Ducati dominierte die MotoGP-Saison 2025 lange nach Belieben. Spätestens mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Marc Marquez änderte sich das Bild jedoch, der italienische Nachbar aus Noale fuhr sich mehr und mehr ins Rampenlicht. Rückblickend kaum vorstellbar, erlebte Aprilia doch einen katastrophalen Start in das laufende Kalenderjahr. Massive Verletzungssorgen, schwache Performance auf der Strecke und dann der wochenlange Vertragsstreit mit Starpilot Jorge Martin. Wie konnte diese unvergleichliche Trendwende gelingen?

Nun, einerseits ist sie wohl Massimo Rivola zu verdanken. Der Racing-CEO Aprilias behielt während all der Turbulenzen einen kühlen Kopf und verwaltete die Krise mit Bravour. In den Momenten des Misserfolgs stellte er sich schützend vor das Team und ging im Vertragsstreit mit Martin zur richtigen Zeit in die Offensive, hielt aber auch stets eine Hintertür für eine potenzielle Versöhnung mit dem Weltmeister von 2024 offen - zu der es im Juli 2025 ja schließlich auch kommen sollte. Bestes Krisenmanagement vom ehemaligen Ferrari-Mann also.

Aprilia schon vor Ducati? MotoGP-Zeitenwende kündigt sich an (06:32 Min.)

Anfangs umstritten, doch Fabiano Sterlacchini schlägt bei Aprilia voll ein

Hinter den Kulissen konnte in Noale so ein Mann ungestört an der Trendwende arbeiten, der erst wenige Monate zuvor zu Aprilia gestoßen war: Fabiano Sterlacchini. Der Italiener hatte sich im Sommer 2024 von seinem vormaligen Arbeitgeber KTM getrennt und zur Saison 2025 den Posten des technischen Direktors von Romano Albesiano übernommen, der sich mit dem Jahreswechsel gen Japan und Honda verabschiedet hatte. Eine Verpflichtung, mit der damals nicht alle glücklich waren. Rückblickend scheint sie aber goldrichtig gewesen zu sein.

Denn der Aufwärtstrend, den Aprilia ab Juni 2025 unter Sterlacchinis Führung hinlegte, lässt sich nicht von der Hand weisen. Die RS-GP wurde schneller und schneller, nahezu jedes Update entpuppte sich als Volltreffer. In den letzten fünf Rennwochenenden des Jahres sprangen sogar beachtliche drei Grand-Prix-Siege, zwei Sprinterfolge und drei Pole Positions heraus. Die fast schon logische Konsequenz: Aprilia feierte 2025 die erfolgreichste Saison der eigenen MotoGP-Geschichte - und das nach diesem Jahresstart.

Aprilia-Piloten und MotoGP-Boss schwärmen von Fabiano Sterlacchini

Für Sterlacchini gab es in den letzten Monaten daher Lob von allen Seiten. "Er ist eine wahnsinnig intelligente Person, nicht nur im Motorsport. Du kannst mit ihm über alles reden und sehr unterhaltsame Konversationen mit ihm haben. Und was das Racing angeht, hat er ein unglaublich großes Know-how. Er hat viel Erfahrung, ist aber auch ein toller Charakter. Er bringt dich nie in Verlegenheit. Wenn ich mit meinen Ingenieuren spreche, bekomme ich manchmal das Gefühl, dass ich deutlich weniger verstehe als sie. Mit Fabiano ist das anders. Er bleibt immer ruhig und professionell, du fühlst dich immer wohl", schwärmte etwa Marco Bezzecchi und Rivola stimmte ein: "Er leistet großartige Arbeit. Er hängt sich wahnsinnig rein und sieht viele Möglichkeiten, [die andere nicht sehen, Anm.]."

Aprilia hatte 2025 speziell zum Saisonende hin viel zu feiern, Foto: Aprilia Media
Aprilia hatte 2025 speziell zum Saisonende hin viel zu feiern, Foto: Aprilia Media

Wie sehr Sterlacchini Noale in seinen Bann gezogen hat, zeigt sich aber speziell am Fall von Raul Fernandez. Der Trackhouse-Pilot arbeitete bereits 2022 in seiner MotoGP-Debütsaison bei Tech3-KTM mit ihm zusammen und erlebte damals keine schöne Zeit. Im letzten Winter war er deshalb auch der größte Kritiker der Sterlacchini-Verpflichtung. Zwölf Monate später klingt das aber schon ganz anders. "Ich habe eine gute Beziehung zu ihm. Anfangs war es etwas komisch, weil wir bei KTM nicht so wirklich gut zusammengearbeitet hatten und wegen meiner Verletzungen habe ich auch diese Saison erstmal nicht viel mit ihm zu tun gehabt. Aber während der letzten Grands Prix war er dann die Person, die mir geholfen hat, den letzten Schritt zu machen", gab Fernandez an. Auf Phillip Island hatte er seinen ersten MotoGP-Sieg geholt, zwei Wochen zuvor sprang in Mandalika das erste Podium in der Königsklasse heraus. "Er ist eine tolle Person. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft, jetzt um solche Positionen fahren zu können!"

2026 will Aprilia nun mit Ducati um den WM-Titel kämpfen und damit das auch klappt, wurde beim Valencia-Test eine geheimnisvolle Aero-Lösung angeschraubt. Was es damit auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen: