Die MotoGP startet 2027 in eine völlig neue Ära. Ride-Height-Devices werden verboten, aerodynamische Anbauten massiv beschnitten. Die Motoren werden von 1.000 auf 850 ccm verkleinert, zudem kommt mit Pirelli ein neuer Reifenhersteller. Doch das ist nicht alles. Neben diesen vier wohl bekanntesten Neuerungen tut sich 2027 auch beim Sprit einiges. Motorsport-Magazin.com liefert euch in diesem Artikel alle Informationen rund um den Treibstoff der MotoGP-Bikes, die ihr kennen solltet.
Welchen Treibstoff verwenden die Motorräder der MotoGP?
Bei MotoGP-Bikes handelt es sich um Prototypen. Folglich können diese Maschinen nicht mit dem gleichen Treibstoff wie herkömmliche, für alle erwerbliche Straßenmotorräder betrieben werden. Stattdessen kommt bei MotoGP-Motorrädern ein speziell für sie entwickelter Sprit zum Einsatz, der sich massiv von jenem der Straßenbikes unterscheidet. Die größte Differenz lässt sich beim sogenannten ROZ-Wert, also der Oktanzahl, feststellen. An öffentlichen Tankstellen ist in der Regel Treibstoff mit einem ROZ-Wert von 90 bis 98 verfügbar, während in der MotoGP bis 102 erlaubt ist.
Und das ist auch nötig, denn anderenfalls könnten die hochdrehenden MotoGP-Motoren mit rund 300 PS nicht längerfristig an ihrer Leistungsgrenze betrieben werden. Während es in Moto2 und Moto3 mit Petronas einen Einheitslieferanten für Treibstoff gibt, kommen in der MotoGP mehrere verschiedene Treibstoffe zum Einsatz. Ducati kooperiert etwa mit Shell, KTM setzt auf Sprit von ExxonMobil. Honda und Aprilia arbeiten mit BP zusammen und Yamaha lässt sich von TotalEnergies mit Treibstoff versorgen. Jeder der fünf MotoGP-Konstrukteure erhält vom jeweiligen Lieferanten speziell für sie entwickelten Sprit, der nicht nur an ihre Motoren angepasst ist, sondern natürlich auch den Regularien der Königsklasse entspricht.
Welche Sprit-Regeln gibt es in der MotoGP?
Festgelegt und niedergeschrieben werden die Treibstoff-Regularien der MotoGP vor dem Beginn einer jeden Saison vom Motorrad-Weltverband FIM, der diese in Absprache mit Promoter Dorna Sports und dem Herstellerbund MSMA erstellt. Im Regelwerk werden etwa Maximal- und Mindestwerte für Treibstoffparameter wie Oktanzahl (ROZ), Sauerstoff, Benzol, Dampfdruck, Dichte bei 15 Grad Celsius, Destillation und Rückstand festgehalten. Außerdem wird auch die verbrauchbare Menge an Treibstoff begrenzt. Im Grand Prix passen maximal 22 Liter Sprit in die Tanks der MotoGP-Maschinen, im Sprint sogar nur 12 Liter. Da die Renndistanz auf der Rennstrecke variiert, ist somit auch Treibstoffmanagement ein wichtiges Thema für jeden MotoGP-Fahrer. Um einen fairen Wettbewerb zu garantieren, werden die Treibstoffe der MotoGP-Teams nach jedem Grand Prix zufällig auf mehr als 20 Parameter getestet. Werden in diesen aufwendigen Untersuchungen Mängel festgestellt, kann es zur Disqualifikation kommen.
Aber warum wird der Treibstoff in der MotoGP eigentlich so streng reguliert? Ganz einfach: Der Sprit hat in der Königsklasse einen signifikanten und wichtigen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Motorräder im Allgemeinen und speziell natürlich auf die Leistungsfähigkeit der Motoren selbst. Die hohe Oktanzahl des Sprits ermöglicht eine möglichst effiziente Verbrennung und das verbessert nicht nur die Leistung des Motors, sondern reduziert gleichzeitig auch dessen Verschleiß. Kein unwichtiger Faktor, dürfen die MotoGP-Teams während einer Saison doch nur eine begrenzte Anzahl an Motoren einsetzen [8 Motoren für Concession-Rang A bis C und 10 Motoren für Concession-Rang D, Anm.].

Wie verändert sich der MotoGP-Treibstoff ab 2027?
Nachhaltigkeit ist ein Thema, vor dem sich auch die Königsklasse des Motorradrennsports nicht verschließen kann. Deshalb wurde bereits zur Saison 2024 eine neue Regel eingeführt, wonach der Sprit in allen WM-Klassen zu mindestens 40 Prozent aus nicht fossillen Quellen stammen musste. Ein erster Schritt auf dem Weg der MotoGP, eine Kohlenstoffdioxid-freie Ära zu schaffen. Ab 2027 müssen die Kraftstoffe der MotoGP-Teams sogar zu 100 Prozent aus nicht fossillen Quellen stammen. Entwickelt werden und wurden diese Biokraftstoffe im Labor und aus Komponenten hergestellt, die aus Kohlenstoffabscheidungsprogrammen stammen oder aus kommunalen Abfällen aus nicht für Lebensmittel geeigneter Biomasse gewonnen. Damit soll eine erhebliche Einsparung an Treibhausgasemissionen erreicht werden.
Bevor dies 2027 Wirklichkeit werden wird, steht aber erstmal noch die Saison 2026 auf dem Programm. Ob Francesco Bagnaia dort die Trendwende schaffen und diesmal vielleicht sogar Marc Marquez dominieren kann? Wir haben diesen und weitere Hottakes für 2026 in unserem aktuellen Video diskutiert:



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