Gemeinsam haben sie 2025 MotoGP-Geschichte geschrieben. Als erstes Brüderpaar beendeten Marc und Alex Marquez die abgelaufene Saison auf den ersten beiden Plätzen der Weltmeisterschaft. 31 der 44 Rennsiege gingen auf ihr Konto, 18-mal standen sie gemeinsam auf dem Podium. Selten war ein Brüderpaar erfolgreicher - egal, in welcher Sportart. Die Marquez' sind aber nicht die einzigen Geschwister, die in der Motorrad-WM verzückten. Motorsport-Magazin.com blickt auf die flottesten Familien der MotoGP-Geschichte.
Wenn zwei nicht genug sind: Die Aoki-Brüder
Wir beginnen unsere Bestenliste gleich zu dritt. Die Aoki-Brüder aus Japan sorgten in den 90er-Jahren für diese bisher einzigartige Geschichte. Der Erfolgreichste unter ihnen war Haruchika, der sogar zweimal (1995 und 1996) den Titel bei den 125ern holen konnte. Bruder Nobuatsu sicherte sich einen Grand-Prix-Sieg bei den 250ern und fuhr vier Podestplätze in der Königsklasse ein. Die bemerkenswerteste Vita hat aber wohl der sieglose Takuma. Auch er stand in der höchsten Klasse viermal auf dem Treppchen. Den ersten Sieg konnte er aber nicht mehr erreichen, denn ein Motorradunfall im Jahr 1998 verursachte eine Querschnittslähmung. Seitdem hilft der Rollstuhlfahrer Honda bei der Entwicklung von Fahrzeugen für Menschen mit Behinderung. Außerdem ist seine Leidenschaft für den Motorsport ungebrochen. 2021 nahm Takuma Aoki in einem für seine Bedürfnisse modifizierten LMP-Auto an den 24 Stunden von Le Mans teil und beendete das berühmteste Rennen der Welt erfolgreich.
Die Ersttäter: Christian & Dominique Sarron
Die Sarrons sind so etwas wie die Pioniere der schnellen Motorrad-Geschwister. In den 1980ern wurden sie das erste Brüderpaar, aus dem sich beide Grand-Prix-Sieger nennen durften. Dominique feierte in der 250er-Klasse insgesamt vier Mal ganz oben auf dem Podium. Die 500er waren für ihn trotz zweier Anläufe dann aber doch eine Nummer zu groß. Mehr als Rang acht war für ihn nicht drin. Das galt nicht für Bruder Christian. Nach dem 250er-Titel von 1984 legte er auch in der höchsten Klasse eine beachtliche Karriere hin. Zwar sollte sein Sieg beim erst dritten 500er-Rennen seiner Laufbahn in Hockenheim der einzige bleiben, doch folgten zahlreiche weitere Podestplätze. Durch seine starke Konstanz beendete er die Weltmeisterschaft dreimal unter den ersten Vier. 1994 sorgten die Brüder dann noch einmal für ein besonderes Highlight, als sie gemeinsam das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen Bol d'Or in Paul Ricard gewannen.
Wenn sich Vorzeichen umkehren: Die kuriose MotoGP-Karriere von Aleix & Pol Espargaro
Der Blick auf die Nachwuchsklassen ergab bei diesen Beiden eigentlich eine klare Erwartungshaltung. Während Aleix Espargaro es mit Mühe und Not zu einem einzigen Podestplatz schaffte, räumte sein jüngerer Bruder Pol so richtig ab. 15 Siege erzielte er in den kleineren Klassen und holte sich 2013 den Weltmeistertitel in der Moto2. Deutlicher hätten die Vorzeichen also nicht sein können, aber es kam anders. Pol Espargaro gelang eine lange und beachtliche MotoGP-Karriere, doch der endgültige Durchbruch fehlte. Der Sieg wollte einfach nicht gelingen. Was dem Jüngeren verwehrt blieb, erreichte überraschend Bruder Aleix. Nach schwachen Jahren arbeitete er sich Stück für Stück mit dem Aprilia-Team nach vorne. 2022 gelang dann endlich der Triumph in Argentinien. Zwischenzeitlich durfte sogar vom Titel geträumt werden. Daraus wurde dann nichts mehr, aber der leidenschaftliche Radfahrer sicherte sich in den letzten Jahren seiner Karriere immerhin noch zwei weitere MotoGP-Siege und Sprint-Erfolge. So kommen die beiden Brüder auf insgesamt 18 Grand-Prix-Siege, konnten aber nie in derselben Klasse gewinnen.

Das ungleiche MotoGP-Paar: Valentino Rossi & Luca Marini
Bei Alter, Auftreten, Erfolgen und sogar beim Nachmanen unterscheiden sie sich. Am Ende haben Valentino Rossi und Luca Marini aber eines gemeinsam: Mama Stefania. Über Valentino muss kaum etwas gesagt werden. Der 'Doctor' avancierte aufgrund seiner herausragenden Erfolge und seines extravaganten Auftretens in den 2000ern zum Superstar der Motorradszene. Unglaubliche 115 Siege in allen Klassen sorgten dafür, dass sich überall auf der Erdkugel Sticker mit der Nummer 46 auf Motorrädern und Rollern finden lassen. Der fast 20 Jahre jüngere Halbbruder Luca hatte es bei diesem Vergleich nicht leicht. Doch auch er ist mittlerweile ein anerkannter MotoGP-Fahrer und hat sich beim berühmten Honda-Werksteam etabliert. Besonders seine technische Expertise als Entwicklungsfahrer wird im Paddock hoch gehandelt. Die Mutter zeigte sich dabei stets als der größte Fan. Sogar Tipps zu Sektorzeiten schickte sie ihren Jungs durch.
Wenn die MotoGP-WM zur Familiensache wird: Marc & Alex Marquez
Spätestens mit ihrem totalen Triumph von 2025 sind die Marquez-Brüder unerreicht. Bei Marc Marquez schien der Erfolg stets gebucht. Der Ausnahmekönner schlug mit seiner spektakulären Fahrweise wie eine Bombe in der Weltmeisterschaft ein, feierte unglaubliche Erfolge und legte nun nach einer schwerwiegenden Verletzungszeit ein fulminantes Comeback hin. Der siebte WM-Titel in der MotoGP lässt immer stärker die Frage aufkommen, ob die Nummer 93 nicht der beste Motorradfahrer der Geschichte ist. In diesem gewaltigen Schatten stand für lange Zeit Bruder Alex Marquez. Mit nicht ganz so viel Talent gesegnet, musste er sich stets über die Saisons hinweg nach oben arbeiten. In Moto3 und Moto2 tat er es so seinem Bruder gleich und gewann den Titel, was bereits ein Novum darstellte. 2025 hat er nun auch den Durchbruch in der Königsklasse geschafft. Gäbe es Marc nicht, so hieße der Weltmeister Alex Marquez. Zwei Brüder an der Spitze der Meisterschaft, das ist auch über den Motorradsport hinaus außergewöhnlich. Willkommen im Motorsport-Olymp!
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