Ducati erlebte in Thailand einen enttäuschenden MotoGP-Saisonauftakt. Fabio Di Giannantonio war im Rennen als Sechster bester Mann auf einer Desmosedici. So schwach war Ducati zuletzt beim Europa-Grand-Prix in Valencia 2020. Einzig Marc Marquez hatte aus dem Ducati-Lager in Buriram etwas mit den Spitzenpositionen zu tun. Im Sprint musste er sich Pedro Acosta knapp geschlagen geben, im Grand Prix schied er mit Podiumschancen nach einem Felgenschaden aus.

Marc Marquez' Ducati-Kollegen abgeschlagen

Die restlichen Ducatisti waren in Buriram aber machtlos. Di Gianntonio, Francesco Bagnaia, Franco Morbidelli, Alex Marquez und Ersatzmann Michele Pirro holte zusammen gerade einmal 28 Punkte - und damit vier Zähler weniger als WM-Leader Pedro Acosta auf KTM alleine. Vor zwei Jahren hatte Ducati in Thailand die Konkurrenz noch in Grund und Boden gefahren, feierte im Sprint einen sensationellen Achtfachsieg. Wie konnte es dazu kommen, dass Marc Marquez nun als einsame Speerspitze auftritt. Unser Experte Tom Lüthi liefert im Interwetten MotoGP-Magazin eine Erklärung: "Es sieht so aus, als würde die Entwicklung bei Ducati klar in Richtung Marc Marquez gehen. Das ist ja auch logisch." Die gesamte zweite Folge unseres Interwetten MotoGP-Magazins kannst du hier ansehen:

Ducati kassiert MotoGP-Schlappe - Lüthi: Nur Marquez kam klar! (26:00 Min.)

Nach seiner Ankunft im Werksteam 2025 wurde Marquez schnell zum dominanten Fahrer, der somit natürlich auch die Marschroute für den Hersteller aus Borgo Panigale vorgibt. "Es könnte passieren, dass Marc das Motorrad in eine Richtung entwickelt, mit der die anderen Fahrer gar nicht mehr klarkommen. Das ist dann natürlich für den Hersteller alles andere als optimal", analysiert Lüthi. Marquez gestand in der Vergangenheit bereits, in seiner Honda-Ära auch psychologische Kriegsführung betrieben zu haben, wenn es um die Weiterentwicklung des Motorrads ging. Neue Teile, die ihm keinen Vorteil brachten, habe er demnach dennoch für sich beansprucht - weil er wusste, dass sie Teamkollege Dani Pedrosa helfen würden.

Tom Lüthi: Marc Marquez schaut in erster Linie auf sich

Derartige Tricks vermutet Lüthi aktuell allerdings nicht: "Marc schaut in erster Linie, dass er das für sich beste Paket zur Verfügung hat. Auch er muss sich zunächst einmal auf sich selbst konzentrieren. Bewusst in eine Richtung zu entwickeln, nur um damit den internen Rivalen zu schaden, würde selbst für ihn zu weit gehen."

Alphatier Marc Marquez - Tom Lüthi: Bagnaia musste weg! (28:42 Min.)

Viel eher führt Lüthi Marc Marquez' spezielle Entwicklungsrichtung auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten des amtierenden Weltmeisters zurück. Lüthi weiß, wovon er spricht: 2018 waren er und Marquez Markenkollegen in der MotoGP bei Honda - Marquez im Repsol-Werksteam, Lüthi auf dem Kundenmotorrad von Marc VDS. "Da habe ich das sehr eindrücklich erlebt", erinnert sich Lüthi. "Innerhalb der Honda-Fahrer konnten wir alle Daten einsehen. Da versucht man natürlich, den schnellsten Fahrer zu kopieren und das war ganz klar Marc Marquez. Ihn zu kopieren, war aber unmöglich. Damals konnte er sich beispielsweise mit dem Einsatz der Hinterradbremse einen großen Vorteil erarbeiten. Das hat sonst niemand so hinbekommen."

2018 fuhr Tom Lüthi - wie Marc Marquez - die Honda RC213V, Foto: Ronny Lekl
2018 fuhr Tom Lüthi - wie Marc Marquez - die Honda RC213V, Foto: Ronny Lekl

Während Ducati also droht, zur Einmann-Show zu werden, überzeugte Aprilia in Buriram durch mannschaftliche Geschlossenheit. Im Grand Prix landeten mit Marco Bezzecchi (1.), Raul Fernandez (3.), Jorge Martin (4.) und Ai Ogura (5.) alle vier Fahrer in den Top-Fünf. "Aprilia konnte das Wochenende mit dem Paket, dass sie sich in den Testfahrten erarbeitet haben, voll durchziehen. Ducati musste aber noch weiterarbeiten. Dadurch hatten sie in einigen Situationen einen Nachteil", weiß Lüthi.

Ducati ratlos: Motorrad plötzlich ganz anders

Bei Ducati herrschte nach dem Rennwochenende auch gehörige Verwirrung. "Es ist seltsam. Dieses Wochenende haben wir ein komplett anderes Motorrad vorgefunden als noch am letzten beim Test. Wir verstehen es immer noch nicht", berichtete Team-Manager Davide Tardozzi. Für Lüthi gibt es eigentlich nur eine denkbare Erklärung: "Die Temperaturen und die äußeren Bedingungen insgesamt waren sehr ähnlich. Die Grip-Verhältnisse haben sich aber geändert. Am Rennwochenende sind mit Moto2 und Moto3 zwei weitere Klassen auf der Strecke, die dort Gummiabrieb von Pirelli zurücklassen. Das scheint Aprilia geholfen zu haben, Ducati eher nicht."

Wenn du wissen möchtest, wie unser MotoGP-Experte die Kollision zwischen Marc Marquez und Pedro Acosta im Sprint gesehen hat, kannst du seine Analyse hier nachlesen: