Die Motorrad-WM zeigt sich in diesem Jahr durchaus abwechslungsreich, doch in keiner Disziplin zeigt sich das so überdeutlich wie im Qualifying. Gefühlt könnte die Zeitenjagd der MotoGP und ihrer Nachwuchsserien auch ausgewürfelt werden, denn nach sechs Rennwochenenden hat über drei Klassen hinweg nur ein einziger Pilot mehr als eine Pole-Position aufzuweisen.

Nur ein MotoGP-Pilot schlägt doppelt zu: 17 Pole-Sitter in 18 Qualifyings

Die Rede ist von MotoGP-Pilot Fabio Di Giannantonio. Der Italiener holte sich in Brasilien den ersten Startplatz und wiederholte dies dann zum nächsten Grand Prix in Austin. In allen anderen Qualifyings der Saison gab es stets einen neuen Fahrer, der sich die Pole-Position sichern konnte. Hier seht ihr die bisherigen Pole-Sitter in der Übersicht.

Die Pole-Männer der bisherigen Motorrad-Saison

RennenMotoGPMoto2Moto3
ThailandMarco BezzecchiSenna AgiusDavid Almansa
BrasilienFabio Di GiannantonioDani HolgadoJoel Esteban
USAFabio Di GiannantonioBarry BaltusAlvaro Carpe
SpanienMarc MarquezCollin VeijerMaximo Quiles
FrankreichFrancesco BagnaiaIzan GuevaraAdrian Fernandez
KatalonienPedro AcostaCelestino ViettiValentin Perrone

Bei dieser bemerkenswerten Statistik darf auch noch erwähnt werden, dass in den USA im Moto2-Qualifying eigentlich David Alonso die Pole herausfuhr, ehe seine schnellste Zeit wegen eines Reifendruckverstoßes gestrichen wurde. Aber auch Nachrücker Barry Baltus passt in die Serie der Abwechslung.

Motorrad-Saison 2026: Pole-Position kein Erfolgsfaktor

So sehr die Statistik für Abwechslungsreichtum spricht, so wenig korreliert sie mit Erfolg. In nur fünf von 18 Fällen (einmal MotoGP, je zweimal Moto2 und Moto3) konnte das Rennen von Startplatz eins aus gewonnen werden. Bei Di Giannantonio kam der erste Saisonsieg erst nach den zwei Poles in einem chaotischen Rennen in Barcelona. Manu Gonzalez, der WM-Führende der Moto2, stand sogar noch gar nicht auf dem ersten Startplatz.

Max Quiles siegt in Frankreich
Max Quiles dominiert auch ohne viele Poles, Foto: IMAGO / CordonPress

In der Moto3 sagt die abwechslungsreiche Statistik außerdem keineswegs aus, dass es sich um eine spannende WM handelt. Dominator Max Quiles stand zwar bisher nur einmal auf Pole-Position, holte aber 140 von 150 möglichen Punkten und führt bereits mit riesigem Vorsprung in der Fahrerwertung.

Letztlich gilt es dann eben doch, im Rennen abzuliefern. Doch aus der verrückten Pole-Statistik geht trotzdem etwas hervor. Das Feld ist in allen drei Kategorien eng und viele Fahrer können sich durchsetzen, wenn sie ihre Leistung perfekt zusammenbekommen. Dass nur fünf von 18 Pole-Sittern den Sieg durchbrachten ist ebenfalls eine Bestätigung für die große Konkurrenz, der sich offenbar einzig in der Moto3 ein Fahrer am Sonntag entziehen kann.

Wie kompetitiv die moderne MotoGP ist, durfte vor Kurzem auch Jonas Folger am eigenen Leib erfahren. Wir haben den KTM-Testfahrer am Red Bull Ring getroffen und ein exklusives Interview mit ihm geführt. Seht hier selbst:

Wie brutal ist ein MotoGP-Bike? Jonas Folger: Ultra anstrengend (13:41 Min.)