Die Verbesserung der Sicherheit ist im Motorsport stets ein wichtiges Anliegen. Jahr für Jahr werden Standards erhöht, Unfälle analysiert und Regeln angepasst, um das Risiko des von Natur aus gefährlichen Sports so weit wie möglich zu verringern. Dabei gibt es im Automobilsport seit Jahrzehnten ein Mittel, welches in der MotoGP und ihren Nachwuchsserien scheinbar nur eine kosmetische Randerscheinung darstellt. Wieso gibt es bei Motorrad-Rennen keine Safety-Car-Phasen? Könnten sie eine Option sein?

Rote Flagge derzeit das einzige Mittel bei schwereren Unfällen in der MotoGP

Grundlage für diesen Gedankengang ist der Mangel an Möglichkeiten der Rennleitung im Falle schwerwiegenderer Unfälle, die nicht mehr mit einer gelben Flagge zu lösen sind. Wenn Fahrer die Unfallstelle nicht aus eigener Kraft verlassen können, Motorräder nicht geborgen werden können oder Teile beziehungsweise Kies auf der Strecke liegen, so bleibt nurmehr eine Lösung übrig: Der Abbruch durch rote Flagge. Diese ist in manchen Fällen sicherlich unabdingbar, aber auch in vielerlei Hinsicht ein Dorn im Auge.

Bei schweren Unfällen braucht es die rote Flagge, Foto: HRC
Bei schweren Unfällen braucht es die rote Flagge, Foto: HRC

Zum einen sorgt die Prozedur rund um den Neustart eines Rennens für Verzögerungen, was den Zeitplan am Rennsonntag durcheinanderbringen kann und auch bei den TV-Sendern nicht gern gesehen ist. Zum anderen empfinden es viele als unfair, wenn zuvor ausgeschiedene oder gestürzte Fahrer dann beim Neustart wieder teilnehmen dürfen. So profitierten beispielsweise die Marquez-Brüder 2025 beim Rennen in Silverstone und holten sich noch die Ränge drei und fünf statt einer Nullnummer durch Sturz. Dazu kommt auch noch, dass ab zwei Drittel absolvierter Renndistanz zum Zeitpunkt des Abbruchs gar nicht mehr neu gestartet wird. Potentiell spannende Schlussrunden fallen also ins Wasser.

Safety Car in der MotoGP einführen? Joan Mir zweifelt

Im Automobilsport gibt es eine allseits bekannte Stufe zwischen gelben und roten Flaggen: Die Safety-Car-Phase. Ein Auto mit dieser Bezeichnung gibt es in der Motorrad-WM tatsächlich auch, aber es handelt sich dabei mehr um eine Werbepräsenz für Partner BMW. Das Fahrzeug wird von der Rennleitung genutzt, um damit die Strecke abzufahren und zu Unfallstellen zu gelangen oder bei Regen die Bedingungen zu überprüfen. Es ist nicht vorgesehen, dass es tatsächlich vor dem Feld ausrückt und dieses einfängt, damit in jeder Runde ein Zeitfenster für Arbeiten der Marshals an Unfallstellen entsteht. Warum eigentlich nicht?

Crash von Jack Doohan (Alpine), während Lando Norris (McLaren) hinter dem Safety Car das Rennen anführt
In der Formel 1 führt das Safety Car das Feld an Unfallstellen vorbei, Foto: IMAGO / PsnewZ

Die Komplikationen wären sicherlich größer als auf vier Rädern. Ex-MotoGP-Weltmeister Joan Mir ist skeptisch: "Was das Safety Car angeht, weiß ich nicht genau. Da müsste man sich genaue Gedanken darüber machen. Es geht ja nicht nur darum, das Auto selbst zu regeln. Du musst genau wissen, wann es rausgeschickt wird. Wir fahren keine Autos, also wird das für uns untereinander schwierig. Die Reifen, besonders diese Michelins, würden stark abkühlen."

Die MotoGP braucht Renntempo für Reifentemperatur, Foto: Tobias Linke
Die MotoGP braucht Renntempo für Reifentemperatur, Foto: Tobias Linke

Safety-Car-Phasen in der MotoGP wohl alles andere als sicher

Im Automobilsport können die Temperaturen durch Zick-Zack-Fahren hochgehalten werden. In der Motorrad-WM geht das nur durch die kinetischen Kräfte der Renngeschwindigkeit. Im Zweifelsfalle würde das Safety-Car also das genaue Gegenteil von Sicherheit bewirken, denn ein Restart mit kalten Reifen ist selbsterklärend eine hochriskante Angelegenheit.

Dementsprechend sieht Mir auch keine realistische Chance auf eine Umsetzung. "Im Sinne der Sicherheit können wir gerne alle diese Dinge diskutieren, aber das [Safety-Car, Anm. d. Red.] wird schwierig. Bei den Autorennen kann das gemacht werden, aber wir können das nicht", meint der Honda-Pilot.

Die Reifen von Michelin wären also hinter dem Safety Car schwer auf Temperatur zu halten. Doch ab 2027 übernimmt Pirelli. Wir haben im Exklusiv-Interview mit Motorradsportchef Giorgio Barbier haben wir über Vorbereitung und Ziele gesprochen: