Der Moto2-Weltmeister ist normalerweise der profilierteste Neuling einer MotoGP-Saison. Das stellt sich 2026 aber etwas anders dar, denn mit Toprak Razgatlioglu gibt ein Fahrer sein Königsklassendebüt, der bereits ein Motorrad-Star ist. Da liegt auf Diogo Moreira eigentlich nicht so viel Aufmerksamkeit. Auch in seinem ersten MotoGP-Rennen sorgte der Brasilianer nicht für große Schlagzeilen. Das spricht sogar für ihn, doch der große Rummel steht nun erst noch bevor.

Im Sprint noch abgehängt: Diogo Moreira lernt im Thailand Grand Prix dazu

"Ich war müde, aber beim Test war es schlimmer. Im Rennen ist es mir gut gegangen, ich hätte auch noch fünf Runden mehr durchgehalten", berichtete der LCR-Pilot von seinem Debüt und seiner offensichtlich guten Fitness. Im Thailand-GP zeigte der Rookie eine durchweg unaufgeregte Leistung, welche mit Punkten für Rang 13 belohnt wurde.

Im Sprint fuhr Moreira noch weitestgehend allein, Foto: LCR Honda
Im Sprint fuhr Moreira noch weitestgehend allein, Foto: LCR Honda

Moreira agierte dabei besonnen und fehlerlos. Er will keine unmöglichen Dinge erzwingen, sondern sich Schritt für Schritt das Rüstzeug für die Königklasse zu eigen machen. "Ich würde sagen, es war ein positives Wochenende und Rennen für uns. Zu Beginn habe ich versucht, dem Feld zu folgen. Das war sehr gut für mich, denn ich habe viel dabei gelernt", berichtet er von seiner Beobachtungsfahrt.

Von den etablierten Fahrern das Rennfahren in der MotoGP zu erlernen, war ihm am Samstag noch schwergefallen: "Der Sprint war sehr schnell. Von der ersten Runde an gaben die Jungs mächtig Gas und das ging so bis zur letzten Runde weiter. Im Rennen war das ein wenig anders. Sie haben ruhiger angefangen, das war gut für mich. So konnte ich viel dazulernen, als ich hinter Johann Zarco hinterherfuhr." Tatsächlich kam er auch im Kurzrennen auf Rang 13 hinter seinem erfahrenen französischen Teamkollegen ins Ziel. Dort hatte er den Anschluss aber schon früh verloren.

Moreira fuhr hinter Teamkollege Zarco, Foto: LCR Honda
Moreira fuhr hinter Teamkollege Zarco, Foto: LCR Honda

Wiederkehrendes Muster in der MotoGP: Diogo Moreira und der Reifenverschleiß

Letztlich blieb er auch im Grand Prix nicht bis zum Schluss am Heck der anderen Honda. Sorgen bereitete dies jedoch keine: "Ich kam dann schon ein wenig in Probleme, denn der Reifen baute ab. Ich denke aber, dass das normal ist. Es war mein erstes Rennen dieser Länge. Da musst du einfach weitermachen, diese Dinge zu erlernen."

Moreira geht durch einen Lernprozess, Foto: LCR Honda
Moreira geht durch einen Lernprozess, Foto: LCR Honda

Auch in der Moto2 überzeugte er zunächst vor allem im Qualifying und brauchte ein wenig, um sich im Reifenmanagement zu verbessern, als im Nachwuchs von Dunlop auf Pirelli gewechselt wurde. Letztlich meisterte Moreira aber auch diesen Aspekt und sicherte sich den Titel in der Saison 2025. Nun muss er sich auf die Michelins einstellen. Diese gelten als sehr eigen, eine Eingewöhnungsphase ist da keineswegs ungewöhnlich.

Keine Verschnaufpause im MotoGP-Trubel: Brasilien GP als Härtetest

Die schwierigste Herausforderung in der Königsklasse nimmt der Rookie aber gar nicht auf, sondern neben der Strecke wahr. "Der große Unterschied ist, dass ich keine Zeit habe, mich auszuruhen. Sobald ich meine Arbeit auf dem Motorrad erledigt habe, starten die Medientermine mit den TV-Interviews und so weiter. Das ist für mich eine große Veränderung", erklärt er uns in genau solch einem Interview.

Diogo Moreira im Paddock mit der LCR-Pressedame
In Brasilien werden die Kameras auf Moreira gerichtet sein, Foto: IMAGO / PRESSE SPORTS

Und diese Termine werden beim kommenden Rennwochenende wohl Überhand nehmen. Dann fährt die MotoGP den ersten Brasilien-GP seit Jahren. Der Lokalmatador wird voll im Fokus stehen, ob er will oder nicht. "Natürlich wird das schön. Alle aus meiner Familie und alle meine Freunde werden an diesem Wochenende da sein", herrscht trotzdem Vorfreude. Doch bei so viel Trubel erneut eine fehlerfreie Leistung hinzulegen, wird nicht einfach werden. Moreira schiebt aber keine Panik. "Wir müssen uns voll auf das Rennwochenende konzentrieren. Ich kenne die Strecke bereits ein wenig. Ich denke, dass uns das sehr gut gelingen kann", kündigt er an.

Im Thailand GP standen aber erstmal die etablierten MotoGP-Stars im Fokus. Im Interwetten MotoGP-Magazin mit unserem Experten Tom Lüthi haben wir den turbulenten Auftakt analysiert:

Ducati kassiert MotoGP-Schlappe - Lüthi: Nur Marquez kam klar! (26:00 Min.)