Dass wir ihn noch einmal an einem MotoGP-Wochenende begrüßen dürfen, hätten wohl nur die wenigsten erwartet: Jonas Folger gibt in Le Mans nach drei Jahren ein erneutes Comeback als Ersatzpilot. Für den Bayer gilt es beim Heimrennen seiner Mannschaft einen Berg zu erklimmen.

MotoGP-Comeback: Jonas Folger der Ersatzmann des Ersatzmanns

"Erstmal wünsche ich Maverick eine rasche Erholung. Ich ersetze ihn und ich schätze, das wird ein langes Wochenende", gingen Folgers erste Worte an den eigentlichen Piloten seines Motorrads. Doch nicht nur Maverick Vinales steht derzeit aufgrund der Folgen seiner Schulter-OP noch nicht zur Verfügung. Der etatmäßige KTM-Ersatzpilot Pol Espargaro hat sich an der Hand verletzt und kann ebenfalls nicht fahren.

MotoGP fordert neue Ersatzfahrerregel: Wer macht den Job? (08:34 Min.)

Aus diesem Grund startete das Tech3-Team in Jerez sogar nur mit Enea Bastianini. Für ein zweites Rennen in Folge will das die MotoGP aber angesichts der angestrebten neuen Ersatzfahrerregelung nicht durchgehen lassen. Da Testpilot Dani Pedrosa eine Rückkehr in den Renneinsatz mittlerweile ausschließt, klingelte plötzlich bei Jonas Folger das Telefon. Er ist damit der erste Deutsche in der Königklasse, seit Stefan Bradl mit dem Saisonfinale 2024 seinen Abschied gab.

Letzter MotoGP-Einsatz vor drei Jahren: Mugello-Test für Folger

"Ich war seit langer Zeit nicht mehr auf dem Motorrad. Das letzte Mal, dass ich wirklich Zeit darauf verbracht habe, war 2023 [als Ersatz] für Pol. Es war dasselbe Team, nur dass Tech3 damals GasGas hieß. Es ist also ein sehr bekanntes Team für mich. Ich kenne alle Jungs, was es mir ein wenig leichter macht. Trotzdem wird das eine sehr große Herausforderung", gibt Folger am Donnerstag an. Seinen letzten MotoGP-Einsatz beendete er 2023 in Assen als Vierzehnter, also mit zwei Punkten.

Zuletzt fuhr Folger 2023 für KTM, Foto: GASGAS Factory Racing Tech3
Zuletzt fuhr Folger 2023 für KTM, Foto: GASGAS Factory Racing Tech3

Das scheint diesmal fast unmöglich, so nicht der Wettergott in Le Mans wieder verrücktspielt. Zumindest konnte dafür gesorgt werden, dass Folger nicht auf einen Schlag ins kalte Wasser geworfen wird: "Ich hatte diese Woche die Möglichkeit eines zweitägigen Tests in Mugello. Das war sehr wichtig, sonst hätte ich komplett bei null angefangen. Diese Jungs sind auf solch hohem Niveau unterwegs, da wird es sowieso schwer, auch nur nahe hinzukommen."

Wochenende des Lernens: KTMs Motorrad in drei Jahren völlig verändert

Während der Bayer länger raus war, stand die Königklasse alles andere als still. Das musste er bei seiner Ausfahrt in Italien feststellen: "Diese zwei Tage waren sehr wichtig, um das Bike wieder kennenzulernen. Das Chassis hat sich stark verändert, ebenso die gesamte Aerodynamik. In diesen drei Jahren gab es große Fortschritte am gesamten Motorrad. Da waren auch zwei Tage nicht genug, aber es ist besser als nichts."

Letztendlich kann er nur versuchen, das Beste aus einer gleichzeitig unverhofften wie schwierigen Herausforderung zu machen: "Das gesamte Wochenende wird darum gehen, das Bike kennenzulernen, meinen Fahrstil anzupassen und die Reifen zu verstehen. Ich will eng und effizient mit dem Team zusammenarbeiten."

Tech3-Heimrennen und schöne Erinnerungen: Folger will Kult-Strecke von Le Mans genießen

Jonas Folgers erste Podium in Le Mans 2009
2009 holte Folger sein erstes Podium in Le Mans, Foto: IMAGO / PKP/Seidenglanz

Während die sportlichen Herausforderungen gewaltig sind, hätte zumindest der Ort für das Comeback kaum besser sein können. "Ich habe hier 2009 mein erstes Podium [in der 125er-Klasse, Anm. d. Red.] erreicht. Das sind also schöne Erinnerungen für mich, aber natürlich ist es vor allem das Heimrennen von Tech3. Le Mans ist eine legendäre Strecke mit so vielen Fans. Da herrscht eine große Energie. Ich werde das mit Sicherheit genießen", freut sich Folger trotz aller Hürden auf sein Rennwochenende im Motorsport-Mekka von Le Mans.

Der Mann mit der 94 hat eine gewaltige Aufgabe vor sich, aber das gilt derzeit auch für die 93. Weltmeister Marc Marquez betonte erneut, dass dies nicht an seinem Motorrad liegt: