"Die 2026er RC213V ist das beste MotoGP-Bike, das ich je gefahren bin. Die Honda-Fahrer werden damit viel Spaß haben", schrieb Aleix Espargaro vergangenen Sonntag in einem Beitrag auf seinen Social-Media-Kanälen, nachdem er den dreitätigen MotoGP-Shakedown in Sepang mit Bestzeit angeführt hatte. Seine Botschaft war eindeutig: Mit HRC ist in der Saison 2026 wieder zu rechnen. Und nun scheint sich seine Ankündigung tatsächlich zu bestätigen.

Nachdem sich die Honda-Piloten bereits zum Auftakt des Sepang-Tests am Dienstag in guter Frühform präsentiert hatten - sie holten unter anderem die Plätze sechs, sieben und elf - setzte Joan Mir am Mittwoch das erste richtige Ausrufezeichen. Bereits 52 Minuten nach Testbeginn und damit hierzulande noch in tiefster Nacht brannte der Weltmeister von 2020 eine Rundenzeit von 1:56.874 Minuten in den malaysischen Asphalt. Eine Rundenzeit, die am Mittwoch kein anderer MotoGP-Pilot mehr unterbieten können sollte. Besonders beeindruckend: Mir war damit nicht nur anderthalb Zehntelsekunden schneller als Marc Marquez am Vortag, sondern auch mehr als eine halbe Sekunde schneller als in seiner besten Qualifying-Runde zum Malaysia-GP im letzten November.

Runderneuerte Honda RC213V: Evolution statt Revolution

"Das war ein guter Tag für uns", frohlockte die Startnummer 36 am Mittwochnachmittag daher wenig überraschend. "Wir konnten unseren Testplan durchziehen und das Puzzle weiter zusammensetzen. Nachdem wir uns gestern eine Basis erarbeitet haben, haben wir uns heute auf das ausgiebige Testen der neuen Teilen fokussiert. Wir haben noch ein paar Schwachpunkte, in Summe war es aber ein positiver Tag", lautete das erfreuliche Fazit.

Noch deutlicher wurde am Mittwoch sogar Hondas Technikdirektor Romano Albesiano. "Wir sind sehr glücklich. Das Motorrad funktioniert, wir sind konkurrenzfähig. Das ist das Einzige, was zu diesem Zeitpunkt der Saison zählt. Ich muss unseren Kollegen in Japan für ihre hervorragende Arbeit danken. Wir konnten die ohnehin schon gute Basis, die wir Ende 2025 hatten, noch weiter verbessern", strahlte er im Interview beim MotoGP-Format 'After the Flag' und gab an: "Wir haben den Motor verbessert, die Elektronik. Wir haben das Chassis verbessert. Das Motorrad ist leichter und schmaler geworden. Alles wurde nochmal verfeinert. Viele kleine, aber durchweg positive Veränderungen."

Die neue Honda RC213V macht in Sepang einen starken Eindruck, Foto: Honda HRC Castrol
Die neue Honda RC213V macht in Sepang einen starken Eindruck, Foto: Honda HRC Castrol

Honda warnt vor Überheblichkeit, nennt 2026 aber trotzdem große Ziele

Nach Jahren der Tristesse scheint bei Honda zum Jahresstart 2026 also wieder Euphorie einzukehren. Gleichzeitig wollte man am Mittwoch aber auch nicht den Tag vor dem Abend loben. "Das ist ein Test. Die wahre Performance des Motorrads werden wir wahrscheinlich erst morgen sehen. Wir dürfen nicht nachlassen, denn in diesem Sport kannst du heute brillant dastehen und morgen kann es schon wieder ganz anders aussehen", warnte Albesiano vor Überheblichkeit und auch Mir meinte: "Meine Rundenzeit war gut und ich habe wahrscheinlich noch etwas Spielraum nach oben, aber den haben die Anderen vermutlich auch."

Marco Bezzecchi erklärte am Mittwoch beispielsweise, bislang noch gar keine 'Timeattack' gefahren zu sein. Dass er dennoch nur 0,267 Sekunden auf Mir und Honda verlor, dürfte den Aprilia-Piloten also ebenfalls mehr als zufrieden stimmen. Und dann gab es am zweiten Testtag in Sepang natürlich auch keine 'Timeattacks' von den Marquez-Brüdern oder Francesco Bagnaia zu sehen. Das tatsächliche Kräfteverhältnis dürfte bislang also noch nicht zu Tage gekommen sein.

Trotzdem bleibt man bei Honda optimistisch, und hat auch allen Grund dazu. "Der Grip [am Heck, Anm.] ist immer noch ein Problem. Wir drehen noch mehr durch als uns das lieb ist. Daran werden wir morgen arbeiten", erklärte Mir und meinte: "Dann können wir vielleicht noch schneller sein. Auch so ist das aber jetzt schon die beste Maschine, die ich je zur Verfügung hatte, seit ich bei Honda bin. Ich fühle mich sehr wohl. Jetzt müssen wir die Rundenzeit morgen nur noch bestätigen." Gelingt das, könnte 2026 einiges möglich sein. Vielleicht sogar der erste Sieg für das Werksteam seit Misano 2021? "Warum nicht", fragte Albesiano. "Wir haben fantastische Fahrer und ein konkurrenzfähiges Motorrad. Wir werden nicht als Titelfavoriten in die Saison gehen, aber ich denke, dass wir manchmal gewinnen können."

Während die Stimmung beim einen MotoGP-Hersteller aus Japan aktuell also kaum besser sein könnte, ist bei Hondas Erzrivale Yamaha das komplette Gegenteil der Fall. Am Mittwoch wurde nicht eine Runde gedreht. In diesem Artikel gibt's alle Informationen zum dunkelblauen Super-GAU: