Die große Ford-Racing-Präsentation in Michigan (hier geht es zum Livestream) steht natürlich ganz im Zeichen der neuen Powertrain-Zusammenarbeit mit den Formel-1-Teams Red Bull und Racing Bulls. Bevor die F1-Boliden für die mit Spannung erwartete Saison 2026 ihren großen Auftritt hatten - mitten in der Nacht deutscher Zeit - rückte der US-Hersteller Neuigkeiten zu einem weiteren Prestige-Projekt heraus: der Rückkehr zu den 24 Stunden von Le Mans.
Ford hat vor ziemlich genau einem Jahr angekündigt, ab 2027 in die WEC einzusteigen und damit in die Topklasse von Le Mans zurückzukehren. Jetzt stehen die ersten drei Fahrer für die beiden LMDh-Prototypen des 'Blue Oval' fest: Der frühere Le-Mans-Sieger Mike Rockenfeller, Ex-Formel-1-Pilot Logan Sargeant und Rennfahrer-Sohn Seb Priaulx werden in die Cockpits steigen. Damit ist die Hälfte von Fords Fahrer-Aufgebot für die Langstrecken-WM komplett.

Mike Rockenfeller mit Ford zurück bei 24h Le Mans
Rockenfeller erhält damit die Möglichkeit, nach seinem zweiten Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans zu greifen. Der 42-Jährige gewann den Klassiker bereits 2010 auf einem Audi R15. 'Rocky' stand seit 2004 elfmal in Le Mans am Start, zuletzt 2023 mit einem Chevrolet Camaro aus der NASCAR-Serie, der außerhalb der Wertung fuhr und die Zuschauer begeisterte. Vor 14 Jahren, anno 2012 mit dem Audi R18, kämpfte Rockenfeller zuletzt um den Gesamtsieg und belegte den dritten Platz.
Rockenfeller wechselte 2024 nach seinem Abschied von Audi zu Ford und ging seitdem mit dem Ford Mustang GT3 in der IMSA-Meisterschaft an den Start. Der gebürtige Neuwieder blickt auf eine immense Erfahrung in Prototypen zurück. "Rocky ist ein Veteran, der alles gesehen und alles gewonnen hat", beschrieb Fords Hypercar-Programmmanager Dan Sayers den früheren DTM-Champion.

Ex-Formel-1-Fahrer Sargeant mit Ford in die WEC
Rockenfeller und der 24-jährige Priaulx, Sohn der britischen Tourenwagen-Ikone Andy Priaulx, werden zur Vorbereitung auf die WEC in diesem Jahr in der European Le Mans Series antreten und sich einen LMP2-Boliden teilen. Dafür startet 'Rocky' dieses Jahr nur noch bei den langen IMSA-Rennen im GT3-Mustang. Priaulx Junior zählt nach Erfolgen in Porsche-Rennwagen seit 2025 zum Ford-Werkskader und verfügt über kaum Erfahrung in Prototypen.
Mit dem US-Amerikaner Sargeant hat sich Ford zudem einen ehemaligen Formel-1-Piloten als Neuzugang gesichert. Der 25-Jährige fuhr ab 2023 in 36 Grands Prix für Williams, bevor er 2024 in der laufenden Saison durch Franco Colapinto ersetzt wurde. Sargeant kehrte letztes Jahr nach einer kurzen Auszeit in den Rennsport zurück und ging bei zwei IMSA-Rennen in der LMP2-Klasse an den Start. Nächste Woche sammelt er weitere Erfahrung bei den 24 Stunden von Daytona (zur Starterliste). Sargeant gibt schon dieses Jahr sein Debüt in der WEC und steuert einen Ford Mustang GT3 Evo von Proton Competition.

Ford enthüllt Motor für Le-Mans-Prototypen
Ähnlich wichtig wie die Fahrer: die Wahl des Motors für die beiden LMDh-Boliden, die auf einem Einheitschassis von Oreca basieren. Auch hier hat Ford News im Gepäck: Die Amerikaner greifen auf einen selbstentwickelten V8-Saugmotor mit 5,4 Litern Hubraum zurück - das sogenannte 'Coyote'-Aggregat, das unter anderem im Ford Mustang GT3 werkelt und für den Einsatz im Prototypen angepasst wird.
"Wenn du einen Motor in deinem Arsenal hast, der so ikonisch ist, dann schaust du dich nicht nach Alternativen um", hätte es der frühere Red-Bull-Motorenmann Sayers kaum amerikanischer beschreiben können. "Zum ersten Mal in unserer Geschichte wird dieser Motor für den Rennbetrieb komplett im eigenen Hause entwickelt. Unser Team in Dearborn arbeitet Hand in Hand mit Red Bull Ford Powertrains, um Hochvolt-Technologie mit roher Power aus Detroit zu vereinen."
Ford: "Wir sind Amerikas Rennteam - und bereit, die Welt herauszufordern"
Dazu sei angemerkt: Nur der reine Verbrennungsmotor stammt von Ford, das einheitliche Hybridsystem liefert unterdessen Bosch für sämtliche LMDh-Hersteller. Der Automobilgigant setzt beim Le-Mans-Programm größtenteils auf Eigenarbeit: Ein komplett neuaufgestelltes, waschechtes Ford-Werksteam wird die Renneinsätze übernehmen. Ford verzichtet im Gegensatz zu Herstellern wie Porsche (Penske), BMW (WRT) oder Ferrari (AF Corse) auf ein Privatteam mit Werksunterstützung.
"Wir haben den Motor. Wir haben die Fahrer. Wir haben die Vision", sagte Sayers. "Beim Season Launch 2026 den Vorhang zu lüften, ist ein Meilenstein - aber die Arbeit ist noch lange nicht vorbei. Wir bauen mehr als nur ein Auto; wir bauen ein Vermächtnis. Wir erobern uns unseren Platz am Spitzentisch des Langstreckensports zurück. Wir sind Amerikas Rennteam - und wir sind bereit, die Welt herauszufordern."
Was wohl Fords früherer Le-Mans-Intimfeind Ferrari dazu sagen wird, der zuletzt dreimal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewann? Oder der US-Autobauer Cadillac, der die Vereinigten Staaten seit 2023 bei den 24 Stunden von Le Mans vertritt? Fortsetzung folgt, spätestens 2027...



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