Drei Grand-Prix-Siege, zwei Sprintsiege und drei Pole Positions - Aprilia war im Schlussspurt der MotoGP-Saison 2025 zweifellos der formstärkste Hersteller der Königsklasse. Nur folgerichtig hat Racing-CEO Massimo Rivola daher einen Angriff auf die Weltmeisterschaft als großes Ziel für das Jahr 2026 ausgegeben. Und damit das auch Realität werden kann, wurde im heimischen Werk in Noale in den vergangenen Wochen und Monaten offenbar fleißig entwickelt.
Umfangreiches Update: Aprilia bringt völlig neues Aero-Paket nach Valencia
Denn obwohl die RS-GP von so manchem MotoGP-Experten bereits als bestes Motorrad im Starterfeld angesehen wird, hatte Aprilia im Valencia-Test wohl das größte Update aller Hersteller im Gepäck - von Yamahas Wechsel vom Reihenmotor auf das V4-Bike mal abgesehen. "Aerodynamische Updates für alle Bereiche der RS-GP" kündigte Noale bereits am Dienstagmorgen per Nachricht an die Pressevertreter an und enthüllte diese zum frühen Nachmittag, nachdem der Testbetrieb verspätet endlich Fahrt aufgenommen hatte, dann auch. Zu analysieren gab es aber erstmal gar nicht viel, denn eine Camouflage-Lackierung verhinderte detaillierte Blicke auf das neue Paket.

Am Abend mussten also die Fahrer aufklären, wo die größten Unterschiede zwischen altem und neuem Aero-Konzept liegen. "Die Farbe ist anders", lachte Marco Bezzecchi erstmal. Danach erklärte er: "Die neue Aero ist definitiv anders, aber wir hatten noch nicht wirklich genug Zeit, um sie komplett zu verstehen. Wir haben viel damit getestet, aber auch viel Streckenzeit durch die schlechten Bedingungen verloren. Meine Gefühle sind gemischt. Wie das beim Testen immer ist, gibt es einige positive Aspekte, aber auch ein paar Zweifel. Wir werden alles gut analysieren müssen, bevor wir eine Entscheidung treffen."
Dem stimmte auch Stallgefährte Jorge Martin zu. Der 2025 so verletzungsgebeutelte Spanier meinte: "Ich tue mich bei größeren Veränderungen wie der Verkleidung noch schwer, weil ich mich teilweise immer noch wie ein Rookie auf der Aprilia fühle. Aber die Front hat sich ziemlich identisch angefühlt. Sie hat gut funktioniert, aber es gab keinen großen Unterschied. Am Heck gab es wiederum eine Spezifikation, die mir sehr gefallen hat. Ich kann euch nicht sagen welche, aber mit ihr konnte ich meinen Kurvenausgang verbessern. Jetzt müssen wir einige Meetings abhalten und verstehen, was wir nach Sepang [Sepang-Test 2026, Anm.] mitnehmen wollen. Wir haben 2025 mit einem sehr guten Motorrad beendet und das zu verbessern, wird nicht leicht. Eine große Veränderung wie diese Verkleidung muss also gut durchdacht sein."
Wohl war, doch zwischen den Zeilen scheint man bei Aprilia schon vom neuen Aero-Paket überzeugt. "Die Rundenzeit war ziemlich ähnlich, da war nur eine halbe Zehntel zwischen beiden Varianten", kommentierte Bezzecchi zunächst die Frage, ob die neue oder die alte Verkleidung schneller sei. Erstmal kaum eine Differenz also, doch es gibt einen entscheidenden Aspekt zu beachten. Mit der alten Verkleidung hat der WM-Dritte bereits geschätzte "10.000 Kilometer" abgespult, kennt also sämtliche Stärken und Schwächen in- und auswendig. Mit dem neuen Aero-Paket sind es dagegen erst "30 oder 40 Runden", womit dieses natürlich noch lange nicht ausgetestet ist und noch viel Potenzial beinhalten könnte.
Neue Aprilia-Aero: Nicht zwangsläufig schneller, aber mehr Topspeed?
"Das war nur ein erster Appetitmacher", hielt Bezzecchi daher abschließend fest und Technikdirektor Fabiano Sterlacchini meinte selbstbewusst: "Wir haben uns weiter verbessert." Was die Geheim-Aero genau bringen soll? "Mehr Topspeed", verriet der vormalige KTM- und Ducati-Angestellte und begründete zugleich den geringen zeitlichen Unterschied zwischen Alt und Neu: "Wir verbessern damit nicht zwangsläufig die Rundenzeit, aber wir machen es unseren Fahrern leichter, zu überholen und das Rennen zu managen."
Und tatsächlich: Es scheint, als wäre Aprilia in diesem Anliegen auf einem guten Weg. Im Valencia-Test fuhr Bezzecchi mit 340,3 km/h die höchste Geschwindigkeit aller Piloten, während er im Valencia-GP am Sonntag noch einen maximalen Topspeed von 333,7 km/h erzielt hatte. Bestätigt sich dieser Trend bei den nächsten Testfahrten in Sepang (3. - 5. Februar), könnten die Aprilias 2026 auf den Geraden für die Konkurrenz also zu einer echten Bedrohung werden. Doch nicht nur das. "Wir versuchen auch, die Bremsperformance zu verbessern, um das Motorrad [dank der neuen Aero] besser abstoppen zu können. Wir wollen einfach grundsätzlich in allen Aspekten des Fahrens noch effizienter werden", gab Sterlacchini weiter an.

Ob das gelungen ist, wird sich aller Voraussicht nach in Sepang zeigen. Dort erlebte Aprilia vor dreieinhalb Wochen noch ein äußerst schwieriges Rennwochenende, hatte mit der Spitze nichts zu tun. Ist man mit der neuen Aero auch dort schnell, steht einer erfolgreichen Saison 2026 wohl nichts mehr im Weg. Das weiß auch Martin, der am Dienstag erstmals mit dem neuen Chassis ausfuhr, das Bezzecchi und Co. bereits seit einigen Wochen verwendeten. "Ich habe mich damit direkt richtig gut gefühlt. Das Turning war natürlicher, es passt besser zu meinem Fahrstil", strahlte er. Die nächste große Aufgabe für den 'Martinator'? "Diese Saison jetzt hinter mir lassen, etwas abschalten und mich dann in eine fantastische körperliche Verfassung bringen, damit ich nächstes Jahr wieder kämpfen kann!"
Bei Aprilia verabschiedet man sich also optimistisch in die Winterpause, doch das gilt auch für Francesco Bagnaia. Ducati scheint seine Probleme mit der GP26 wieder in den Griff bekommen zu haben. Mehr dazu im nachfolgenden Artikel:



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