Joan Mir scheint sich langsam zum 'Charlie Brown' der MotoGP zu entwickeln. Der Ex-Champion war beim Auftakt-Wochenende in Buriram überraschend stark unterwegs, doch endete sein Rennen mit einem Reifendefekt. Seine Markenkollegen konnten hingegen nicht überzeugen. Da stellt sich die Frage: Wo steht denn Honda eigentlich zum Beginn der Saison 2026?
Pechvogel Joan Mir mit nächstem Ausfall: Hinterreifen versagt
"Ich habe das gesamte Rennen, alle 22 Runden, genossen. Bis ich ein Problem mit einem 'externen Lieferanten' hatte", berichtete Mir nach seinem Ausfall. Es ist klar, wen er damit meinte. Die Fahrer haben nach Jahren heftigster Kritik die Order, Reifenhersteller Michelin nicht mehr direkt anzugehen. So musste der Spanier dies in seinen Aussagen umschiffen.
"Wir müssen genau überprüfen, was passiert ist, denn es war sehr seltsam. Normalerweise spürt man einen gewissen Abbau, aber in diesem Fall musste ich aufgeben", rätselte Mir über das Versagen seines Hinterreifens. So etwas hatte er noch nicht erlebt: "Ich konnte nicht einmal auf dem Motorrad bleiben, weil es zu gefährlich war. Sogar die Elektronik des Motorrads funktionierte bei diesem starken Durchdrehen nicht mehr richtig, sodass das Motorrad stehen blieb." Nachdem er zu Beginn seiner Honda-Zeit für zahlreiche Ausfälle durch Stürze selbst verantwortlich war, so scheint er langsam das Pech anzuziehen. Bereits 2025 gab es einige unverschuldete Nullnummern zu beklagen.
Thailand keine Honda-Strecke, dennoch Kampf um Top Fünf
Mir war zwar enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört. Das lag an der gezeigten Leistung. Vor seinem Ausfall hatte er alle teaminternen Erwartungen übertroffen: "Es war eigentlich ein großartiges Wochenende für uns, wirklich solide. Ich hatte zuvor schon gesagt, dass unser Potential auf dieser Strecke nicht so groß ist wie beispielsweise beim Test in Sepang. Trotzdem waren wir sehr nah dran, ein gutes Wochenende zu beenden und viele Punkte einzufahren. Wir kämpften um die Top-Fünf. Das war mehr, als wir uns wünschen konnten."

Dabei hielt er nicht nur rundenlang mit der Ducati von Fabio Di Giannantonio mit. Er war sogar schneller und konnte den Italiener letztlich überholen. Es sah nach einem Duell mit dem von hinten heranstürmenden Ai Ogura auf der Aprilia um Rang fünf aus, dem dann aber der Reifenschaden zuvorkam. Eventuell wäre sogar noch der am Ende Viertplatzierte Jorge Martin in Reichweite gekommen.
Honda hatte sich nach den Tests in Sepang sogar Siege erhofft, aber eben nicht auf dem Buriram International Circuit. "Auf einer Strecke wie dieser, auf der wir sehr zu kämpfen hatten, war ein Platz unter den ersten Fünf oder sogar Jorge [Martin] für einen Platz unter den ersten Vier einzuholen, mehr als wir uns vorstellen konnten", betonte Mir erneut, die Pace beim Auftakt als Erfolg zu werten. Doch ist die neue RC213V wirklich der erwartete Fortschritt oder zeigte der Spanier einfach nur eine sehr starke - aber leider unbelohnte - fahrerische Leistung?
Luca Marini und Johann Zarco kämpfen um Zielankunft
Das ist die Frage, denn die anderen Honda-Piloten lagen das gesamte Wochenende ein gutes Stück hinter Mir zurück. Für Rookie Diogo Moreira ist der Vergleich mit dem Weltmeister von 2020 allerdings ohnehin nicht der Maßstab. Der Brasilianer muss erst Erfahrung in der Königsklasse sammeln. Diese haben aber Luca Marini und Johann Zarco zuhauf.

Beide hatten im Glutofen von Buriram mit den Gummis zu kämpfen, doch kamen sie damit wenigstens über die Renndistanz. Dafür mussten sie aber gewaltig aufpassen. "Ich habe von Anfang an versucht, die Situation zu meistern, und angesichts des enormen Reifenverschleiß mein Bestes gegeben. Ich habe es geschafft, das Rennen zu beenden. Wenn ich noch mehr gepusht hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht ins Ziel gekommen", konstatierte Zarco nach Platz elf.
Ins selbe Horn blies auch der Zehntplatzierte Marini: "Ich denke, das Rennen war für alle hart. Nicht so sehr wegen der Temperatur und der körperlichen Belastung, denn dafür trainieren wir ja, sondern weil man wirklich alles am Motorrad richtig hinbekommen musste, um ins Ziel zu kommen." Außerdem gab es auch am zweiten Bike des Werksteams ein Problem: "Nach vier Runden konnten wir nicht mehr so bremsen, wie wir wollten, was das Rennen sehr lang machte, da das normalerweise unsere größte Stärke ist."
Hondas MotoGP-Saisonstart 2026 besser als die Ergebnisse aussehen?
Vom Bremsproblem abgesehen ist der Italiener der Meinung, dass sich seine Chancen auf ein besseres Resultat am Samstagmorgen und in einer schwächeren Startphase - er verlor drei Positionen - in Luft auflösten: "Alle Fahrer vom fünften bis zum 14. Platz haben ein sehr ähnliches Tempo, sodass man viel aufholen muss, wenn man im Qualifying oder zu Beginn des Rennens verliert." Teamkollege Mir gelang dies deutlich besser. Er hing bis zu seinem Manöver 'nur' hinter einem Konkurrenten fest. Marini hingegen hatte immer noch einen ganzen Zug aus Binder, Morbidelli und Bagnaia vor sich, nachdem er bereits einige andere Piloten kassieren konnte.

Das Potential der Honda liegt nach dieser Logik also eher beim vielversprechenden Auftritt des Spaniers und nicht im Stau der Mittelfeldgruppe. Deswegen zieht Marini auch ein überraschend positives Fazit: "Es war ein guter Start ins Jahr, wir haben viel gelernt und wissen, was wir als Nächstes tun müssen." Dabei findet er Zustimmung von Zarco: "Ich glaube an die Arbeit, die wir leisten. Das Motorrad läuft gut, wir haben eine gute Basis und müssen nur noch ein paar Kleinigkeiten anpassen." Die Honda-Piloten sind also weiterhin davon überzeugt, ein gutes Paket zu haben. Nur sollten daraus in den nächsten Rennen eben auch die entsprechenden Resultate herausgeholt werden. Dazu war in Thailand nur Joan Mir in der Lage, ehe ihn das Pech wieder einmal verfolgte.
Ebenfalls deutlich unter ihren Möglichkeiten blieben zum Auftakt die Dominatoren von Ducati. Unser Experte Tom Lüthi hat in der neuen Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins die Lage bei den Roten analysiert:



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