Laut den noch unveröffentlichten ADUO-Analysen der FIA hat Red Bull den besten Formel-1-Motor im Feld. Das sickerte vor dem Wochenende in Barcelona durch. Das würde es den anderen vier Herstellern erlauben, bei ihren Antrieben nachzubessern. Im Bullen-Team ist man aber ganz anderer Meinung und forderte neue Untersuchungen, weshalb die Beurteilung noch dauert. Die Red-Bull-Fahrer waren mehr als verwirrt, als sie von der angeblichen Stärke ihrer Power Unit erfuhren.

"Ich habe erst einmal gecheckt, ob wir die ersten sechs Rennen gewonnen haben. Haben wir nicht", scherzte Isack Hadjar. "Es ist ein provisorisches Statement. Noch ist nichts offiziell. Es braucht noch etwas, bis es zur finalen Entscheidung kommt. Wir werden sehen, was sie sagen. Kein weiterer Kommentar", beendete der Franzose die Diskussion bei seinem Pressetermin recht schnell. Sein Teamkollege war schon gesprächiger.

"Wir waren sehr überrascht, als wir davon erfuhren", erzählte Max Verstappen. Die Teams wussten bereits seit Monaco von den Ergebnissen der ersten Beobachtungsperiode, die die ersten fünf Rennen umfasste. "Es fühlt sich nicht so an, als wären wir die Besten", so der Niederländer, der 2026 den schlechtesten Saisonstart seit seinem Rookie-Jahr 2015 hatte. Bisher kam Verstappen nur einmal aufs Podium und steht mit 43 Punkten auf Rang sieben in der WM-Wertung.

Bester Motor? Red Bull sauer auf FIA! Monaco-Strafen falsch? (09:47 Min.)

Motor-Einstufung als Kompliment? Verstappen: "Auf eine Art sind wir stolz"

Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Beurteilung der FIA lediglich auf den Verbrennungsmotor bezieht. Sachen wie Batterie, Kühlbedarf oder Einbaugröße werden außen vor gelassen. Nachbesserungen dürfen aber an allen Teilen des Motors, also auch an MGU-K und Elektro-Antrieb, gemacht werden.

Red Bull kritisierte vor allem die Intransparenz der Einschätzung. "Darüber sprechen wir gerade mit der FIA. Um zu sehen, wie sie zu diesem Ergebnis kommen. Das schauen sie sich an", erklärte Verstappen. Zu einer Stellungnahme, ob der ganze Prozess neu gedacht werden muss, ließ er sich nicht drängen: "Ich bin da nicht Tag für Tag involviert. Es ist besser, wenn du jemanden anderen fragst, ob die Messungen akkurat sind oder nicht."

Bei Red Bull bemüht man sich, die Einschätzung als Kompliment zu sehen, auch wenn es ihnen mehr Nachteile als Vorteile bringt. Schließlich ist im ersten Jahr als Hersteller gleich den besten Motor zu bauen, eine unglaubliche Leistung. "Es ist ein zweischneidiges Schwert", beschrieb es der vierfache Weltmeister. "Von außen ist es unglaublich, was wir geschafft haben. Wir haben mit Sicherheit nicht den schlechtesten Motor von allen. Auf eine Art sind wir sehr stolz."

Reglementänderung ab 2027: Wie steht Verstappen dazu?

Das gesamte Motorenthema wird um eine Schippe komplizierter und bitterer für Red Bull, wenn man 2027 betrachtet. Am Mittwochabend vor Barcelona entschieden sich alle Beteiligten, dass man die Formel für 2027 und 2028 anpassen würde. Der Benzinfluss wird schrittweise erhöht, wodurch die Verbrenner-Leistung steigt. Gleichzeitig wird der Elektro-Anteil verringert. Sollte sich die ADUO-Beurteilung nicht verändern, dürften alle Hersteller 2026 und 2027 jeweils ein Motor-Update bringen – bis auf Red Bull.

Das ist aber genau das, was sich Verstappen so lange wünschte. Zumindest teilweise. Der Niederländer ist der lauteste Kritiker des neuen Reglements und machte seinen Verbleib in der Formel 1 von dessen Änderung abhängig. Nun kommt diese Änderung, jedoch ein Jahr später, als Verstappen es gerne gehabt hätte. Erst 2028 wird die Verteilung von Verbrenner und E-Motor 60:40 betragen. Reicht ihm das, um der Königsklasse des Motorsports erhalten zu bleiben?

"Es ist schön, dass es Anpassungen gibt", meinte der Red-Bull-Pilot diplomatisch. "Natürlich hätte ich gehofft, dass es [die 60:40-Verteilung] schon nächstes Jahr kommt. Aber ich verstehe auch, dass da manchmal Politik im Spiel ist. Wenigstens gehen die Veränderungen in die richtige Richtung. Das ist gut."

Meeting mit Red-Bull-Chefs heizt Gerüchteküche um Verstappen an

Am Mittwoch nach seinem Ausfall beim Monaco GP kursierten Videos und Bilder von Verstappen, die die Gerüchteküche anheizten. Zu sehen ist der F1-Fahrer mit seinem Manager Raymond Vermeulen, der ein Treffen mit Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Mark Mateschitz im Hauptquartier des Unternehmens, dem Hangar-7, verlässt. Berichten zufolge soll auch Mehrheitsgesellschafter Chalerm Yoovidhya anwesend gewesen sein. Aufzeichnungen von Verstappens Privatjet bestätigen, dass er in Salzburg war.

Eine offizielle Bestätigung des Treffens gab es nicht, daher ist auch nicht bekannt, worum es ging. Spekuliert wird, dass Verstappen Zusicherungen für das Red-Bull-Projekt bekam und dadurch auf die Aktivierung seiner Ausstiegsklausel verzichtet. Angeblich soll es in Verstappens Vertrag verankert sein, dass er vor dem Ablauf des Kontrakts aussteigen kann, sollte er zur Sommerpause nicht in den Top-3 der WM-Wertung liegen. Aber hier bewegen wir uns auf sehr unsicherem Boden.

Als er in Barcelona auf das Treffen und die Spekulationen angesprochen wird, lautet Verstappens knappe Antwort: "Wenn es irgendetwas Neues gibt, das ich tue, werde ich es euch wissen lassen."