber Schwarz passt besser zum Rennfahren", sagt Teamboss Rossi, dessen Motorräder weiterhin primär vom ikonischen Gelb geprägt werden. "Das ist unsere Farbe. In den letzten zwei Jahren haben wir das Gelb mit Weiß kombiniert. Dieses Jahr wollten wir etwas anders machen, es sollte etwas aggressiver aussehen."

Fabio Di Giannantonio am Scheideweg: Spitzenfahrer oder Mittelmaß?

Während die VR46-Maschinen 2026 also in frischem Anstrich erstrahlen, hat sich auf Fahrerseite nichts verändert. Die Speerspitze des Teams bildet weiterhin Fabio Di Giannantonio, der auch 2026 direkt bei Ducati unter Vertrag steht und vom italienischen Hersteller mit einem aktuellen Werksmotorrad - also der GP26 - und Werksunterstützung versorgt wird. Rein auf dem Papier kämpft der 27-Jährige aus Rom in der anstehenden Saison also mit den gleichen Waffen wie Marc Marquez und Francesco Bagnaia im roten Werksteam.

Eine Wiederholung des enttäuschenden Vorjahres, in dem Di Giannantonio nur viermal auf das Grand-Prix-Podium fahren konnte und oftmals stark schwankende Leistungen zeigte, gilt es daher zu vermeiden. "Das ist meine dritte Saison mit dem Team, die zweite mit der gleichen Crew. Wir haben viel Wissen angehäuft, müssen auf dem letzten Jahr aufbauen und einen sichtbaren Schritt nach vorne machen", sagt er auch selbst. Hoffnungsvoll macht den Italiener jedoch, dass er die zickige und schwierig zu fahrende GP25 jetzt hinter sich lassen und auf der hoffentlich verbesserten GP26 neu angreifen kann.

GP25 und ungewisse Zukunft: Franco Morbidelli muss 2026 liefern

Eine GP26 hätte 2026 auch Teamkollege Franco Morbidelli zur Verfügung haben können, doch VR46 Racing entschied sich bewusst dagegen. Der dreimalige MotoGP-Rennsieger muss damit erneut mit einem Vorjahresmotorrad Vorlieb nehmen - in diesem Fall also mit der als Diva geltenden GP25. Wahrlich keine leichte Aufgabe für 'Morbido', doch der 31-Jährige scheut sich nicht vor der Herausforderung: "Ich fühle mich sehr wohl im Team und mein zweites Jahr hier kann den Unterschied machen, uns die nötige Konstanz in den Ergebnissen bringen. Ich bin mir sicher, dass wir noch besser zusammenarbeiten werden." Wo es hingehen soll, ist klar. "Wir wollen auf jeder Strecke konkurrenzfähig sein und wieder Rennen gewinnen", gab Rossi die Richtung für 2026 vor.

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Große Ambition also bei VR46, aber die ist auch dringend notwendig. Denn es wartet ein richtungsweisendes Jahr auf die Truppe des 'Doktors'. Nach dem Wechsel von Pramac Racing zu Yamaha fungiert VR46 erst seit 2025 als primäres Kundenteam von Ducati, könnte diesen Status aber schon 2027 wieder verlieren. Im Vorjahr stand das Team schließlich klar im Schatten von Gresini, wo beide Piloten 'nur' mit Vorjahresmaterial unterwegs waren. Wiederholt sich dieses Szenario 2026, könnte Gresini künftig zum Kundenteam Nr. eins befördert werden.

Zudem geht es natürlich auch für Di Giannantonio und Morbidelli um die Zukunft im Team und in der MotoGP, denn beide Verträge laufen Ende 2026 aus. Alternativen gibt es zur Genüge, unter anderem Ducati-Testfahrer und Ex-VR46-Akademie-Pilot Nicolo Bulega oder auch Pedro Acosta. Am KTM-Youngster baggert Rossi schon seit Jahren und laut spanischen Medien soll Acosta bereits für 2027 unterschrieben haben. Die Frage lautet nur: Wo? Vielleicht ja bei VR46.

Welche anderen Optionen das Rossi-Team noch hat und was sich sonst noch auf dem Fahrermarkt tun könnte, haben wir euch in diesem Artikel zusammengefasst. Klickt unbedingt mal rein!