Die MotoGP wird ab der Saison 2027 einmal auf links gedreht. Nicht nur auf ein neues technisches Reglement mit 850ccm-Motoren müssen sich die Hersteller und Teams einstellen, auch bei den Reifen steht der Wechsel an. Pirelli übernimmt von Michelin. Die Italiener haben sich nach der Formel 1 nun auch die größte Bühne im Zweiradsport gesichert. Über dieses große Unterfangen kann natürlich der Boss selbst am besten Auskunft geben. Und genau den hat Motorsport-Magazin.com befragt. Pirellis Motorradsportchef Giorgio Barbier zeigte sich in unserem Exklusiv-Interview davon überzeugt, dass der große Umbruch der perfekte Zeitpunkt für den Einstieg ist: "Wir glauben in zwei Jahren bereit für die Klasse zu sein, aber sie wird sich bei den Regeln stark verändern. Die Reifen werden Teil dieser Veränderung sein. Das ist also auch ein guter Zeitpunkt für die Hersteller, das Motorrad für einen anderen Reifen vorzubereiten." Doch bevor wir ins Detail zu den Zukunftsplänen gehen, musste sich Pirelli erst einmal den Vertrag mit der Königsklasse sichern.

Denn der Wunsch zum Einstieg allein reichte freilich nicht. Michelin war in den letzten Jahren stetiger Kritik ausgesetzt, musste sich aber auch der vermutlich größten technischen Herausforderung der Geschichte des Sports stellen. Die mit Aerodynamik und Ride-Height-Devices hochgezüchteten Maschinen der modernen MotoGP belasten die Reifen so stark wie noch nie. Stürze über das Vorderrad und Überholschwierigkeiten nur auf die Gummis zu schieben, ist sicherlich etwas unfair. Einzig die umstrittene Regelung des Reifenmindestrucks geht zur Gänze auf die Kappe von Michelin. Mit dem neuen Reglement ab 2027 werden die Flügel gewaltig gestutzt und sämtliche 'Devices' komplett verboten. Die Voraussetzungen für die Franzosen hätten sich deutlich einfacher gestaltet. Sie haben große Erfahrung vorzuweisen, mit der sie dann Reifen für weniger extreme Motorräder entwickelt hätten. Bei aller Schelte konnten sie also für die Ausschreibung ab 2027 trotzdem gute Argumente vorweisen.

Pirellis Gesamtpaket stich Michelins MotoGP-Erfahrung aus

Für Pirelli sprach zunächst einmal der Ruf. In der Superbike-Weltmeisterschaft ist die Dorna seit ihrer Übernahme der Rennserie im Jahr 2013 durchweg zufrieden mit ihrem Partner. In der Moto2 und Moto3 verlief die Ablösung von Dunlop mit der Saison 2024 reibungslos. "Nach einem Jahr waren die Ergebnisse dort recht gut und sie werden immer noch besser. Das hat uns vermutlich etwas Vertrauenswürdigkeit bei der Dorna verschafft, dass wir etwas für die Zukunft arrangieren konnten", weist Barbier auf gute Vorarbeit hin. Dazu hat sich der Konzern seit mehr als einem Jahrzehnt in der Formel 1 bewiesen. Neu-MotoGP-Besitzer Liberty Media hatte daher ebenfalls keinerlei Grund, dem Konzern zu misstrauen. Bei dieser Fülle an Engagements kommen wir zum wesentlichen Grund, warum Pirelli den Zuschlag erhielt. "Sie [die Dorna] wollten nur einen einzigen Lieferanten. Ich stimme mit ihrer Entscheidung komplett überein, denn wir hatten die gleiche Diskussion am Anfang in der Superbike-WM. Damals wollten die Vermarkter noch mehrere verschiedene Reifenhersteller haben, um Geld aus mehreren Quellen zu bekommen. Außerdem ging es darum, Erfahrungen zu sammeln, sodass vielleicht ein Hersteller durch einen anderen ersetzt werden konnte. Jetzt ist das ziemlich anders."

Es ist eine Entwicklung, die Pirelli selbst initiiert hat. Die Superbike-WM hatten sie schon vor Dorna-Zeiten seit 2004 im Portfolio. Barbier blickt mit Stolz darauf, was in über 20 Jahren erreicht wurde: "Wir haben ermöglicht, dass mehr als nur zwei Hersteller [Ducati und Honda, Anm. d. Red.] die Meisterschaft gewinnen konnten. Als wir in die Meisterschaft kamen, da gewann Suzuki, Aprilia und auch Kawasaki konnte wieder gewinnen. Dazu kamen dann Yamaha und jetzt BMW. Davor gab es nur zwei Sieger. Das ist die Arbeit, die wir geleistet haben und nun auf alle nationalen Meisterschaften exportieren, die wir beliefern." Die alten Reifenkriege wurden mit der Zeit in Einheitspakete mit gleichen Voraussetzungen für alle verwandelt: "Die Idee, die Reifen zu regulieren, wurde akzeptabel. Zuvor wollte das niemand machen. Über die Jahre in der Superbike kamen auch andere Meisterschaften dazu. Mittlerweile haben fast alle nationalen Meisterschaften eine Reifenregelung. Diesen neuen Weg in die nationalen Meisterschaften zu bringen, hat uns eine Menge Erfahrungen und Informationen gebracht, die enorm wichtig für uns waren."

In der Superbike-WM hat Pirelli für Vielfalt an der Spitze gesorgt, Foto: IMAGO / Italy Photo Press
In der Superbike-WM hat Pirelli für Vielfalt an der Spitze gesorgt, Foto: IMAGO / Italy Photo Press

Letztlich ging es in dieser Überlegung auch nicht mehr um die einzelnen Serien, sondern um den gesamten Tross einer Meisterschaft, inklusive Rahmenserien. "Die Dorna wird sich da ihre eigenen Gedanken gemacht haben. Für sie ist es besser, nur einen Lieferanten zu haben. Nur einen Ansprechpartner für die Meisterschaft, um die Leistungsfähigkeiten der Klassen unter Kontrolle zu halten. Das ist wohl aus ihrer Sichtweise das Interessante. Wir waren dazu bereit, dank der Arbeit in der Superbike-WM und allen nationalen Meisterschaften, die wir beliefern. Da haben wir große Produktionskapazitäten aufgebaut", erklärt der Italiener. Michelin bot nur an, Reifen für die MotoGP und den 2026 sowieso ausgesetzten Elektro-Ableger MotoE zu produzieren. Für die Nachwuchsserien Moto2 und Moto3 hätte ein weiterer Partner gefunden werden müssen. Das wollten die Verantwortlichen diesmal vermeiden und Pirelli hatte ihnen die Lösung eines Gesamtpakets präsentiert. Damit war das Schicksal von Michelin besiegelt, denn ein erneuter Reifenkrieg wie zu Beginn des Jahrtausends ist ausgeschlossen.

Michelin raus, Pirelli rein! Folgen der MotoGP-Reifenrevolution (06:21 Min.)

Das Pirelli-Gefühl: Sicherheit und Kontrolle für die MotoGP-Rookies

Neben der Kontrolle der Zeitenentwicklung und dem Vorteil, nur einen Ansprechpartner zu brauchen, streicht Pirelli noch einen weiteren Vorteil seines Modells heraus. Es geht um die Talentförderung. Die Umstellung von den kleineren Klassen auf die nächstgrößere soll möglichst leicht fallen: "Das ist meiner Meinung nach eine unserer wichtigsten Aufgaben. Wir müssen den jungen Fahrern die Möglichkeit geben, über die verschiedenen Motorrad-Klassen ihre eigenen Erfahrungen zu machen, aber stets mit dem Pirelli-Gefühl auf dem Bike, auf das sie wechseln. Schau dir [Manuel] Gonzalez an. Er fuhr Supersport und kam von dort in die Moto2. Er hatte sofort Vertrauen und kannte sich mit den Reifen aus. Das auch in der MotoGP zu haben wäre unser Traumziel. Das über mehrere Meisterschaften hinweg und in vielen Klassen zu haben, wollen wir schaffen."

Doch was ist das 'Pirelli-Gefühl'? Barbier streicht zwei Dinge heraus: "Wo wir glauben, dass wir favorisiert werden, ist die Rückmeldung für die Fahrer, die unser Reifen gibt. Außerdem glauben wir an die Qualität unseres Produktes. Die Rückmeldung des Reifens für den Fahrer war immer ein Weg, es für den Fahrer sicherer zu machen. Der Fahrer kann dann die Vorwarnung spüren, wenn er falsch fährt oder über dem Limit ist. Er weiß dann, was zu tun ist. Die Qualität erwähne ich, denn tausende von Reifen mehr oder minder gleichwertig herzustellen, da können wir die Qualität hochhalten und wir haben auch die Statistiken, wie viel Ausschuss wir bei einer großen Produktion haben. Das sind die beiden wichtigsten Charakteristiken."

Eigenschaften, nach denen die MotoGP-Fahrer derzeit lechzen. Das Gefühl für den Vorderreifen von Michelin gilt als schwammig und kritisch. Außerdem beschweren sich Piloten und Teams immer wieder, dass sie einen schlechteren Satz Reifen erwischen, der deutlich weniger leistungsfähig ist. "Aus Sicht der Fahrer wollen wir verstehen: Was wird in der neuen MotoGP gebraucht? Am besten muss es zusammen mit den Herstellern aufgebaut werden", kündigt Barbier an, auf die Wünsche der Beteiligten eingehen zu wollen. In der Superbike-WM gibt es nicht allzu viele Setup-Möglichkeiten. Pirelli baute eine Art 'Durchschnittsreifen', der allen Marken einigermaßen entgegenkommen sollte. "In der MotoGP können die Hersteller Probleme mit dem richtigen Setup, Chassis oder Motoreinstellung beheben und so mit den Reifen arbeiten, die sie haben. Das wird Zeit brauchen. Für den Anfang wissen wir, dass wir ihnen ein Produkt liefern können, welches recht einfach zu benutzen sein wird", kündigt Barbier eine ähnliche Vorgehensweise als Startpunkt an. In den Folgejahren kann dann nach Wunsch der Hersteller nachjustiert werden.

Testfahrten schon 2025: Der lange Weg zum MotoGP-Reifen

Doch wie kommt es überhaupt zu diesem ersten Reifen? Pirelli hat noch nie einen MotoGP-Reifen produziert und die Motorräder von 2027 gibt es logischerweise noch gar nicht. Erneut soll die Superbike-WM als Grundlage dienen: "Das ist ja der einzige Ausgangspunkt, den wir haben. Am Ende müssen wir natürlich darauf vertrauen und dann in der Lage sein, es für die MotoGP zu verändern. Aber es wird mit Sicherheit kein neues Prototypen-Niveau gebraucht. Wir werden keine neue Fabrik, neue Prozesse oder Maschinen aufbauen, nur für die MotoGP-Klasse." Mit Ducati, Yamaha und Honda fahren auch drei der MotoGP-Marken in der Superbike-WM. Starpilot Toprak Razgatlioglu wird in die Königsklasse kommen und auch sein größter Konkurrent Nicolo Bulega gilt als heißer Kandidat für einen Wechsel. Bereits 2026 wird er für Ducati als Testfahrer arbeiten. Haben diese Hersteller und Fahrer dann einen Erfahrungsvorteil? Barbier widerspricht dieser Theorie: "Ich glaube nicht, dass die Fahrer, die zuvor Pirellis fuhren, favorisiert gegenüber anderen sind. Außerdem glaube ich nicht, dass die Hersteller, die auch in der Superbike-WM fahren einen Vorteil gegenüber denen haben, die dort nicht sind."

Die Unterschiede der beiden Klassen sind am Ende wohl doch zu groß. Für Pirelli gilt es dementsprechend, einige Herausforderungen zu meistern, auf die sie die Superbike-WM nicht vorbereitet hat. Die mangelnde Kenntnis der erst in Entwicklung befindlichen Motorräder für 2027 ist dabei nur ein Aspekt. "Wir sind nicht daran gewöhnt, längere Rennen zu fahren, denn die Superbikes fahren nur 100 Kilometer pro Rennen", nennt der Ingenieur einen Weiteren. In der MotoGP können die Rennen je nach Strecke bis zu 130 Kilometer lang sein - und das bei höherer Belastung der Reifen als auf den Superbikes. 'Je nach Strecke' ist dabei ein gutes Stichwort, denn auch im Kalender steckt eine Herausforderung: "In unserer Historie haben wir viele Strecken gesehen, aber in einem einzigen Jahr auf so vielen verschiedenen Kursen zu fahren ist komplett neu für uns. Das wird also interessant." 22 Grands Prix stehen mittlerweile auf dem Programm. Da gibt es eine große Bandbreite an Kurventypen, Temperaturen und bei der Asphaltbeschaffenheit. Welche Reifen müssen zu welchem Rennen gebracht werden? Auf manchen Strecken fängt Pirelli bei Null an. Wenigstens ist der Transport selbst kein Problem: "Die Herausforderung ist nicht die Logistik, die kennen wir schon aus der Moto2 und der Moto3, sondern alle verschiedenen Strecken, ihre Wetterbedingungen, die Jahreszeiten und dann zu verstehen, was das beste Produkt für sie sein wird."

Doch bis die Pirelli-Trucks an den Strecken aufschlagen, ist noch einiges zu tun. Der Testbetrieb hat schon 2025 begonnen, darum haben die Italiener explizit gebeten: "Was wir mit der IMSA [die Herstellervereinigung] und der Dorna vereinbart haben ist, dass wir ein oder zwei Tests fahren werden. Keiner hat ein 850er-Motorrad bereit. Selbst wenn es bereit wäre, so hat die IMSA vereinbart, dass es erst nächstes Jahr [2026] getestet werden darf. Wir wollten dieses Jahr aber nicht verlieren. Also baten wir um einen Test mit den aktuellen MotoGP-Bikes, einfach nur um etwas zu haben, was den neuen Regeln nahekommt." Dabei sind die Reifeningenieure aber vom Angebot der Hersteller abhängig: "Ich weiß nicht, was wir wirklich umsetzen können. Sie könnten Dinge [wie die Ride-Height-Devices oder Aero-Anbauten, Anm. d. Red.] ausbauen oder den Motor runterregeln. Ich weiß nicht, was die Hersteller für den Test machen werden, aber wir werden ihn am Dienstag in Misano nach dem MotoGP-Rennen durchführen. Wir haben einen Testfahrer und ein Testteam von der MotoGP." Damit fiel also am 16. September 2025 der Startschuss für eine neue Ära an Gummis in der Königsklasse.

Pirellis MotoGP-Anpassung: Neue Größen und alte Bekannte

Obwohl es einige Unwägbarkeiten gibt, steht eine wichtige Umstellung für Pirelli bereits fest: "Wir werden zwei neue Größen einführen. Wir haben uns auf die zwei verschiedenen Felgen vorbereitet, also 25 Zoll vorne und 26,5 am Heck. Es sind also nicht die Superbike-Größen. Wir haben spezielle Größen nur für die MotoGP entwickelt. Wir werden mit einer Reifenbasis beginnen und dann wird es weitere Möglichkeiten nach dem Test geben." Damit gibt es in dieser Hinsicht schon einmal einen gewaltigen Sprung. Bei den Superbikes sind derzeit nur 17-Zoll-Reifen im Einsatz. Abgesehen davon wird der neue Reifenlieferant vieles erst auf sich zukommen lassen müssen. "Momentan wäre die MotoGP eine unglaubliche Herausforderung für jeden, der einsteigen wollte. Die einzige Methode ist, einfach mit dem Testen anzufangen und dann werden wir sehen, wie unser Weg aussieht", gibt Barbier eine gewisse Fahrt ins Unbekannte zu.

Dabei wird helfen, dass es zumindest auf persönlicher Ebene schon einige Berührungspunkte gibt. Die Ingenieursleiter der MotoGP führt über die kleineren Klassen, oft mit Ursprung auf nationaler Ebene. Dort ist Pirelli breit aufgestellt. Barbier erhofft sich dadurch eine leichtere Zusammenarbeit: "Jetzt müssen wir Wissen und Erfahrung mit allen Teams, mit denen wir arbeiten, aufbauen. Mit den meisten der Leute haben wir in der Vergangenheit in anderen Meisterschaften bereits zusammengearbeitet. Sie kennen unsere Arbeitsweise. Momentan glauben also alle daran, dass wir es schaffen können. Mit Sicherheit steht auch ihnen eine wichtige Umstellung in Sachen Reifen bevor, aber das ist Teil ihres Jobs." Eine Zielsetzung haben Dorna, IMSA und die Teams dem neuen Hersteller übrigens nicht auferlegt. Diese formuliert Barbier daher selbst: "Momentan gibt es darüber keine Diskussionen. Was wir mit Sicherheit tun müssen, ist die richtigen Reifen für den richtigen Ort vorzubereiten, damit auf einer Strecke sicher und bis zum Rennende gefahren werden kann. Das Beste wäre, mehr oder weniger dieselbe Rundenzeit von Anfang bis Ende zu haben. Das wären große Ziele." Also kein gewollter Reifenabbau, sondern lieber pushen bis ins Ziel.

MotoGP-Reifendruckregel bleibt auch mit Pirelli - erstmal

Das konnten die Fahrer zuletzt mit Michelins auch häufig aufgrund der wohl unbeliebtesten Regel der MotoGP-Geschichte nicht. Im Sprint von Brünn machte das Ducati-Duo aus Marc Marquez und Francesco Bagnaia freiwillig langsam, um Konkurrenten vorbeizulassen. Selbiges hatte der Spanier auch schon in Thailand mit Bruder Alex praktiziert. Es ging um den Mindestreifendruck an der Front, der nur durch das Hinterherfahren in der Abluft eines anderen Motorrads genug erhöht werden konnte. Wird der Druck für zu viele Runden unterschritten, so drohen drastische Zeitstrafen, die jedes Rennen ruinieren. Maverick Vinales wurde in Katar von Platz zwei auf Rang 14 zurückgeworfen, bekanntgegeben satte zwei Stunden nach dem Rennen. In Brünn wiederrum wurde eine Untersuchung gegen Sprint-Sieger Marquez und zwei weitere Fahrer angekündigt, nur damit diese wenige Minuten später wieder zurückgenommen wurde. Die Messgeräte waren falsch eingestellt worden und meldeten einen Verstoß, der gar keiner war. Für MotoGP-Fans sind diese Zustände zum Haare raufen und auch mein Kollege Markus Zörweg verfasste auf unserer Website einen saftigen Kommentar, um seinen Unmut über diese ärgerliche Regel zum Ausdruck zu bringen. Ist das mit Pirelli endlich überstanden?

Natürlich fragten wir Barbier dazu. Bei seiner Antwort müssen die Fans nun stark sein. "Wenn sie eine Regel machen, die so tiefgreifend und so wichtig für die finale Rennentscheidung ist, dann heißt das, dass die Angelegenheit für den aktuellen Hersteller und die Dorna sehr wichtig ist. Es geht um eine Sicherheitsregel, da können nicht darüber diskutieren. Wir wissen noch nicht, wie unser Vorderreifen mit Karbonbremsen funktionieren wird. Wir können uns vorstellen, dass die Reifen heißer werden und es Einfluss auf die Fahrbarkeit hat. Unsere Idee ist es, die Regel für das erste Jahr beizubehalten, um klar festzustellen, wie es bei uns um die Drücke steht", kündigte er an. Immerhin besteht etwas Hoffnung, dass der Spuk nach 2027 vorbei sein könnte: "Wir behalten die Regel, um zu verstehen, ob es sie braucht oder nicht, oder ob wir sie vielleicht anpassen müssen. Während der ersten Saison werden wir entscheiden, was zu tun ist." Davor gibt es aber keine Chance: "Wir können aber nicht sagen: Das wird gestrichen, weil uns das nicht wichtig ist. Wenn sie das tun, dann gibt es Gründe dafür. Ich respektiere die Arbeit unserer Konkurrenten und der Dorna. Also werden wir das behalten."

Bevor wir nun zu negativ enden, gilt es noch Eines zu betonen, beziehungsweise war es Barbier selbst am Ende unseres Interviews ein wichtiges Anliegen. Die MotoGP ist groß, aber keinesfalls soll sie alles andere überschatten: "Da wird in der Zukunft eine Menge auf uns zukommen, denn wir arbeiten hart, um vorbereitet zu sein. Wir wollen aber auch unser Augenmerk auf der Moto3, Moto2 und der Superbike-WM [bis Ende 2026] aufrechterhalten. Wir wollen dort weiterhin gute Arbeit leisten und nicht das Interesse verlieren, nur weil wir jetzt die MotoGP vorbereiten. Nein, es ist etwas, das dazukommt in unserem Portfolio." Was uns letztlich wieder zu dem bringt, wofür Pirelli den Zuschlag erhielt: Ein Reifenhersteller soll alle Serien zusammenführen. Was in der Superbike-WM funktioniert hat, könnte auch das Paddock der MotoGP bereichern. Einfach wird der Weg dorthin aber nicht.

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