Formel 1

Ein Rückblick auf die besten italienischen Formel-1-Fahrer in Ferrari-Diensten

Die großen Zeiten italienischer Fahrer bei Ferrari sind vorbei. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf Ascari, Alboreto und Co.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Das dürften die Ferraristi nur zu gern hören: Endlich mal wieder ein Landsmann am Steuer eines Formel-1-Ferrari! Und dazu noch ein äußerst talentierter. Antonio Giovinazzi wurde diese Woche die große Ehre zuteil, eines der roten Autos in Fiorano zu fahren. Der neue Ferrari-Junior drehte am Donnerstag und Freitag seine ersten Runden für den neuen Arbeitgeber. Giovinazzi gilt als eines der größten Talente im Motorsport. 2016 gewann er in seinem Rookie-Jahr die Vize-Meisterschaft in der GP2-Serie.

Für einen Italiener ist es eine großartige Erfahrung, mit einem Ferrari aus der Boxengasse herauszufahren.
Antonio Giovanazzi

"Ein wunderbares Gefühl, zum ersten Mal ein Formel-1-Auto gefahren zu sein", sagte Giovinazzi nach seinen Runden im 2015er Ferrari. "Für einen Italiener ist es eine großartige Erfahrung, mit einem Ferrari aus der Boxengasse herauszufahren. Der Test war sehr interessant, es gab so viel Abläufe zu befolgen. Aber die Jungs haben mich extrem unterstützt. Das hat alles viel einfacher gemacht."

Ob der 23-Jährige tatsächlich in Zukunft ein Cockpit bei Ferrari bekommt, ist freilich noch keineswegs sicher. Klar ist aber: Die Italiener lechzen bereits wieder nach einem Formel-1-Fahrer. 2017 wird das sechste Jahr in Folge ohne einen Stammfahrer aus dem Land von Ferrari, Lamborghini, Alfa Romeo und Co. Die letzten Formel-1-Fahrer aus Italien mit Stammcockpit waren Jarno Trulli für das damalige Team Lotus sowie Vitantonio Liuzzi für HRT, beide 2011. Der ehemalige Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali prognostizierte damals bereits einen Mangel an talentierten Nachwuchspiloten. "Es handelt sich um einen schwierigen Zeitpunkt für unseren Sport - zum Teil auch aus Gründen außerhalb unseres Einflussbereichs", erklärte er damals.

Erfolge liegen lange zurück

Inzwischen betreibt Ferrari eine eigene Driver Academy, doch den beschwerlichen Weg in die Formel 1 schaffte bislang mit Jules Bianchi nur ein Franzose. Somit müssen die Tifosi weiter in Erinnerungen an die glorreiche, aber lange zurückliegende Vergangenheit schwelgen. Besonders in den Anfangsjahren der Formel 1 dominierte Ferrari mit italienischen Fahrern das Geschehen. 1952 und 1953 holte Alberto Ascari zwei WM-Titel für die Scuderia und schuf sich damit ein Denkmal. Was damals jedoch noch keiner ahnen konnte: Er blieb bis heute der einzige italienische Weltmeister überhaupt.

Alberto Ascari war erster und bislang einziger italienischer Weltmeister im Ferrari - Foto: Monza Circuit

Auch wenn es zu Titelehren mit einem italienischen Fahrer nicht mehr reichte, konnte Ferrari weiterhin mit eigenen Landsleuten zu Siegen fahren. 1952 konnte neben Ascari auch Piero Taruffi ein Rennen gewinnen. In der Folgesaison trug sich Nino Farina in die Siegerlisten der Scuderia ein, Luigi Musso folgte 1956. Fünf Jahre später, als die Ferrari-Teamkollegen Phil Hill und Wolfgang von Trips sich ein Duell bis in den Tod lieferten, konnte auch Giancarlo Baghetti ein Rennen im privat-eingesetzten Ferrari für sich entscheiden - sein erstes Formel-1-Rennen überhaupt. Dies gelang bis heute keinem weiteren Fahrer.

Mit fortschreitender Zeit blieben die Erfolge der Italiener in Ferrari-Diensten jedoch zusehends aus. 1964 gewann Lorenzo Bandini den Österreich GP, zwei Jahre später errang Ludovico Scarfiotti ausgerechnet beim Heimspiel in Italien für über 20 Jahre den letzten Sieg eines Italieners für die Scuderia. Scarfiotti war die Karriere bei Ferrari bereits in die Wiege gelegt. Sein Großvater Ludovico Scarfiotti senior war Mitbegründer des Fiat-Konzerns, sein Onkel Gianni Agnelli war langjähriger Präsident des Unternehmens.

Ludovico Scarfiotti stammte aus der Gründerfamilie von Fiat - Foto: Sutton

Über ein Jahrzehnt ohne Italiener

Bandini und Scarfiotti blieben noch bis 1967 Ferrari-Fahrer, ehe das Schicksal die italienische Note bei Ferrari zunächst erstickte. Bandini verunglückte in Monte Carlo tödlich, nach einem weiteren Todesfall bei Ferrari wechselte Scarfiotti aufgrund mangelnden Vertrauens das Team. 1973 bestritt Arturo Merzario noch einmal fast die gesamte Saison für Ferrari, blieb jedoch punktelos. Die nächsten, äußerst erfolgreichen Jahre wurden bestimmt von Fahrern wie Niki Lauda, Clay Regazzoni, Carlos Reutemann und Gilles Villeneuve.

Erst in den 1980er Jahren fand Ferrari bei der Cockpitbesetzung zu seinen italienischen Wurzeln zurück. Michele Alboreto bestritt von 1984 bis 1988 insgesamt 80 Rennen für Ferrari und konnte drei davon gewinnen, die Saison 1985 beendete er als Vize-Weltmeister. Wie sehr die Jagd nach dem Titel auch eher ruhige Menschen wie Alboreto an die Nerven ging, bewies er in Monaco, als er Ayrton Senna nach dessen absichtlicher Schleichfahrt im Qualifying androhte: "Das nächste Mal kracht es." Alboreto ist bis heute der letzte italienische GP-Sieger für Ferrari.

Michele Alboreto gewann drei Rennen für Ferrari - Foto: Sutton

Mit Alboreto endete die Erfolgsgeschichte endgültig. Gianni Morbidelli durfte das Gefühl eines Ferrari-Engagements zumindest ein Rennen lang verspüren, als er Alain Prost beim Saisonfinale 1991 in Australien vertrat. 1992 bestritt Ivan Capelli die Formel-1-Saison als Teamkollege von Jean Alesi, zweimal wurde Capelli dabei von Landsmann Nicola Larini vertreten. Mehr als drei Punkte brachten beide zusammen aber nicht auf das Konto. Larini schaffte mit Rang zwei 1994 in Imola als Ersatzmann für Jean Alesi das letzte Podium eines Italieners für Ferrari.

Während ab 1996 Michael Schumacher Ferrari umkrempelte und er trotz eines anderen Passes zum Helden der Tifosi wurde, fand man italienische Fahrer bei Ferrari nur noch im Wartestand. Larini füllte bis einschließlich 1997 die Rolle des Testfahrers aus, ehe Luca Badoer dritter Fahrer des Teams wurde. Spötter sehen Badoer als einen der schlechtesten Formel-1-Fahrer überhaupt an. In insgesamt 51 Rennen blieb er punktelos - darunter auch zwei Rennen für Ferrari im Jahr 2009, als er für den verletzten Felipe Massa einsprang. Nach einem 17. Und 14. Platz zog Ferrari die Reißleine und setzte Giancarlo Fisichella für den Rest der Saison ins Cockpit. Doch auch 'Fisisco' blieb punktelos. Sein 16. Platz in Abu Dhabi ist Stand heute das letzte Resultat eines italienischen Fahrers für Ferrari. Wird Giovinazzi diese Liste bald ergänzen?


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter