Maverick Vinales wird im Januar 31 Jahre alt und geht 2026 in seine dreizehnte MotoGP-Saison. Der Spanier hat eigentlich schon alles gesehen und erlebt. Und dennoch ist er davon überzeugt, auch nach all diesen Jahren noch einiges lernen zu können. Zu diesem Zweck sucht er sich nun äußerst prominente Unterstützung.

Jorge Lorenzo will Maverick Vinales "aus anderem Blickwinkel" beleuchten

Die Rede ist von niemand geringerem als dem dreimaligen MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo. Beim Test in Valencia wurden beide erstmals auf die zuvor aufkeimenden Gerüchte einer Zusammenarbeit angesprochen. "Diese Möglichkeit besteht. Wir müssen das noch finalisieren", antwortete Lorenzo zunächst.

Jorge Lorenzo zu Gast beim Italien Grand Prix
Jorge Lorenzo soll Maverick Vinales helfen, Foto: IMAGO / IPA Sport

Der Mallorquiner wollte noch nicht einmal den Namen seines künftigen Schützlings verraten. "Es ist ein MotoGP-Fahrer und er ist spanisch", betrieb er noch ein Spielchen der Geheimhaltung. Nur eines ist klar: Er möchte frischen Wind hineinbringen. "Es geht um viele Dinge. Manchmal bist du so sehr mit dir beschäftigt, dass du Dinge nicht siehst, die von einem offeneren Blickwinkel aus klar erscheinen", meinte der 47-fache MotoGP-Sieger.

"Jorge ist ein Spezialist!" - Maverick Vinales drängte auf Zusammenarbeit

Während der Ex-Star also erstmal vage blieb, wurde Maverick Vinales selbst bereits deutlich konkreter: "Als Fahrer muss ich das Beste für mich herausholen. Ich muss mich immer noch in vielen Bereichen verbessern. Wir wissen, dass Jorge ein Spezialist in Sachen Fahrtechniken ist. Ich würde gerne einen Weg finden, wie ich meine Fähigkeiten weiter verbessere." Von 2015 bis 2019 fuhren beide noch gegeneinander, aber nie im selben Team. 2017 war Vinales der Nachfolger Lorenzos bei Yamaha. 2020 kehrte Lorenzo nach dem Karriereende kurz als Testfahrer zu den Japanern zurück. Damals gab es also eine erste Zusammenarbeit.

Lorenzo (r.) war 2020 Testfahrer für Vinales (l.) und Rossi (m.), Foto: Ronny Lekl
Lorenzo (r.) war 2020 Testfahrer für Vinales (l.) und Rossi (m.), Foto: Ronny Lekl

Nun also die Neuauflage in einer privaten Initiative. "Für mich ist das sehr wichtig im nächsten Jahr, denn ich glaube, dass ich mit KTM gute Chancen habe. Ich spreche also mit Jorge und sehe zu, dass wir eine Partnerschaft bilden, in der wir an Details arbeiten können", gab der Tech3-Pilot an.

Noch ein Rider-Coach? Lorenzo soll Vinales MotoGP-Hausaufgaben mitgeben

Während KTM von außen betrachtet sicherlich auch technisch zulegen muss, sieht Vinales vor allem sich selbst in der Pflicht und will daher die Hilfe des Ex-Champions suchen: "Es geht um Fahrtechniken, aber auch die Struktur des Wochenendes. Was KTM angeht, so funktioniert das Motorrad. Pedro [Acosta] war gut unterwegs. Um den nächsten Schritt zu gehen, musst du exzellent mit diesem Motorrad umgehen können."

Lorenzo war damals vor allem als ein Muster an Konstanz bekannt. Wie ein Uhrwerk brannte er Runde um Runde in den Asphalt. Allerdings wird er wohl nicht mit Vinales um die Welt reisen, um vor Ort als klassischer 'Rider-Coach', wie es im Paddock heißt, Kurve für Kurve genau unter die Lupe nehmen. In der 'Fahrschule Lorenzo' geht es wohl mehr um eine gemeinsame Aufarbeitung nach den Rennwochenenden. Zumindest kündigt dies Vinales an: "Die größte Hilfe von jemandem wie Jorge wird Zuhause erfolgen. Das sind Hausaufgaben."

Maverick Vinales will seine Wochenenden analysieren, Foto: IMAGO / Italy Photo Press
Maverick Vinales will seine Wochenenden analysieren, Foto: IMAGO / Italy Photo Press

Wie genau die Theoriestunden mit Fahrlehrer Lorenzo dann ablaufen werden, muss sich also erst noch zeigen. Klar ist, dass er ein Teil von Vinales' Bemühungen zur Selbstoptimierung in der zweiten Saison auf KTM sein soll. "Ich werde nächstes Jahr nach jeder Möglichkeit zur Verbesserung auf dem Motorrad suchen", bekräftigt der Tech3-Pilot seine Ambitionen. Sich den Rat von ehemaligen Spitzenfahrern zu holen, wird dabei immer mehr zum Trend. Auch Francesco Bagnaia verließ sich zuletzt immer mehr auf die Einschätzungen von Casey Stoner.

+++ Update: Partnerschaft zwischen Vinales und Lorenzo am Freitag offiziell +++

Das nennt man wohl richtiges Timing. Wenige Stunden, nachdem dieser Artikel erstmals online ging, wurde die Partnerschaft der beiden auch offiziell durch das Management in einer Pressemitteilung bestätigt. Dabei wurden Details zur Arbeit von Lorenzo mit Vinales bekannt. Drei zentrale Punkte sind folgendermaßen aufgeführt:

1. Körperliche und sportliche Vorbereitung mit starkem Fokus auf Routinen, Training und Erholung, die auf die aktuellen Anforderungen der MotoGP zugeschnitten sind.

2. Strategisches Coaching, das auf Druck- und Risikomanagement, Konstanz im Rennen und Entscheidungsfindung in kritischen Momenten abzielt.

3. Arbeit an der Erstellung einer soliden Analyse und Planung für das Rennwochenende.

Maverick Vinales und Jorge Lorenzo
Die Partnerschaft zwischen Jorge Lorenzo und Maverick Vinales ist besiegelt, Foto: Media Power

"Jorge mit auf diese Reise zu nehmen, ist eine großartige Gelegenheit, in jeder Hinsicht zu lernen und uns zu verbessern. Seine Erfahrung und seine Außenperspektive werden uns helfen, selbstbewusste Schritte nach vorne zu machen. Ich beginne diese neue Etappe mit großer Motivation und Begeisterung", lässt sich Vinales voller Vorfreude auf die Zusammenarbeit zitieren.

"Maverick hatte schon immer ein natürliches Talent und einen enormen Speed. Meine Aufgabe ist es, ihn zu begleiten, meine Erfahrungen und mein Wissen mit ihm zu teilen und ihm dabei zu helfen, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Erfolg haben werden, wenn wir uns in allen wichtigen Bereichen verbessern", äußerte sich Lorenzo zu seiner neuen Mentoren-Rolle. Offiziell lautet seine Bezeichnung im Betreuungsstab des KTM-Piloten nun 'performance coach'.

Während Maverick Vinales also bei sich ansetzt und dafür Hilfe rekrutiert, sieht Speerspitze Pedro Acosta mittlerweile KTM in der Pflicht. Nach dem Finale in Valencia erhöhte er den Druck auf Mattighofen: