Für Felipe Massa ist der Motorsport alles andere als Vergangenheit. Der ehemalige Vizeweltmeister, der nach 2017 der Formel 1 den Rücken gekehrt hat, steigt nach wie vor als Fahrer regelmäßig ins Rennauto und ist hauptsächlich in der brasilianischen Stockcar-Serie unterwegs. Aber auch im Sportwagen ist er noch anzutreffen. Am vergangenen Wochenende nahm er gemeinsam mit seinem Sohn Pipo in einem Cup-Porsche an einem Event der GT Winter Series teil, einer zwischen Januar und März ausgetragenen Rennserie auf der iberischen Halbinsel.

Im Rahmen dieses Auftritts resümierte er in einem Interview gegenüber der spanischen Publikation Diario Sport unter anderem über seine Formel-1-Karriere und adelte einen Fahrer in den höchsten Tönen: Fernando Alonso. Nicht, weil er mit seinem ehemaligen Ferrari-Teamkollegen ein so gutes Verhältnis pflege, das ist nicht der Fall, sondern weil er ihm als Rennfahrer sehr viel Respekt zollt.

"Wir sind nicht beste Freunde, auch wenn wir viele Abendessen miteinander verbracht und viele Sachen getan haben", so Massa. Aber: "Er war ohne Zweifel der beste Fahrer, gegen den ich je gefahren bin."

Eine Aussage, die alles andere als selbstverständlich ist. Schließlich war der Brasilianer in seiner von 2002 bis 2017 andauernden F1-Zeit neben Alonso auch Teamkollege von Michael Schumacher oder Kimi Räikkönen gewesen und hatte im WM-Duell 2008 Lewis Hamilton als Widersacher gehabt. Auch zu den Glanzzeiten von Sebastian Vettel war Massa noch in der Königsklasse unterwegs.

Harte Aussage gegen Lance Stroll: Auch mit 65 keine Chance gegen Alonso

Dass Alonso nach wie vor in der Formel 1 an den Start geht, beeindruckt Massa. Vor allem, dass er dabei im Alter von 44 Jahren noch konkurrenzfähig ist. "Fernando macht einen guten Job", analysiert Massa, der auch anmerkt, dass der Mann aus Oviedo keine echte Messlatte hat: "Natürlich ist sein Teamkollege nicht Leclerc, Norris oder Russell. Stroll könnte er auch noch schlagen, wenn er 65 Jahre alt ist."

Keine sonderlich schmeichelhafte Aussage für den Kanadier, der selbst einst ein Teamkollege von Massa war. Bei Williams verbrachte er 2017 seine letzte Formel-1-Saison als Partner von Stroll, der seinerseits seine Rookiesaison absolvierte.

Felipe Massa rät Alonso: Finde den richtigen Moment für Formel-1-Karriereende

In Ermangelung dieser Messlatte sei es für Alonso schwer, den richtigen Zeitpunkt für sein Karriereende zu finden. "Ich hoffe, dass er, wenn er realisiert, dass es Zeit zum Aufhören ist, das zum richtigen Moment macht. Ich denke nicht, dass Fernando die Art von Fahrer ist, der es nötig hat, in der Formel 1 zu sein, nur um am Ende des Feldes zu kämpfen. Es gibt so viele andere Serien, in denen man Spaß haben kann."

Wie viel Spaß Alonso 2026 noch in der Formel 1 hat, dahinter steht für Massa ein Fragezeichen. Das liegt natürlich in erster Linie an Aston Martin, die sportlich am Boden liegen. Der AMR26 ist nicht nur fernab der Konkurrenz im Mittel- oder gar Spitzenfeld, sondern ist bislang nicht in der Lage, ein ganzes Rennen durchzuhalten. In China musste Alonso aufgrund der anhaltend starken Vibrationen aufgeben.

Massa findet, dass er selbst diesen richtigen Moment erwischt hat, um aus der Königsklasse auszusteigen. "Man muss verstehen, dass Alter in diesem Sport sehr wichtig ist." Sein Fokus liegt neben den Rennstarts in der brasilianischen Stockcar-Meisterschaft auf der Karriere seines Sohnes. Und nicht zuletzt auf dem rechtlichen Kampf um den Formel-1-Titel 2008, den er nach wie vor nicht aufgegeben hat. "Im Moment denke ich nur an die Weltmeisterschaft von 2008. Das ist das Einzige, was ich noch erreichen muss", gibt sich Massa kampflustig.

Ein kleiner Teilerfolg gelang ihm bereits. Nach Anhörungen im Vorjahr nahm der Londoner High Court die Klage an, die damit vor Gericht geht. Vor wenigen Wochen urteilte das Gericht außerdem, dass die FIA, die FOM und Bernie Ecclestone Massa Verfahrenskosten in Höhe von 250.000 Pfund (ca. 289.000 Euro) erstatten müssen. Auch in Zukunft wird es wohl nur um Geld gehen, denn das Gericht stellte im November klar, dass das WM-Ergebnis nicht rückgängig gemacht werden könne.