Ins Ziel kommen. Bereits das ist für Aston Martin in der Formel 1 2026 derzeit praktisch unmöglich. Denn die Vibrationen des Honda-Motors scheinen für den Fahrer nach wie vor zu stark zu sein, um die komplette Renndistanz von 305 Kilometern damit zu überstehen. Das beweist Fernando Alonso, der am Rennsonntag in China nach etwas mehr als der Rennhälfte aufgeben musste.

Der Spanier berichtete von den Zuständen, unter denen er während des Rennens litt. "Das Level an Vibrationen war heute sehr hoch. Zwischen Runde 20 und 35 hatte ich ein bisschen Probleme damit, meine Hände und meine Füße zu spüren", erklärte er. "Außerdem waren wir eine Runde hinten und wir waren Letzter, also machte es wahrscheinlich keinen Sinn, weiterzumachen", begründet er seine Aufgabe.

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Fernando Alonso: Vibrationen wurden schlimmer

"Ich hätte das Rennen wahrscheinlich ohnehin nicht beenden können", glaubt Alonso. Die vom Motor ausgehenden Vibrationen sind ein fortwährendes Problem bei dem britischen Team, das dieses schon seit den Testfahrten begleitet, und sowohl die Technik als auch die Fahrer an ihr Limit bringt - oder darüber hinaus. Vor allem die Batterie litt sehr darunter, was zu einer Serie an Defekten geführt hatte. Schon vor China sprach der Rennstall davon, dass Maßnahmen vorgenommen wurden, um die Batterie etwas zu entlasten.

Ohne Erfolg, wie es scheint, denn Lance Stroll musste in China bereits nach neun Runden mit einem mutmaßlichen Batterieproblem aufgeben. Ob dieses auf die Vibrationen zurückzuführen ist, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurden diese mitnichten weniger. "Es war heute schlimmer als in irgendeiner Session an diesem Wochenende", vermeldete Alonso nach dem Rennen.

Aston Martin 2026 noch nie im Ziel - Mike Krack sieht trotzdem Fortschritte

Ist also alles hoffnungslos im Silverstone-Camp? Nicht unbedingt. Chief Trackside Officer Mike Krack war nach dem Rennen damit beschäftigt, die Lage in einem etwas schöneren Licht darzustellen. Er relativierte die Aufgabe und die Aussagen des Asturiers: "Wenn man um den Sieg gekämpft hätte, dann wäre es schon möglich gewesen, weiterzufahren. Wir waren zu diesem Zeitpunkt in keiner guten Position, also war es eine einfache Entscheidung."

Das Ziel hätte man trotzdem wohl kaum gesehen, und das ganz unabhängig vom menschlichen Faktor. Denn Honda-Einsatzleiter Shintaro Orihara gestand mit Blick auf die Batterie: "Für eine Renndistanz reicht es nicht."

Krack sprach trotz des Doppel-Ausfalls von Fortschritten. "Heute sah es nicht nach einem massiven Fortschritt aus, aber wenn ich mir anschaue, haben wir zum Beispiel noch nie so viele Runden am Stück gemacht", strich der Luxemburger die positive Kehrseite hervor. Ein bitter angehauchter Lichtblick, da er nur noch weiter illustriert, wie es um das einzige Formel-1-Team, das 2026 noch keine komplette Renndistanz absolviert hat, bestellt ist.

Dieser Fortschritt ist aber auch dadurch erkauft worden, dass man Leistung rausgenommen hat, wie Fernando Alonso anmerkt: "Einige unserer Schritte haben wir künstlich erreicht. Dinge wie, dass wir die Drehzahl des Motors vermindert haben, damit alles weniger vibriert." Auf Dauer ist das auch keine Lösung, nicht einmal für ein Rennen. "Man muss immer noch manchmal auf hohe Drehzahlen gehen, wenn man ein Überholmanöver unternimmt oder wenn man aufladen muss oder so etwas", so der zweifache Weltmeister.

Lance Stroll: "Betet für mich"

Krack bleibt trotzdem positiv: "Es ist wichtig, dass wir fahren können und dadurch Wissen sammeln. Nicht nur für das Energie[management]. Wir haben auch eine neue Reifengeneration, die sich anders verhält. All diese Dinge findet man in der Garage niemals heraus." Bis zum Großen Preis von Japan ist jetzt erst einmal eine Woche Pause, um weitere Problemanalysen anzustellen. Und damit bleibt zumindest etwas Zeit, um den Motor wieder auf den Prüfstand in Sakura zu schicken. Für das Heimrennen von Motorhersteller Honda wäre es besonders wichtig, handfeste Fortschritte zeigen zu können.

Bei den Fahrern hält sich der Optimismus mit Blick auf Suzuka trotzdem in Grenzen. Lance Stroll versuchte es nach dem Formel-1-Rennen in Shanghai mit Galgenhumor. "Wenn sie nicht in den nächsten zehn Tagen irgendetwas Magisches finden, dann können wir nur beten. Betet für mich", so der Kanadier. Falls kein Wunder geschieht, gilt für Aston Martin wohl auch in Suzuka das olympische Motto als Ziel: Dabei sein ist alles. Denn bisher konnte Aston als einzigen Trost mitnehmen, dass man immerhin noch jedes Rennen starten konnte. Das gelang beileibe nicht allen.