Der Test in Valencia war für Francesco Bagnaia vermutlich so richtungsweisend wie noch nie zuvor in seiner MotoGP-Karriere. Das Krisenjahr 2025 auf der für ihn so problematischen Desmosedici GP25 hatte in den letzten Rennen derartige Auswüchse angenommen, dass er dringend die Hoffnung auf eine Trendwende benötigte. Diese wurde am Dienstag nach dem Saisonfinale offenbar gefunden.

Francesco Bagnaia und Davide Tardozzi erleichtert: Zurück auf dem richtigen Weg!

"Ich bin glücklich, dass es gut gelaufen ist. Wir haben den Tag gleich mit dem 26er-Paket begonnen und es hat gut funktioniert. Uns ist den gesamten Tag über gute Arbeit gelungen. Das Gefühl des Anbremsens beim Einlenken war viel besser. Jetzt werden wir alles überprüfen und analysieren, damit wir verstehen können, wie wir dieses Gefühl konstant erreichen können", berichtete der Ducati-Star erleichtert vom ersten Prototyp der GP26.

Gigi Dall'Igna scheint Bagnaias Probleme langsam in den Griff zu bekommen, Foto: MotoGP Press
Gigi Dall'Igna scheint Bagnaias Probleme langsam in den Griff zu bekommen, Foto: MotoGP Press

Anbremsen und Einlenken galten bis 2025 als die Stärken des Italieners. Die anderen Ducati-Piloten rätselten stets, wie 'Pecco' das machte. Mit der abgelaufenen Saison begann aber eine Achterbahnfahrt, deren Tendenz stets nach unten ging. Ab und zu - wie beim überragenden Sieg in Motegi - fand Bagnaia das Vertrauen in die Front seiner Maschine, insgesamt wurde es aber immer schlimmer. Der zweifache Weltmeister der Königsklasse fiel fast nurmehr durch Stürze auf und rutschte sogar noch auf den fünften Gesamtrang der Fahrer-WM ab.

Mit dem neuen Motorrad soll nun also die Kehrtwende eingeläutet worden sein. "Ich glaube, dass Pecco seinen Weg zurückgefunden hat. Er war konstant da. Wir sind damit zufrieden", gab sich auch Team-Manager Davide Tardozzi im Interview mit Boxenreporter Jack Appleyard optimistisch. "Es war ein hartes Jahr, aber wir waren zuversichtlich, dass wir im Test etwas finden werden. Das haben wir geschafft. Er ist bei den anderen Ducatis und den Top-Leuten dabei", sah er die Arbeit der Ingenieure bestätigt.

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Neue Ducati-Aero braucht andere Teststrecke: Valencia zu langsam

Viele der Neuerungen seien laut Bagnaia im Inneren der Maschine und daher nicht sichtbar. Das am besten ersichtliche neue Bauteil ist aber genau jenes, welches noch besser evaluiert werden muss. "Ich bin sehr zufrieden mit den Dingen, die wir ausprobiert haben. Die neue Verkleidung sieht gut aus. Aber wir werden damit noch mehr Runden drehen müssen, denn diese Strecke ist nicht sehr gut geeignet, um Aerodynamik zu testen. Wir werden das also nochmal in der Zukunft austesten. Sie ist eng und hat nicht viele schnelle Kurven. Das können wir in Malaysia besser testen. Mit dem Rest bin ich aber zufrieden", gab Bagnaia an.

Die neue Ducati-Verkleidung am Motorrad von Alex Marquez, Foto: Tobias Linke
Die neue Ducati-Verkleidung am Motorrad von Alex Marquez, Foto: Tobias Linke

Auch Fabio Di Giannantonio und Alex Marquez fuhren die neue Verkleidung. Sie bestätigten Bagnaia darin, dass ein Urteil über die neue Aerodynamik erst nach weiteren Tests gefällt werden kann. Der Sepang International Circuit wird mit seinen schnellen Kurven dafür deutlich besser geeignet sein.

Einziger Sturz des MotoGP-Tests kein Problem: 'Fantastische Zeit' möglich?

Am Ende blieb die Stimmung aber trotzdem positiv. Auch der einzige Sturz des gesamten Testtages änderte daran nichts. "Das war nichts Wildes. Ich pushte für einen Angriff auf eine gute Rundenzeit, habe es aber in Kurve 2 ein bisschen übertrieben und ging weit", winkte 'Pecco' ab, dass der Vorfall etwas mit seinen alten Problemen zu tun gehabt hätte. "Ich denke dieser Sturz ist passiert, weil er sehr viel Vertrauen in sein Bike hatte, in diesem Fall zu viel", interpretierte es Tardozzi sogar positiv, dass sich sein Schützling nun endlich wieder etwas zutraue.

Wo Bagnaia ohne seinen Fehler am Ende in der Zeitentabelle gelandet wäre, verbleibt natürlich Spekulation. So blieb es bei Rang zehn. Bemerkenswert aber ist, dass sich der Italiener sogar ein bisschen aus dem Fenster lehnt: "Vielleicht wäre sich mit diesem Angriff eine fantastische Zeit ausgegangen, aber die Chance gab es wegen des Sturzes nicht mehr." Von einer 'fantastischen Zeit' war in den letzten Wochen der Saison nie die Rede. Vielmehr musste sich 'Pecco' stets eingestehen, seine Erwartungshaltung immer weiter heruntergeschraubt zu haben. Jetzt scheint da endlich wieder Vorfreude auf die nächste Ausfahrt vorzuherrschen. "Sehr, ja!", antwortet der Turiner kurz und entschieden darauf, wie wichtig ihm der Sepang-Test im Februar ist.

Während Bagnaia wieder zurück in die Spur will, muss Rookie Diogo Moreira erstmal in der Königsklasse ankommen. Die erste MotoGP-Fahrt war für den Brasilianer ein denkwürdiges Erlebnis: