Red Bull machte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag den Anfang und hielt als erstes Formel-1-Team die Präsentation für 2026 ab. In Detroit gewährten die Bullen der Welt im Rahmen des Ford-Racing-Saisonlaunches erstmals einen Blick auf ihr neues Formel-1-Auto. Beziehungsweise auf die Lackierung ihres neuen Autos. Denn wie schon vorab angekündigt, wurde kein vollständiger neuer Bolide präsentiert. Diesen wird es - zumindest in seiner Beta-Version - erst beim Shakedown in Barcelona zu sehen geben. Und damit auch eine erste Antwort darauf, wie Red Bull die neuen Chassis-Regeln für 2026 interpretiert hat.
Dem Umfeld in der Motor City entsprechend, drehte sich ein bedeutender Teil der zweiteiligen Präsentation um Ford. Red Bull Racing stand beim F1-Part aber trotzdem im Vordergrund. Ford tritt 2026 als offizieller Partner der Bullen erstmals aktiv in Erscheinung, indem die Marke nicht nur ihren Namen mit jenem von Red Bull Powertrains verknüpft, sondern auch mit technischem Know-How die Motorenschmiede unterstützt.
Dies geschieht auch durch effizientere Produktionsmethoden, vor allem im Zusammenhang mit speziellen 3D-Drucktechnologien für Metallkomponenten. Powertrain-Chefingenieur Christian Hetrich betonte auch, dass Ford Verfeinerungen an Simulationstools für Red Bull vornimmt.
Bevor die Formel 1 als letzter Programmpunkt an die Reihe kam, war früher am Abend bereits ein Ausblick auf alle anderen Rennserien gegeben worden, in denen das 'blaue Oval' an den Start geht. Beispielsweise wurde das neue WEC-Auto für 2027 inklusive den ersten drei Fahrern vorgestellt.
Red Bulls Formel-1-Auto glänzt in neuem Blau
Die Formel-1-Vorstellung wurde als Highlight des Abends ganz am Ende der Veranstaltung abgehalten, was für die deutschen F1-Fans bedeutete, dass sie sich bis 4:45 Uhr in der Früh gedulden mussten, ehe der Bolide enthüllt wurde. Was die Lackierung des RB22 angeht, gab es eine doch deutliche Überarbeitung, nachdem in den letzten Jahren an der Farbgebung selten Hand angelegt wurde.
In diesem Jahr wurde dem Auto ein glänzendes Blau verpasst, während im letzten Jahr noch ein matter Ton gewählt worden war. Das Auto leuchtet damit in einem etwas helleren Farbton. Außerdem erhielt es auch noch eine Musterung, welche sich vor allem durch den Glanzeffekt von der restlichen Blaufläche abhebt. Dazu kommen natürlich noch einige Ford-Logos, welche einerseits die Nase und andererseits die Motorabdeckung zieren. Die neue Farbgebung soll sich an die Anfangsjahre von Red Bull anlehnen, so die Erklärung. Gleichzeitig mit dem Auto erhält auch die Teamkleidung ein neues Design. Die Front wurde mit einem helleren Blauton versehen.
Während Red Bull beim Fahrzeugname seinem üblichen Muster treu bleibt, beginnt bei der Benennung des Formel-1-Motors notwendigerweise eine neue Namensordnung. Dabei entschied sich Red Bull für eine Hommage an den Gründer der Energy-Drink-Marke. Denn der erste Motor hört auf den Namen von DM01, also den Initialen des 2022 verstorbenen Dietrich Mateschitz. "Seine Vision ist der Grund, warum wir heute hier stehen mit einem komplett eigenständigen Chassis und Motor."
Bei dem Launch waren nicht nur Teamchef Laurent Mekies und die beiden Fahrer mit von der Partie, sondern auch Ford-CEO Jim Farley und Formel-1-Boss Stefano Domenicali sowie unter anderem auch Red Bulls Technikchef Pierre Wache. Über einen Videoanruf wurde zudem Motorchef Ben Hodgkinson aus Milton Keynes zugeschaltet.
Aber selbstverständlich wohnten auch die Racing-Bull-Fahrer und dessen Teamvertreter dem Launch bei. Was es vom Launch des kleinen Bullenteam zu berichten gibt, erfahrt ihr hier:
Retro-Red-Bull: Max Verstappen gefällt es
Max Verstappen äußerte lobende Worte zum optischen Design seines Dienstwagens. "Ich liebe die neue Lackierung. Der Glanz ist cool, sie hat einen eher retroartigen Look. Die Farbe ist wirklich kräftig und blau, sie gefällt mir sehr gut", so der Vize-Weltmeister. Mit einem verschmitzten Grinsen merkte er nur an, dass es den Mechanikern möglicherweise weniger Freude bereiten könnte: "Ich bin mir nicht sicher, ob die Mechaniker sich darüber freuen werden, wie viel Zeit es kosten wird, ihn sauber zu halten!
Für Isack Hadjar war die Enthüllung des Red Bulls ein besonderer Moment. Dass er tatsächlich im Topteam der Bullen fährt, scheint er erst langsam voll zu realisieren: "Die Dinge fühlen sich jetzt ein bisschen realer an. Ich liebe die neue und gleichzeitig traditionelle Lackierung. und ich kann es nicht erwarten damit zu fahren."
Ford: Sind wieder dort, wo wir hingehören
Für Ford ist nicht zum ersten Mal in der Formel 1 vertreten. Ganz im Gegenteil sogar. Schon ab den 60er-Jahren war Ford als Motorhersteller in der Königsklasse mit dabei, in dieser Funktion sicherte sich die US-Marke auch in Summe 23 WM-Titel (13x Fahrer-WM und 10x Konstrukteurs-WM). Weniger erfolgreich verlief jedoch Fords Formel-1-Einsatz als Werkseinsatz zunächst mit Stewart-GP und ab 2000 mit der damaligen Ford-Marke Jaguar. Jaguar gelangen nur zwei Podien in fünf Saisons, ehe das Team von Red Bull übernommen wurde. Seitdem blieb Ford der Königsklasse fern – also insgesamt 22 Jahre.
"22 Jahre ist zu lang", gab sich am Launch-Tag auch Will Ford überzeugt, der sich umso mehr auf die Rückkehr freute. Der Urenkel des legendären Henry Ford ist als General Manager für Ford Racing aktiv und betonte die Wurzeln des Konzerns im Rennsport, ehe er die Bedeutung für Ford unterstrich: "Als ich die neuen Lackierungen für Oracle Red Bull Racing und Visa Cash App Racing Bulls zum ersten Mal sah, sah ich darin kein Marketinginstrument. Ich sah den Namen meiner Familie wieder auf einer globalen Bühne, auf der wir noch eine Rechnung offen haben. (…) Das blaue Oval ist wieder dort, wo es hingehört."
Red Bull Racing warnt vor zu hohen Erwartungen: Wie gut ist der Motor?
Die Ambitionen von Red Bull sind nach einem ernüchternden Ende der letzten Formel-1-Regelgeneration zwar hoch, allerdings nicht für den unmittelbaren Anfang. Denn im Gegensatz zu den arrivierten Motorherstellern stellen die Bullen in Kooperation mit Ford erstmals ihre eigenen Power Units in Milton Keynes her. Teamchef Laurent Mekies warnte deshalb vor zu hohen Erwartungen. "Es wäre dumm von uns zu glauben, dass wir von Anfang an auf dem Niveau von Ferrari oder Mercedes sein werden", sagte er. Beim Launch fügte er hinzu: "Wir werden einiges an Schwierigkeiten und schlaflose Nächte haben. Aber genau dafür [für diese Herausforderung] sind wir hier."
Der Anspruch von Red Bull Racing wird es dennoch sein, ein konkurrenzfähiges Auto für Verstappen auf die Beine zu stellen, das auch um Siege und Podien mitkämpfen kann. Für die Truppe aus Milton Keynes geht es nach mehreren Jahren voller Umbruch darum, Ruhe in die eigenen Reihen zu bekommen.
Mit Dr. Helmut Marko und Christian Horner verlor das Formel-1-Team der Getränkemarke gleich zwei Baumeister ihres Erfolges im abgelaufenen Jahr. Ex-Teamchef Horner wurde im Juli aufgrund der anhaltend schwachen Resultate entlassen, nachdem seine Rolle schon im Vorjahr infolge einer Chatnachrichten-Affäre ins Wanken geraten war. Der Abschied von Marko wurde im Dezember bekanntgegeben. Er sei laut der Bekanntgabe auf eigenen Wunsch gegangen.
Bereits 2024 hatte die Bullen-Marke ihr Design-Genie Adrian Newey verloren, der sich in Folge der Horner-Affäre in Richtung Silverstone absetzte, wo er inzwischen bei Aston Martin als Teamchef die Fäden zieht. Dazu kam noch eine Reihe weiterer Abgänge in den letzten Jahren zur direkten Konkurrenz, welche die Entwicklung des bis Anfang 2024 tonangebenden Teams gestört hatten.
Laurent Mekies, der im Sommer die Nachfolge von Horner als Teamboss angetreten hat, erntete im vergangenen Jahr bereits viele Lorbeeren für die Arbeitsweise der Mannschaft unter seiner Führung. Gleichzeitig fing sich Red Bull Racing nach einer lange inkonstanten Performance gegen Saisonende auch wieder, wodurch Verstappen 2025 doch noch um den WM-Titel mitkämpfen konnte. Einen Kampf, bei dem er um zwei Punkte gegen Lando Norris unterlag.
Max Verstappen mit neuer Nummer und neuem Teamkollegen
Verstappen bleibt den Bullen auch 2026 erhalten, auch wenn er nicht mehr die Startnummer 1 am Auto hat. Stattdessen geht er im kommenden Jahr erstmals mit der 3 an den Start, die damit seine vorherige Standardnummer 33 ablöst. Der Niederländer bekommt mit Isack Hadjar einen neuen Teamkollegen an die Seite gestellt, nachdem im Vorjahr Liam Lawson und Yuki Tsunoda an ihm gescheitert sind.
Der junge Franzose, der 2025 in seiner Rookie-Saison bei den Racing Bulls in der Formel 1 zu überzeugen wusste, sieht sich einer schwierigen Aufgabe entgegengestellt. Denn die Liste der Verstappen-Teamkollegen, die gescheitert sind, ist lang. Hadjar baut darauf, dass ihm die neue Regelgeneration entgegenkommen könnte. Denn mit komplett neuen Fahrcharakteristiken und Renntaktiken starten sowohl er als auch Verstappen von null.



diese Formel 1 Nachricht