George Russell hatte in dieser Woche nicht viel Zeit, seinen Formel-1-Tiefpunkt in Monaco zu verdauen. Nach dem Katastrophen-Sonntag und dem Rückschlag im WM-Kampf, gibt sich der Mercedes-Fahrer trotzdem schon wieder ganz abgeklärt. Der Weltmeistertitel ist für den Moment in weite Ferne gerückt, der Druck damit vollständig von ihm abgefallen. Toto Wolff und Team stärken ihm den Rücken. Der Rest ist keine Zauberei.

"Manchmal muss man einfach an sich glauben. Für mich ist der Kampf ein Kampf gegen mich selbst", erklärt George Russell, dass die Rückkehr zur alten Form seiner Ansicht nach reine Kopfsache ist. An den vergangenen beiden Rennwochenenden verlor er 48 Punkte auf Kimi Antonelli. In Kanada war er allerdings noch in Führung liegend durch einen Defekt ausgefallen. Vor wenigen Tagen in Monaco war er dem Teamkollegen fahrerisch weit unterlegen, was ihn das gesamte Wochenende über ratlos machte. Das Horror-Rennen samt Nullnummer tat sein Übriges, um die Gerüchte über seine Position im Team in Fahrt zu bringen.

"Ich habe eine wirklich tolle Gruppe von Leuten um mich herum, denen ich vertraue und die mich unterstützen. Toto hat mich in dieser Zeit außerordentlich unterstützt, und ich glaube, unsere Beziehung war noch nie so eng, um ehrlich zu sein", bekräftigt Russell, dass es keineswegs eine Pro-Antonelli-Stimmung beim Mercedes-Boss gibt und er nach wie vor das volle Vertrauen in sein Team hat. Darüber hinaus hat er längst seinen eigenen Umgang mit Rückschlägen: "Ich spreche jede Woche mit meinem Sportpsychologen, und das mache ich nun schon seit sechs Jahren, das ist also nichts Neues."

Mercedes-Kräfteverhältnis zwischen Fahrern verfälscht

Das "Was wäre, wenn..." der Saison 2026 hat ihn in den vergangenen Wochen dennoch schwer beschäftigt. Mittlerweile liegt er 68 Punkte hinter Kimi Antonelli. WM-Leader wäre er seiner Rechnung nach wohl auch dann nicht, wenn alles glatt gegangen wäre, aber der Rückstand sei letztendlich durch höhere Gewalt zustandegekommen. "Ich kann nichts dagegen tun, wenn der Motor kaputtgeht, ich kann nichts gegen ein ungünstiges Timing beim Safety Car oder diesen Verstoß in der Boxengasse tun - das liegt außerhalb meiner Kontrolle", stellt er klar.

Fakt ist für ihn, dass sein Rückstand gegenüber Antonelli nicht das reale Kräfteverhältnis zwischen ihm und seinem Mercedes-Teamkollegen widerspiegelt. "Wenn ich in der Meisterschaft aufgrund meiner Leistung 60 Punkte zurückliegen würde, wäre ich in einer wesentlich schlechteren Verfassung als heute", so der 28-Jährige, der dieses Jahr seit dem Saisonstart in Melbourne kein Rennen mehr gewinnen konnte - der Teamkollege hingegen fünf in Serie.

Formel-1-Weltmeistertitel 2026? George Russell jetzt frei von Druck

Nach dem Auftaktsieg noch haushoher Titelfavorit, beschäftigt ihn die Jagd nach der Weltmeisterschaft in der gegenwärtigen Situation gar nicht mehr. "Jetzt habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass der Druck weg ist. Ich werde einfach versuchen, jedes Rennen zu genießen, ohne überhaupt an die Meisterschaft zu denken. Die ist im Moment einfach viel zu weit weg" sagt Russell, der sich ohnehin keinen Erfolg darin verspricht, sich auf den Titel zu versteifen. "Ich will dem Traum nicht hinterherjagen, ich will, dass er einfach so auf mich zukommt, und das wird er auch, wenn ich einfach ein Rennen nach dem anderen angehe."

Ähnlich machte es Lando Norris im Vorjahr, der nach einer tiefen Krise zur Saisonmitte sämtliche Erwartungshaltungen über Bord warf und im letzten Drittel des Jahres seinem McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri so den Rang ablief. Sich jetzt den Kopf über alle möglichen Szenarien zu zerbrechen, würde Russell nur noch mehr daran hindern, seine Leistung abzurufen, wie er es in der Vergangenheit tat. Denn damals war es für ihn ein Selbstläufer: "Ich bin einfach aus dem Bauch heraus gefahren, habe nicht zu viel darüber nachgedacht, und die Ergebnisse kamen von selbst."

George Russells Formel-1-Bestform nur eine Frage des Instinkts

In Monaco thematisierte George Russell verstärkt die Charakteristika des Mercedes F1 W17, die seinem Fahrstil laut eigenen Angaben so gar nicht entgegenkommen und den Antonellis begünstigen. Die Entwicklungsrichtung des Autos in seinem Interesse zu beeinflussen, nannte er dabei als einen möglichen Lösungsansatz. In der Vergangenheit hatte er auf diesen jedoch nie zurückgreifen müssen.

"Was ich beobachtet habe - und das ist bei jedem anders - aber was ich bei mir selbst festgestellt habe, wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, ist, dass sich mein Fahrstil ganz natürlich an das Limit des Autos und der Reifen angepasst hat", so der sechsfache Grand-Prix-Sieger. "Ich habe nicht nach einer Lösung gesucht. Ich habe mich nicht intensiv mit den Daten auseinandergesetzt und so viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, worin das Problem bestand, um mir dann Gedanken darüber zu machen, wie ich es lösen könnte - es hat sich einfach ganz von selbst ergeben."

Den diesjährigen Mercedes mit Gewalt umzukrempeln, erscheint ihm deshalb nicht mehr als vielversprechender Lösungsweg. "Ich möchte wieder an den Punkt zurückkehren, an dem ich unbewusst lerne, mich zu verbessern. Ich jage diesen Antworten nicht hinterher, denn ich weiß, dass ich es kann. Das habe ich meine ganze Karriere lang getan", so Russell, der damit in Barcelona wieder an seine Bestform anknüpfen will: "Nachdem ich darüber nachgedacht habe, gehe ich mit klarem Kopf in dieses Wochenende. Ich werde mich nicht zu sehr von den Daten leiten lassen, sondern mich auf meine Instinkte verlassen."

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