DM01 – so heißt der erste von Red Bull Powertrains in Zusammenarbeit mit Ford gebaute Formel 1-Motor. Die Initialen D und M sind eine Hommage an den 2022 verstorbenen Red-Bull-Mitbegründer Dietrich Mateschitz. "Er traf damals diese unglaubliche Entscheidung, uns auf den Weg zur vollständigen Unabhängigkeit zu bringen, sowohl was das Chassis als auch die Antriebseinheit betrifft. Er hatte keine Angst vor der Größe der Herausforderung", betonte Teamchef Laurent Mekies.

Ausgerechnet in der Ära der komplexesten Antriebseinheiten einen Motor in Eigenregie zu bauen, war eigentlich ein Irrsinnsprojekt. "Als ich vor etwa viereinhalb Jahren den Anruf bekam und gefragt wurde, ob ich interessiert wäre, war es nicht nur ein leeres Blatt Papier für einen Motor - es war ein leeres Blatt Papier für ein ganzes Unternehmen. In den letzten dreieinhalb bis vier Jahren haben wir alles von Grund aufgebaut", erzählte Red-Bull-Powertrains-Technikdirektor Ben Hodgkinson einer ausgewählten Gruppe von Medien, darunter auch Motorsport-Magazin.com .

Red Bull zeigt im Rahmen der Saisonpräsentation von Ford in Detroit die Lackierung seines neuen Formel-1-Autos für 2026. So sieht der Bolide von Max Verstappen und Isack Hadjar aus:

Mercedes vs. RB Powertrains: Mount Everest ist machbar

Brisant: Hodgkinson arbeitete vor seinem Wechsel 2022 in der Mercedes-Motorenschmiede in Brixworth. Sein früherer Mercedes-Boss Toto Wolff verglich Red Bulls ambitioniertes Motorenprojekt zuletzt mit dem Erklimmen des Mount Everests. Hodgkinson nahm die kleine Stichelei locker: "Es gab über 14.000 Besteigungen des Mount Everests. Das scheint also eine machbare Aufgabe zu sein." Nichtdestotrotz sei es eine Mammutaufgabe für Red Bull gewesen. "Es wurden drei Fabriken und 700 Leute rekrutiert. Die Veränderungsgeschwindigkeit war absolut verrückt. Zeitweise haben bei uns 20 Leute pro Monat angefangen", verriet der Brite.

Damit hätten sich die Zuständigkeiten und Abläufe praktisch im Monatsrhythmus geändert. Hinzu kam die Aufgabe, eine Power Unit zu entwickeln, deren Leistung zu 50 Prozent aus dem klassischen Verbrenner und 50 Prozent aus einem elektrischen Motor kommt. Der Wegfall der MGU-H erhöht die Komplexität des Motormanagements – aber nicht nur das. Laut Hodgkinson hat die fehlende Motor-Generator-Einheit, die früher direkt mit Turbolader und Verdichter verbunden war, zur Folge, dass die Turbine bei der neuen Motorgeneration kleiner ausfällt.

Motor in den Kurven hörbar lauter

"Das ist relevant, weil die Turbine früher einen Teil der Geräusche aus dem Auspuff herausgefiltert hat", erklärte Hodgkinson. Zur Freude der F1-Fans bedeutet das, dass der Sound insgesamt wieder etwas lauter wird. "Ich fand den Sound zunächst wirklich eigenartig. Insgesamt klingt es wegen der ähnlichen Drehzahlen vertraut, aber es passiert deutlich mehr Motorarbeit", so der Brite. Vor allem in Kurven würde der Motorsound dadurch hörbar lauter. Wie? Wegen eines besonderen Kniffs im neuen Motorenreglement.

"Die gesamte Energie, die wir auf die Strecke bringen, kommt letztlich aus dem Kraftstoff. Praktisch läuft es so, dass wir den ICE (Verbrennungsmotor) in den Kurven gewissermaßen gegen das MGU-K arbeiten lassen. Sobald der Fahrer aus der Kurve herausbeschleunigt, geht das MGU-K von voller Rekuperation auf vollen Boost. Das führt dazu, dass der Motor praktisch durchgehend auf Vollgas läuft. Ich glaube, man wird generell wahrnehmen, dass der Motor dadurch in den Kurven lauter ist. Ich höre da sehr genau hin und kann den Unterschied klar erkennen", so Hodgkinson.

Start wird zur strategischen Herausforderung

Das ist aber nicht das einzig Spannende an den neuen Power Units 2026. Vor allem der Start wird für die Teams in den ersten Rennen zu einer strategischen Herausforderung werden. "Zuletzt war es relativ unkompliziert. Der Turbo war am Start bereits auf Boost und dann ging’s einfach los. Jetzt müssen wir den Turbo erst hochdrehen, und die Strategie ist deutlich anspruchsvoller, weil es begrenzt ist, wie viel Kraftstoff im Auspuff verbrannt werden darf – man wollte keine Flammen riskieren", verriet Hodgkinson.

Als selbst bezeichneter Oldschool-Petrolhead hätte es dem 51-Jährigen gefallen, wenn am Start bei allen 22 Autos Flammen rauskommen und es überall knallt und zischt. "Das wäre brutal, aber dazu wird es nicht kommen. Trotzdem werden alle Teams eigene Strategien entwickeln und es wird vor dem Start ein deutlich sicht- und hörbares 'Aufbauen' der Leistung geben. Das wird großartig."

F1-Motoren 2026 wieder lauter! Dieser Kniff macht's möglich (13:41 Min.)