Die 60-jährige Geschichte der 24 Stunden von Daytona ist eng verbunden mit Rennfahrern aus Deutschland - und Porsche, dem mit 20 Gesamtsiegen erfolgreichsten Hersteller beim US-Klassiker. Während die Zuffenhausener 2024 und 2025 zwei aufeinanderfolgende Siege mit dem Porsche 963 erzielten und dieses Jahr (24.-25. Januar) den Hattrick anpeilen, liegt der letzte Triumph eines deutschen Rennfahrers eine kleine Ewigkeit zurück.

Mike Rockenfeller, der 2027 mit Ford nach Le Mans zurückkehren wird, schaffte anno 2010 als bislang letzter Deutscher den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen im US-Bundesstaat Florida. Rocky teilte sich damals einen von Action Express Racing eingesetzten Riley-Prototypen, der von einem auf privater Basis entwickelten V8-Triebwerk aus dem Porsche Cayenne angetrieben wurde.

24h Daytona: Alle deutschen Gesamtsieger der Geschichte

JahrFahrerAutoTeamkollegen
1968Rolf Stommelen, Hans Herrmann, Jochen NeerpaschPorsche 907LHVic Elford, Jo Siffert
1978Rolf Stommelen Porsche 935Peter Gregg, Toine Hezemans
1980Rolf Stommelen, Reinhold Joest, Volkert MerlPorsche 935-
1982Rolf Stommelen Porsche 935John Paul Sr., John Paul Jr.
1991"John Winter", Frank JelinskiPorsche 962Hurley Haywood, Henri Pescarolo, Bob Wollek
1995Jürgen Lässig, Marco Werner Kremer K8 Spyder (Porsche)Christophe Bouchut, Giovanni Lavaggi
2003Jörg Bergmeister, Timo BernhardPorsche 911 GT3-RSKevin Buckler, Michael Schrom
2010Mike RockenfellerRiley MkXI-PorscheJoão Barbosa, Terry Borcheller, Ryan Dalziel

Daytona: Alle deutschen Gesamtsieger fuhren mit Porsche-Power

Rockenfeller gelang als elftem Fahrer aus Deutschland ein Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Daytona. Der erste Erfolg ging auf das Konto des 1983 verstorbenen Rolf Stommelen, der mit vier Daytona-Siegen (1968, 1978, 1980, 1982) sogar den zweiten Platz in der ewigen Sieger-Liste belegt, dem diesjährig verstorbenen Hans Herrmann und dem späteren Motorsportchef Jochen Neepasch.

Dazu sei angemerkt: 1968 sprangen auf Anweisung des damaligen Porsche-Rennleiters Huschke von Hanstein die damaligen Werksfahrer Stommelen, Herrmann und Jo Siffert erst in der Schlussphase für nur jeweils fünf Runden in den führenden #54 Porsche 907 der Fahrer Neerpasch und Vic Elford - damit galt das Trio ebenfalls als Sieger.

Bei acht 24-Stunden-Rennen seit 1968 stand mindestens ein Fahrer aus Deutschland ganz oben auf dem Podium - dabei fuhren sie alle einen Porsche oder ein von einem Porsche-Motor angetriebenes Fahrzeug. Kurios: Im Jahr 2003 setzten sich Timo Bernhard und Jörg Bergmeister einmalig auf einem Porsche 911 GT3-RS der GT-Klasse durch, weil die neueingeführten Daytona-Prototypen kaum schneller waren und zusätzlich mit der Technik zu kämpfen hatten.

Timo Bernhard und Jörg Bergmeister gewinnen die 24h Daytona 2003 mit Porsche
Daytona-Sieg für die Geschichtsbücher: Timo Bernhard und Jörg Bergmeister 2003 im GT-Porsche, Foto: Porsche AG

24h Daytona 2026: 14 Fahrer aus Deutschland am Start

Welche Geschichten schreiben die 14 deutschen Rennfahrer wohl dieses Jahr bei der 64. Auflage der 24 Stunden von Daytona? Mit den BMW-Werksfahrern Rene Rast und Marco Wittmann sowie Porsche-Werksfahrer Laurin Heinrich starten drei Deutsche in der gesamtsiegfähigen GTP-Klasse. Rast, der auf zwei Klassensiege in den Jahren 2012 und 2016 zurückblickt, startet im #24 BMW M Hybrid an der Seite von Sheldon van der Linde, Robin Frijns und Dries Vanthoor.

BMW-Markenkollege Wittmann bestreitet die komplette IMSA-Saison an der Seite des Österreichers Philipp Eng (Daytona-Klassensieger 2019), für das 24h-Rennen stoßen Kevin Magnussen und Raffaele Marciello hinzu. Unterdessen ist Laurin Heinrich der einzige Deutsche in einem Porsche-Prototypen. An der Seite des dreimaligen Daytona-Siegers Felipe Nasr und Julien Andlauer gibt er sein IMSA-Debüt im Porsche 963.

24h Daytona: Alle deutschen Klassensieger seit 2000

JahrFahrerAutoKlasseTeamkollegen
2001Christian Menzel, Lucas LuhrPorsche 911 GT3-RSGTMike Fitzgerald, Randy Pobst
2002Timo Bernhard, Jörg BergmeisterPorsche 911 GT3-RSGTKevin Buckler, Michael Schrom
2002Ralf KellenersLola-NissanSRP2Terry Borcheller, Anthony Lazzaro, Bill Rand
2003Timo Bernhard, Jörg BergmeisterPorsche 911 GT3-RSGesamtsieg (GT))Kevin Buckler, Michael Schrom
2005Dominik Farnbacher, Wolf Henzler, Pierre EhretPorsche GT3 CupGTShawn Price
2007Marc BassengPorsche GT3 CupGTCarlos de Quesada, Jean-Francois Dumoulin, Scooter Gabel
2009Jörg BergmeisterPorsche GT3 CupGTAndy Lally, Patrick Long, Justin Marks, R.J. Valentine
2010Mike RockenfellerRiley MkXI-PorscheGesamtsieg (DP)Terry Borcheller, Joao Barbosa, Ryan Dalziel
2011Wolf HenzlerPorsche GT3 CupGTAndy Lally, Spencer Pumpelly, Steven Bertheau, Brendan Gaughan
2012Rene Rast, Richard LietzPorsche GT3 CupGTAndy Lally, John Potter
2015Dominik Farnbacher Dodge Viper GT3-RGTDAl Carter, Ben Keating, Cameron Lawrence, Kuno Wittmer
2016Rene Rast, Marco SeefriedAudi R8 LMS GT3GTDAndy Lally, John Potter
2017Dirk MüllerFord GTGTLMJoey Hand, Sebastien Bourdais
2019Christian EngelhartLamborghini Huracan GT3GTDMirko Bortolotti, Rolf Ineichen, Rik Breukers
2021Maro EngelMercedes-AMG GT3GTDRussell Ward, Philip Ellis, Indy Dontje
2023Maro EngelMercedes-AMG GT3GTD-ProCooper McNeil, Daniel Juncadella, Jules Gounon
2025Christopher MiesFord Mustang GT3GTD-ProDennis Olsen, Frederic Vervisch
2025Marvin Kirchhöfer, Lars KernCorvette Z06 GT3.RGTDOrey Fidani, Matt Bell

Deutsche Top-Fahrer mit sehr guten Chancen auf Klassensiege

Die weiteren Fahrer aus Deutschland können sich zumindest gute Hoffnungen auf einen Klassensieg in Daytona ausrechnen, der ebenfalls mit einer Rolex-Daytona-Uhr vergoldet wird. Zu den heißen Anwärtern in der GTD-Pro-Kategorie zählt Christopher Mies, der 2025 auf einem Ford Mustang GT3 die Klasse gewann. Oder auch sein Ford-Markenkollege Mike Rockenfeller, der letztes Jahr die Pole Position herausfuhr. 2025 erlebten die 24h Daytona neben Mies sogar zwei weitere Klassensieger in Form von Marvin Kirchhöfer und Lars Kern, die auf einer GT3-Corvette die GTD-Kategorie gewannen. Kirchhöfer, eigentlich McLaren-Werksfahrer, steigt dieses Jahr mit einer Werks-Corvette in die GTD-Pro auf.

Der zweifache Daytona-Klassensieger Maro Engel führt ein deutsches Quartett von Mercedes-AMG an, das sich auf drei Teams in der GTD-Pro-Kategorie verteilt: Engel im #75 Mercedes-AMG GT3 von 75 Express, der ehemalige DTM-Champion Maximilian Götz und Fabian Schiller zusammen im #69 GetSpeed-Mercedes sowie Luca Stolz auf der #48 von Winward Racing. Sie treffen unter anderem auf BMW-Werksfahrer Max Hesse (#1 Paul-Miller-BMW), während sein Markenkollege Jens Klingmann mit einem BMW M4 GT3 Evo in der GTD-Klasse an den Start geht.

Der Deutsch-Kanadier Tobi Lütke steht unterdessen vor seinem zweiten Start bei den 24 Stunden von Daytona - und ist als einziger 'Deutscher' in der LMP2-Kategorie eingeschrieben, also der 2. Liga der Prototypen. Fun Fact: Der 1980 in Koblenz geborene und 2002 nach Kanada ausgewanderte Lütke machte als Mitgründer und CEO der Handelsplattform Shopify ein Vermögen und zählt laut Forbes zu den 200 reichsten Menschen der Welt. 2025 bestritt er seine erste volle IMSA-Saison auf einem LMP2.

Österreicher bei den 24 Stunden von Daytona

Neben den 14 Deutschen gehen auch sechs Fahrer aus Österreich beim 24-Stunden-Rennen an den Start. Philipp Eng im #25 BMW-LMDh hatten wir bereits erwähnt, er ist gleichzeitig der einzige Vertreter aus dem Nachbarland in der GTP-Topklasse. In der LMP2-Kategorie tritt Ferdinand Habsburg an und teilt sich einen Prototypen von Era Motorsport unter anderem mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Logan Sargeant.

Das deutsche Team Manthey setzt bei seinem IMSA-Debüt auf Österreich-Power: Ex-DTM-Meister Thomas Preining teilt sich den in der GTD-Pro eingeschriebenen #911 Grello-Porsche mit seinem Landsmann Klaus Bachler, dazu kommen DTM-Champion Ayhancan Güven und Ricardo Feller. Auf dem #912 Schwester-Porsche in der GTD startet der österreichische Langstrecken-Veteran Richard Lietz zusammen mit Ex-DTM-Pilot Morris Schuring, Riccardo Pera und Ryan Hardwick. Lietz, Pera und Hardwick gewannen 2025 die Meisterschaft in der WEC. Sie treffen unter anderem auf Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer.