Motorsport auf dem Nürburgring erfährt in den letzten Wochen einen Aufmerksamkeits-Boost, wie er ihn seit Ewigkeiten nicht mehr hatte, mit dem 24-Stunden-Rennen am Wochenende als absoluten Höhepunkt. Dank Max Verstappen. Dessen Gaststart auf der Nordschleife sorgt bei den großen deutschen Namen im GT-Sport vor dem Rennen für sehr positives Feedback.
"Ich finde es mega!", stellt etwa Rene Rast klar. Der dreifache DTM-Champion, der auch schon die 24 Stunden gewonnen hat, steht zwar 2026 nicht am Start, verfolgt die Verstappen-Mania aber nur zu gerne: "Ich hab' mir NLS 2 angeguckt, als Haase gegen ihn gefahren ist. Ich hab' Haase direkt danach geschrieben: 'Geile Show! Hast die GT3-Fahne hoch gehalten für uns Jungs!'"
"Ich finde es gut, dass Max da ist und sich integriert wie ein normaler GT3-Pilot", hält Rast fest. "Keine Star-Allüren, gar nichts. Er kommt da hin, setzt sich ins Fahrer-Briefing, macht alles mit. Max ist ein Ausnahmetalent."
Nürburgring-Start als Risiko? Was Max Verstappens 24h-Debüt mutig macht
Dass Verstappen sich keine Sonderbehandlung hat zukommen lassen, ist ein großer Grund, warum er unter den Kontrahenten am Nürburgring ein hohes Ansehen genießt. Er durchlief ganz normal den Nordschleifen-Führerschein, fuhr mehrere Rennen, um sich vorzubereiten, erfüllte alle Pflicht-Termine. Außer etwas Extra-Security zum Bändigen des riesigen Fan-Ansturms ist bei Verstappen relativ zu anderen GT-Stars nichts anders.

"Als Formel-1-Superstar geht man ein Risiko ein", beeindruckt das Herangehen auch den alteingesessenen Nordschleifen-Profi Frank Stippler, der dieses Jahr in einem Ford Mustang GT3 wieder im Spitzenfeld mitmischen möchte. Stippler gehörte zu den Fahrern, die schon Verstappens GT3-Debüt in der NLS im letzten Herbst hautnah erlebten.
Für Stippler geht es bei "Risiko" nicht nur um Unfälle - weswegen viele F1-Stars oftmals von ihren Teams nicht in andere Rennserien gelassen werden. "Sondern auch Kritik, wenn man gegen GT3-Amateure vielleicht nicht sofort dominiert. Dass ihn das überhaupt nicht interessiert und er einfach seiner Leidenschaft folgt, hebt ihn für mich auf ein anderes Level."
24h-Gegner geehrt vom Kampf gegen Motorsport-Liebhaber Max Verstappen
Diese Hingabe an das Projekt geht für einige weit über das hinaus, was man von einem F1-Superstar vielleicht erwartet haben würde. "Guck dir das an, der fliegt von irgendeinem Rennen zurück, sitzt Montagmorgen in Spa beim Test", sagt Timo Glock. Der Ex-F1-Pilot startet 2026 ebenfalls wieder am Nürburgring in einem GT3-McLaren für Dörr Motorsport in einem klassischen Schumacher-Look.
"Letztes Jahr, wo die diese Filmpräsentation hatten, alle Formel-1-Piloten sind auf den roten Teppich, und er sitzt morgens nach einem Überseeflug sozusagen in Spa und testet GT3, oder einen Tag später", so Glock. "Alleine das. Ja, die Art und Weise, ich habe da so einen Respekt vor."

"Für mich gehört Max Verstappen zu den herausragenden Fahrern seiner Generation", findet Stippler. "Genau wie früher Michael Schumacher, Ayrton Senna oder Fernando Alonso. Es ist eine Ehre, gegen ihn anzutreten."
Motorsport-Deutschland mit Kniefall vor Max Verstappen
Verstappens großer Einsatz hat in den letzten Monaten der NLS bei ihren vierstündigen Rennen bereits Zuschauer-Bestwerte beschert. Beim 24h-Rennen sind Rekorde ebenfalls zu erwarten. "Und Max hat daran einen großen Anteil", urteilt Stippler. "Ich freue mich einfach, dass Max die Nordschleife so pusht, wie er es gerade tut."
"Jeder, der in Deutschland Motosport betreibt, sollte Kniefälle vor ihm machen, denn so viel Aufmerksamkeit hat der deutsche Motorsport seit Jahren nicht mehr gehabt", geht Timo Glock sogar noch weiter. Auch BMW-M-Sportchef Andreas Roos meint: "Letztendlich hilft es uns allen."
Können Max Verstappens Gegner im 24h-Rennen noch nachlegen?
Bei allem Lob sehen alle der Top-GT3-Piloten in Verstappen und dem Rest des Winward-Mercedes mit der Startnummer 3 und den Teamkollegen Daniel Juncadella, Lucas Auer und Jules Gounon am Ende aber so auch "nur" einen weiteren Rivalen um den Gesamtsieg. "Er ist ein Ausnahmefahrer", weiß Roos. "Er hat immer bewiesen, dass er ganz vorn mit dabei sein kann."
"Jeder hat erwartet, dass er schnell sein würde", sagt genauso HRT-Ford-Pilot David Schumacher. Merkt zumindest aber an: "Ich bin gespannt auf dieses Wochenende, weil ich gehört habe, dass viele Teams ihre Fahrer bisher noch nicht komplett Vollgas fahren lassen. Max scheint das bei den vorangegangenen Rennen auf der Nordschleife ziemlich egal gewesen zu sein."
Aus Sorge um schlechte Balance-of-Performance-Einstufungen halten sich Teams und Fahrer im NLS-Vorlauf oft etwas zurück. Diesbezüglich gilt aber auch: Winward ließ Verstappen bei der Top-Qualifying-Generalprobe - der bislang einzigen Chance, die Nordschleife ohne Verkehr im Qualifying zu fahren - am Wochenende der 24h Qualifiers im April nicht ans Steuer. Teamkollege Lucas Auer qualifizierte sich dort auf Platz fünf, Verstappen übernahm noch in der ersten Stunde die Führung, dann riss ein Schaden das Auto aus der Führung.
Verstappens 24h-Debüt wird also an allen Ecken und Enden mit Spannung entgegengefiebert. Nicht zuletzt, weil er sich endlich an einem fast kompletten Feld der GT3-Weltelite messen wird. Zu reduktiv solle man dabei den Hype besonders um Verstappen gegen Porsche-Star Kevin Estre nicht betreiben, meint Manthey-Rennleiter Patrick Arkenau.
"Natürlich profitieren wir alle davon, das hilft dem gesamten Rennen, aber die Motivation zu gewinnen verändert sich durch Max Verstappen nicht", sagt Arkenau. "Dieses reine 'Estre gegen Verstappen' greift mir zu kurz." Mehr dazu gibt es hier:



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