Deutet sich da gerade eine Zeitenwende an? Fünf Jahre lang dominierte Ducati zuletzt die MotoGP und brach auch 2025 wieder einige Rekorde. Doch nach Mandalika waren die Roten nun zum zweiten Mal in Folge nur die Nummer zwei im Kräfteverhältnis der Königsklasse. Aprilia gewann auf Phillip Island sogar beide Rennen und geriet dabei zu keinem Zeitpunkt in echte Gefahr. Die Fortsetzung eines Trends, der sich schon seit Wochen andeutete. Nach dem Australien-GP sei daher die Frage erlaubt: Hat Aprilia nun das beste Gesamtpaket in der MotoGP?
"Ich kann keinen Vergleich ziehen, weil ich keine Ducati mehr fahre", hielt sich Marco Bezzecchi am Sonntag noch zurück. Zwischen den Zeilen war beim neuen WM-Dritten aber klar rauszuhören, dass er jener These durchaus zustimmen würde. "Für mich ist das jedenfalls das beste Motorrad, das ich bis jetzt gefahren bin", scherzte er und meinte: "Unsere Ingenieure leisten tolle Arbeit, wir sind sehr konstant geworden. Natürlich gibt es noch Strecken, die uns besser und schlechter liegen, weswegen wir wohl noch weiter arbeiten müssen. Aber ich denke, dass wir definitiv Schritte in die richtige Richtung machen."
Ducati ist gewarnt: Aprilia vielleicht sogar schon vorne
Auf dem Papier holte Raul Fernandez am Sonntag zwar erst Aprilias zweiten Grand-Prix-Sieg des Jahres 2025 nach Silverstone, während es Ducati im laufenden Kalenderjahr auf überlegene 16 Erfolge in Hauptrennen bringt, aber viele dieser Siege könnten auch schlicht der fahrerischen Extraklasse eines Marc Marquez zuzuschreiben sein. Seit der Dutch TT Ende Juni holte Bezzecchi mehr Punkte als jeder verbliebene Ducati-Pilot, musste sich dem frischgebackenen Weltmeister mehrfach nur knapp geschlagen geben. Dass die RS-GP in den letzten Monaten massiv zur Desmosedici aufgeschlossen hat, kann also nicht von der Hand gewiesen werden.
"Unsere Konkurrenten leisten großartige Arbeit, jeder Hersteller schließt die Lücke. Aprilia ist immer und immer näher an uns dran oder vielleicht sogar schon vor uns", zollte entsprechend auch Fabio Di Giannantonio am Sonntag großen Respekt. Die Alarmglocken in Borgo Panigale sollten schrillen: "Wir haben Arbeit vor der Brust. Sicherlich hätten wir dieses Jahr einen besseren Job machen können. Da müssen wir bei Ducati jetzt als Team durch und versuchen, uns wieder zu verbessern."
Wie breit die Brust bei Aprilia inzwischen ist, zeigte am Sonntag auf Phillip Island vor allem Racing-CEO Massimo Rivola. "Ich denke, dass wir unser Motorrad auf schnellen Strecken inzwischen als Referenzwert ansehen können", frohlockte der Italiener nach dem 300. Grand-Prix-Sieg für den Hersteller aus Noale. "Auf Stop-and-Go-Kursen sind wir das noch nicht, aber wir sind auch nicht mehr so weit entfernt wie in der Vergangenheit. In Summe ist unser Motorrad jetzt viel besser."

Aprilia-Boss kündigt an: 2026 werden wir um die Weltmeisterschaft kämpfen!
Besonders auf das kommende Rennwochenende in Sepang (24. - 26. Oktober) blickt Rivola daher gespannt. Dort solle sich zeigen, wie gut die Aprilia RS-GP inzwischen wirklich geworden ist. "Das ist eine ziemlich komplette Strecke und eine Strecke, auf der wir in der Vergangenheit nie wirklich gut abgeschnitten haben. Wenn wir dort performen, ist unser Fortschritt real", meint der Racing-CEO, hält aber auch so schon jetzt fest: "In den letzten zwei Rennen war Marco der Schnellste auf der Strecke, das ist klar. Wir müssen das Bike noch weiterentwickeln, aber wir sind auf dem richtigen Weg."
Das geht sogar soweit, dass sich Rivola am Sonntag eine Kampfansage an Ducati und Marc Marquez nicht verkneifen konnte. "Ich habe keine Zweifel, dass Jorge [Martin] und Marco nächstes Jahr um die Weltmeisterschaft kämpfen werden", kommentierte er selbstbewusst und hielt fest: "Das ist unser Ziel, das muss unser Ziel sein. Wir sind nicht mehr zufrieden damit, ein oder zwei Rennen pro Jahr zu gewinnen. Wir haben alles, um gewinnen zu können. Wir haben die Fahrer, wir werden Jorge zurückbekommen. Wir brauchen einfach eine richtige, eine gute Saisonvorbereitung. Ich denke wirklich, dass Aprilia nächstes Jahr sehr stark sein kann. Wir wissen natürlich nicht, wie die anderen arbeiten. Aber mit Blick auf unsere Arbeit bin ich mir sicher, dass wir nächstes Jahr Teil des Spiels sein werden."
Was meint ihr: Kann Aprilia 2026 wirklich um den ganz großen Wurf kämpfen und Ducati enttrohnen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



diese MotoGP Nachricht