Die MotoGP-Saison 2026 wird uns hoffentlich spannende Rennaction liefern. Doch diesmal wird es auch neben der Strecke rund gehen. Fast das gesamte Fahrerfeld hat noch keinen Vertrag für die Saison 2027. Da in einem Jahr die große Unbekannte neuer Regeln herrscht, wollen sich sowohl Hersteller als auch Fahrer in Stellung bringen. Auf dem Fahrermarkt könnte also ein gewaltiges Stühlerücken anstehen. Motorsport-Magazin.com gibt euch einen Überblick zur Ausgangslage der anstehenden 'Silly Season', die diesem Namen wohl alle Ehre machen wird.

Blicken wir dazu erstmal auf die bestehenden Verträge. Im Rahmen der bald anstehenden Team-Präsentationen könnten vielleicht erste Verlängerungen bekanntgegeben werden, doch momentan erscheint ein offenes Spielfeld. Gerade einmal 4 von 22 Fahrer wissen, bei welchem Hersteller sie 2027 fahren werden. Offiziell sind es sogar nur drei, doch bei Fermin Aldeguer ist fest davon auszugehen, dass seine Klausel für zwei weitere Jahre von Ducati gezogen wird. Im Folgenden haben wir noch einmal das Feld für euch aufgelistet. Nun widmen wir uns den einzelnen Herstellern zu.

Das Fahrerfeld der MotoGP und ihre Verträge in der Übersicht

TeamFahrerVertrag bis
DucatiMarc Marquez2026
Francesco Bagnaia2026
GresiniAlex Marquez2026
Fermin AldeguerOption bis 2028*
VR46Fabio Di Giannantonio2026
Franco Morbidelli2026
ApriliaMarco Bezzecchi2026
Jorge Martin2026
TrackhouseRaul Fernandez2026
Ai Ogura2026
KTMPedro Acosta2026
Brad Binder2026
Tech3Maverick Vinales2026
Enea Bastianini2026
HondaJoan Mir2026
Luca Marini2026
LCRJohann Zarco2027
Diogo Moreira2028**
YamahaFabio Quartararo2026
Alex Rins2026
PramacJack Miller2026
Toprak Razgatlioglu2027**

*Aldeguer ist bis 2026 direkt bei Ducati unter Vertrag. Der Hersteller hat eine Option, um zwei weitere Jahre zu verlängern.
**Sowohl Moreira als auch Razgatlioglu sind direkt beim Hersteller unter Vertrag, könnten also 2027 auch ins jeweilige Werksteam wechseln.

Ducati: Alles auf Marc Marquez, Nicolo Bulega in den Startlöchern

Bei Ducati ist die oberste Priorität mehr als klar: Mit Weltmeister Marc Marquez soll verlängert werden. Er selbst bezeichnete die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung mit "8 von 10". Wer sein Teamkollege wird, ist hingegen völlig offen. Francesco Bagnaia will bleiben, doch muss er sich dafür sportlich fangen. Ein Wechsel in eines der Satellitenteams erscheint bei einem Fahrer seines Status als ausgeschlossen. Wenn dann würde er in ein anderes Werksteam wechseln. Sein wahrscheinlichster Ersatz wäre Fermin Aldeguer, doch auch eine Starverpflichtung von außerhalb ist im Bereich des Möglichen.

Wird Bagnaia der Teamkollege von Marc Marquez bleiben?, Foto: Tobias Linke
Wird Bagnaia der Teamkollege von Marc Marquez bleiben?, Foto: Tobias Linke

Alex Marquez scheint seine Heimat bei Gresini gefunden zu haben. Fabio Di Giannantonios Verbleib bei VR46 wirkt ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Höchstfraglich ist hingegen die Zukunft von Franco Morbidelli, dessen Eskapaden auch Schirmherr Valentino Rossi kaum noch verteidigen kann. Superbike-Star Nicolo Bulega hat sich mit vielversprechenden Auftritten als Ersatzpilot in Stellung gebracht und kann auch als Testfahrer weiter überzeugen. Es ist stark davon auszugehen, dass Ducati ihn 2027 in der Königsklasse platzieren möchte. Die Bosse bei VR46 träumten jedoch auch schon mehrfach öffentlich von Pedro Acosta.

Aprilia: Was wird aus Jorge Martin? Wer wäre sein Nachfolger?

Bei Aprilia dreht sich die Frage eigentlich fast nur um einen Platz. Bei Marco Bezzecchi wird die Verlängerung sicherlich bald erfolgen und auch bei Trackhouse gibt es wohl keinen Grund, an Raul Fernandez oder Ai Ogura zu rütteln. Im Falle des Letzteren könnte bei sehr starken Leistungen vielleicht Interesse der japanischen Hersteller aufkommen, aber er hat mit seinen Karriereentscheidungen bereits bewiesen, dass ihm sportlicher Erfolg wichtiger als der Heimatbezug ist. Im Fall der Fälle würde Davide Brivio dann wohl auf ein Moto2-Talent schielen.

Bleibt noch Jorge Martin, dessen Zukunft völlig offen ist und von der Entwicklung in der Saison 2026 abhängt. Falls der 'Martinator' nach seinen zahlreichen Verletzungen zur Form zurückfindet und die Wogen mit dem Team glätten kann, sollte eine Verlängerung trotz allen Vorfällen immer noch möglich sein. Ansonsten steht er sicherlich auf dem Wunschzettel anderer Hersteller, insbesondere bei Honda und Yamaha. Kommt es zur Trennung, so hat Aprilia ein sportlich attraktives Paket zu bieten und wird auf einen der großen Fische aus sein. Die Namen Fabio Quartararo oder Francesco Bagnaia könnten da heiß werden.

Jorge Martin in der Boxengasse in Valencia
Jorge Martin muss sich 2026 wieder in Stellung bringen, Foto: IMAGO / PsnewZ

KTM: Pedro Acostas Abgang droht, Supertalente drängen sich auf

In KTMs Fahrerkader ragt ein Fahrer heraus und zieht das Interesse der gesamten Konkurrenz auf sich: Pedro Acosta. Für eine Verlängerung mit dem Ausnahmetalent wird Mattighofen alles geben, aber könnte dennoch scheitern. Laut spanischen Journalistenkollegen habe er sogar schon für 2027 unterschrieben, die Frage lautet nur: Wo?

Pedro Acosta ist im gesamten Paddock begehrt, Foto: KTM Media
Pedro Acosta ist im gesamten Paddock begehrt, Foto: KTM Media

Beim Rest des Kaders erscheint nur die Zukunft von Maverick Vinales gesichert. KTM ist begeistert von der Einstellung des Spaniers, der sich nun auch noch MotoGP-Legende Jorge Lorenzo ins Boot geholt hat. Ein Aufstieg ins Werksteam ist für 'Top Gun 2.0' absolut möglich. Brad Binder und Enea Bastianini hingegen müssen sich dringend steigern, vor allem im Qualifying. Mit David Alonso und Dani Holgado fahren zwei absolute Top-Talente aus dem hauseigenen Nachwuchsprogramm in der Moto2. Eigentlich muss ihnen ein MotoGP-Platz angeboten werden, sonst wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit jemand anderes tun.

Honda: Die Suche nach dem Star, oder ist der schon da?

Nach Jahren des Elends ist Motorrad-Gigant Honda endlich die sportliche Trendwende gelungen. Damit ist der Platz im legendären Werksteam wieder attraktiv geworden. Und dieses gilt es mit einem (oder gar zwei?) Spitzenfahrer zu bestücken. Von Satellitenteam LCR wird dieser wohl eher nicht kommen. Diogo Moreira hat großes Talent, aber ein Aufstieg für 2027 käme nur im Falle einer äußerst überzeugenden Rookie-Saison in Frage. Johann Zarco scheint die letzten Jahre seiner Karriere bei Lucio Cecchinello zu verbleiben.

Joan Mir und Luca Marini stehen unter Druck, Foto: Honda Racing Corporation
Joan Mir und Luca Marini stehen unter Druck, Foto: Honda Racing Corporation

Joan Mir und Luca Marini müssen sich hingegen strecken. Besonders Ersterer scheint aber nach seinen Podien wieder Blut geleckt zu haben und Honda davon überzeugen zu wollen, dass er doch noch der erhoffte Spitzenmann ist. Ansonsten haben die Japaner nicht nur ein wieder erstarktes Technikteam, sondern auch einige Millionen weitere Argumente für Neuverpflichtungen auf der Habenseite. Die Namen Pedro Acosta und Jorge Martin fallen in der Gerüchteküche regelmäßig, aber auch andere Spitzenleute kommen sicherlich in Frage.

Yamaha: Kommt die V4-Entwicklung zu spät für den Fahrermarkt?

Mit Abstand am schwierigsten dürfte sich die Lage für Yamaha gestalten, weil die sportlichen Aussichten durch den Wechsel auf den V4-Motor unmöglich vorhersehbar sind. Selbst wenn damit bereits im Verlauf der Saison 2026 eine gute Entwicklung gelingt, so könnte diese für die Entscheidungen auf dem Fahrermarkt zu spät kommen. Generell werden die anderen Hersteller lieber möglichst früh Nägel mit Köpfen machen wollen.

Oberste Priorität genießt natürlich die Verlängerung mit Ausnahmepilot Fabio Quartararo. Wie sich der Franzose entscheidet, ist noch völlig unklar. Türen dürften ihm fast überall offenstehen. Die Zukunft von Alex Rins und Jack Miller hängt hingegen wohl vielmehr an den möglichen Alternativen, die zur Verfügung stehen könnten. Mehr als ein hohes Gehalt gibt es derzeit für Spitzenpiloten allerdings nicht zu bieten. Als gesetzt kann derzeit also nur Toprak Razgatlioglu gelten, dem Boss Paolo Pavesio auch bei einem schwierigen ersten MotoGP-Jahr volles Vertrauen entgegenbringt. Beim dreifachen Superbike-Weltmeister stellt sich nur die Frage, bei welchem der beiden Yamaha-Teams er 2027 fahren wird.

Razgatlioglu und Quartararo: Nur einer bleibt sicher, Foto: IMAGO / PsnewZ
Razgatlioglu und Quartararo: Nur einer bleibt sicher, Foto: IMAGO / PsnewZ

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