Die MotoGP begibt sich beim zweiten Saisonrennen 2026 auf ein besonderes Abenteuer. Der Brasilien GP in Goiania ist das erste Rennen im Motorsport-verrückten Land seit 2004. Vor dieser Rückkehr gibt es viele Unbekannte. Zuletzt besorgten heftige Regenfälle sogar noch eine weitere. Motosport-Magazin.com hat am Donnerstag mit den Fahrern gesprochen und widmet sich den wichtigsten Fragen vor dem Debüt der frisch restaurierten Strecke.

Viel Grip oder schmutzig? Streckenzustand nach Überflutung unklar

Kommen wir erstmal zur guten Nachricht: Wenn es nicht wieder stark regnet, so besteht kein Zweifel an der Austragung. Die Arbeiten an der Strecke nach der Überflutung zu Wochenbeginn laufen erfolgreich. "Es ist besser als erwartet. Die haben da Gas gegeben und der Veranstalter hat sehr gute Arbeit geleistet", lobte Luca Marini. Der Italiener war bereits 2025 für eine Werbeveranstaltung vor Ort und sah große Fortschritte seit diesem Besuch, nicht nur aufgrund der Arbeiten nach der Flut.

Bagger bei Arbeiten nach der Überflutung in Goiania
Die Streckenarbeiten erhielten Lob von den Piloten, Foto: Motorsport-Magazin.com

Es kann also gefahren werden, nur stellt der Streckenzustand natürlich eine wichtige Frage dar. Für die Piloten ist es eine Fahrt ins Ungewisse. "Sie arbeiten ja immer noch daran, die Strecke zu säubern. Da weiß ich ehrlicherweise nicht, was ich erwarten soll. Vielleicht ist es auch einfach nur die Farbe und gar nicht so viel Schmutz. Vielleicht hat einfach der neue Asphalt eine andere Farbe. Ich weiß es nicht", rätselt etwa der WM-Dritte Raul Fernandez. Zumindest eines beruhigt ihn: "Das Wichtigste ist mir erstmal, dass die Strecke sehr sicher aussieht."

MotoGP wartet gespannt auf das FP1: Trainingszeiten extra verlängert

Mit seinem Unwissen war Fernandez nicht allein. Zwar gingen die meisten Piloten von einem dreckigen Kurs aus, aber der grundsätzliche Tenor lautete: Erst wenn das erste Training absolviert ist, wissen wir mehr. "FP1 dürfte etwas chaotisch werden", meinte etwa WM-Leader Pedro Acosta.

Da es sich um eine komplett neue Strecke handelt, gibt es am Freitag jeweils 15 Minuten mehr Trainingszeit. Allerdings ist zu erwarten, dass sich auch danach die Grip-Verhältnisse über das Wochenende hinweg noch deutlich ändern werden. Es sei denn natürlich, es kommt das Wetter dazwischen. "Ich hoffe einfach nur, dass es nicht regnet. Das würde für gewaltige Probleme im ersten und im vierten Sektor [wo die Strecke überflutet war, Anm. d. Red.] sorgen", mahnt Francesco Bagnaia. Die Prognosen sehen allerdings im Vergleich zu den Wassermengen der Vortage freundlicher aus.

Überflutungen an der Strecke in Goiania
Erneuter Regen könnte Probleme bereiten, Foto: Motorsport-Magazin.com

MotoGP in Brasilien: Runde kurz und schnell, Rennen lang und hart

Blicken wir dann auf die Grunddaten des Autodromo Internacional Ayrton Senna. Mit einer Länge von nur 3,84 Kilometern wird der Kurs in dieser Hinsicht nur vom Sachsenring (3,67 Kilometer) unterboten. Da es sich allerdings um ein flüssiges Layout mit schnellen Kurven handelt, dürften wir die geringste Rundenzeit im Kalender erleben. Die nationalen Superbikes fahren hier in etwa 1:22er-Zeiten. Für die Königsklasse wird daher mit Zeiten von etwa 1:15 gerechnet. Schneller ist eine Runde nirgends vorbei.

Für den Grand Prix am Sonntag gibt es daher auch eine neue Rekordanzahl an Runden zu absolvieren. "Es ist eine sehr schnelle Strecke, da werden 31 Runden im Rennen sehr hart", meint Lokalmatador Diogo Moreira. Der LCR-Honda-Pilot fährt sein Heimrennen mit einem Helm in Hommage an den Namensgeber der Strecke. "Ayrton Senna ist ein Held für ganz Brasilien", stellte der Rookie heraus.

Der Formel-1-Legende hätte es vermutlich gefallen, wenn die nach ihm benannte Strecke eine Herausforderung darstellt. Pecco Bagnaia sieht in der hohen Rundenzahl genau eine solche: "Ich bevorzuge eine längere Strecke mit weniger Runden als eine kurze mit mehr Umläufen. 31 Rennrunden sind eine Menge. Da hast du im Kopf nicht mehr die Rundenzahl, sondern nur noch das Fahren selbst. Die Zeit auf dem Bike ist dieselbe, aber dennoch ändert das einiges für uns. Es ist nicht langweilig, aber es fühlt sich so an, als würde es länger dauern."

Zwischen Begeisterung und Zweifeln: Bedeutet cooles Layout auch gutes Racing?

Während die Rennlänge also eine schweißtreibende Angelegenheit vermuten lässt, so erzeugt das Layout der Strecke bei den Piloten große Vorfreude. "Die Strecke sieht sehr schön aus. Sehr schnell und sehr cool. Außerdem finde ich auch die Farben um die Strecke sehr schön. Sie haben hier sehr hart daran gearbeitet und ich freue mich, hier zu sein. Ich kann es kaum erwarten, endlich zu fahren", meint etwa Marco Bezzecchi.

Sein Kumpel Bagnaia pflichtete bei: "Ich bin ein paar Mal um die Strecke gelaufen, um die Höhenunterschiede zu sehen. Die Strecke sieht großartig und spaßig aus. Sie ist ziemlich schmal, aber schnell und technisch anspruchsvoll. Ich denke, dass sie mir gefallen wird." Fabio Di Giannantonio fühlte sich an Klassiker erinnert: "Es ist eine reine Rennstrecke. Nicht so viele Geraden und nur Kurven. Es erinnert mich an einige Oldschool-Strecken."

Ob das Racing so gut wie in Thailand wird?, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Ob das Racing so gut wie in Thailand wird?, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Während Fahrspaß also erwartet wird, so sind sich die Piloten beim Thema Überholmanöver uneins. "Die Sektoren 3 und 4 könnte Orte für viele Überholmanöver sein. Ich glaube dieses neue Abenteuer in Brasilien wird spaßig", meinte Pedro Acosta. Bezzecchi stimmte ihm zu, doch gibt es auch Skeptiker. "Für mich ist nur die erste Kurve eine klare Überholchance. Bei den anderen Stellen wird der Asphalt abseits der Ideallinie dreckig sein. Außerdem sind es schnelle Kurven, da wird es schwierig, zu überholen", widersprach Marc Marquez. Luca Marini schätze die Lage ähnlich ein: "Ich glaube, es wird recht schwierig zu überholen. In der letzten Kurve und auf die Gerade hinaus, wenn du einen guten Motor hast, ist es leichter. Auf dem Rest der Strecke wohl schwieriger."

Aprilia wieder Favorit, auch dank härterer MotoGP-Reifen von Michelin?

Bleibt noch die Frage: Wer ist hier Favorit? Nach drei Siegen in Folge sowie zuletzt vier Bikes unter den ersten fünf beim Auftakt muss sich Aprilia diesen Schuh anziehen, obwohl sie das nie wollen. Das Layout spricht laut Raul Fernandez jedenfalls für die RS-GP: "Die Strecke sieht so aus, als würde sie gut für die Aprilia sein. Es gibt hier eine Menge langgezogener Kurven." Damit lehnte sich der Spanier aber von allen am weitesten aus dem Fenster. Der Rest möchte nicht spekulieren, bevor nicht gefahren wurde. "Das ist schwierig zu sagen. Wir haben viele Fragezeichen, was die Haltbarkeit der Reifen und das Gripniveau angeht", meinte dafür stellvertretend etwa Pedro Acosta.

Ein weiterer Punkt pro Aprilia scheint zu sein, dass Michelin hier erneut die besonders hitzebeständigen Reifenkonstruktionen bringt, auf denen die Bikes aus Noale bereits in Buriram glänzten. Konkurrent Ducati hingegen hatte dort seine Probleme. Die Aussagen der Piloten der Dominatoren der letzten Jahre widersprechen sich in dieser Hinsicht aber.

Ducati wegen Reifen oder generell hinten? Bagnaia und Marquez widersprechen sich

"Ducati hat viel daran gearbeitet, was da im letzten Grand Prix mit dem hohen Verschleiß am Hinterreifen passiert ist. Aber diese Strecke hier ist neu. Der Asphalt sieht fantastisch aus. Sicher noch etwas dreckig, aber fantastisch. Vielleicht haben wir also gar keine Probleme mit dem Verschleiß am Hinterreifen", hatte Bagnaia Hoffnung, dass sich die Schwierigkeiten in Luft auflösen würden.

Teamkollege Marc Marquez hingegen sieht in der Diskussion um die Gummis nicht den Kern des Rückstands. "Ducati muss sich auch in anderen Punkten verbessern. Am Ende war für mich der Reifenverschleiß eine Konsequenz daraus, dass wir unser Bike überfahren haben, um mit den Spitzenleuten mitzuhalten", meint der Weltmeister. Nach dieser Logik wäre also Aprilia generell vorn, doch die Nummer 93 ist bekanntermaßen auch der größte Tiefstapler im Feld. Letztlich bleibt also nur eines zu sagen: Es gibt mehr als genug Gründe, das FP1 und den Brasilien Grand Prix mit Spannung zu erwarten.

Wenn ihr den ersten Brasilien GP seit 2004 verfolgen wollt, so haben wir hier alle Informationen für euch: