21 Jahre lang blieb die MotoGP Brasilien fern. 2026 klappte es endlich mit der Rückkehr in das ebenso große wie motorsportverrückte Land. Die Erwartungen an das Rennwochenende in Goiania waren dementsprechend groß: Der WM-Zirkus erwartete eine riesige Party - und die bekam er auch. Die brasilianischen Fans kamen in Scharen, knapp 150.000 pilgerten über das Wochenende hinweg an das Autodromo Internacional Ayrton Senna und sorgten für Karnevalsatmosphäre.
MotoGP in Goiania: Menschen freundlich und begeistert, doch Anlage nicht bereit
Der gesamte MotoGP-Tross wurde in Goiania mit offenen Armen empfangen. Gut gelaunte und freundliche Menschen soweit das Auge reicht - das ist nicht selbstverständlich. Die Hilfsbereitschaft für die ausländischen Gäste war sowohl an- als auch abseits der Strecke groß. Auch die gewaltige Sprachbarriere - englisch spricht hier niemand, mit spanisch kommt man einigermaßen durch - wurde stets irgendwie überwunden.

So weit, so gut. Doch hier enden die erfreulichen Seiten unserer Reise nach Brasilien. Denn die Anlage in Goiania präsentierte sich rund um und am Grand-Prix-Wochenende selbst nicht WM-würdig. Das begann mit laufenden Bauarbeiten bei der Ankunft im Paddock, als noch Beton gegossen, Fassaden gestrichen und Leitungskanäle in Wände und den Boden geflext wurden. Stehendes Wasser sorgte für Probleme, die Abpumparbeiten begannen zu spät und sorgten am Trainingsfreitag für Verzögerungen.
Loch, aufbröckelnder Asphalt und schlechte Kommunikation: Alles untragbar
Richtig dick kam es aber erst an den folgenden Tagen: Am Samstag entstand plötzlich ein großes Sinkloch auf der Start-Ziel-Gerade, das notdürftig mit Beton gefüllt wurde. Der Sprint verzögerte sich, ebenso das Moto3-Qualifying. Das Qualifying der Moto2 musste sogar auf den Sonntag verlegt werden. Wer am Renntag auf Besserung hoffte, wurde enttäuscht. Wieder entstanden Löcher auf der Fahrbahn, dieses Mal löste sich der Asphalt auf der Ideallinie der Kurven elf und zwölf. Die abgebrochenen Steine wurden durch die Kraft der Motorräder zu Projektilen. Viele Fahrer trugen Blessuren davon, Alex Rins befürchtete sogar eine Fraktur an seinem linken Zeigefinger.

Zustände, die für die vermeintliche Königsklasse des Motorradsports einfach nicht tragbar sind. Ebenso wenig wie die Reaktion der MotoGP-Verantwortlichen auf die brechende Asphaltdecke: Um den Belag zu schonen, wurde das Rennen von 31 auf 23 Runden verkürzt. Eine verständliche und richtige Entscheidung, die aber viel zu spät kommuniziert wurde. Erst wenige Minuten vor dem Start erfuhren Fahrer und Teams von der Verkürzung. Ihnen blieb somit keinerlei Zeit zu reagieren und Reifendrücke, Reifenwahl oder Spritmenge anzupassen. "Darüber werden wir noch reden müssen", hielt selbst Aprilia-Racing-CEO nach dem Doppelsieg seiner Marke fest.
Die MotoGP braucht Brasilien, aber nicht so
Viele Versäumnisse müssen sich die lokalen Veranstalter selbst zuschreiben, in dieser konkreten Situation erwiesen ihnen aber auch die mächtigen Herren der MotoGP einen Bärendienst. Und so bleibt nach der erhofften glorreichen Rückkehr nach Brasilien ein fader Beigeschmack. Die Motorrad-Weltmeisterschaft braucht einen Brasilien-GP - das gilt nach dem Wegfall des zuvor einzigen Südamerikarennens im argentinischen Termas de Rio Hondo umso mehr.
Doch auch in großen und wichtigen Märkten müssen grundlegende Rahmenbedingungen für die Austragung eines MotoGP-Wochenendes gegeben sein. Nach dem diesjährigen Grand Prix ist klar, wo angesetzt werden muss. Der Brasilien-GP hat das Zeug zum ganz großen Kino. Die 2026er-Ausgabe war aber eher eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Show.
Was meint ihr? Bekommt Goiania die Probleme in den kommenden Jahren in den Griff? Sagt uns euren Eindruck zum Debüt-Wochenende.



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