Testtag zwei in Sepang stand ganz im Zeichen des MotoGP-Dramas rund um Yamaha. Nicht eine Runde konnten die M1-Piloten am Mittwoch drehen, weil sie mit technischen Problemen am neuen V4-Motor zu kämpfen hatten. Und auch am Donnerstag ist eine Rückkehr auf die Strecke alles andere als sicher - der Super-GAU für die Japaner. Doch nicht nur Yamaha, auch ein anderer MotoGP-Hersteller erlebte am Mittwoch einen bei Weitem nicht idealen Testtag.
Wer damit gemeint ist? Ducati! Die Dominatoren der letzten Jahre ließen sich am Mittwoch in den Abendstunden nicht nur vom Regen überraschen, sie befinden sich auch auf Seiten der Aerodynamik noch auf der fast schon verzweifelten Suche nach dem korrekten Weg. "Wir hätten heute Nachmittag eigentlich wichtige Pläne gehabt", haderte Weltmeister Marc Marquez und auch Teamkollege Francesco Bagnaia klagte im MotoGP-Format 'After the Flag': "Weil es Nachmittags geregnet hat, hatten wir nicht genug Zeit, um alle geplanten Tests durchzuführen und alle Teile abzuhaken."
Ducati im Aero-Dschungel: Kritische MotoGP-Entscheidung steht bevor
Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil Ducati gleich vier unterschiedliche Aero-Pakete nach Sepang mitgebracht hat. Dabei handelt es sich um die 2025er-Version, die neue 2026er-Version, eine kombinierte Version aus 2025er-Front- und 2026er-Seitenverkleidung und die altbekannte 2024er-Version. Aus diesen vier Konzepten gilt es, eines auszuwählen und für den Saisonstart 2026 in Thailand (27. Februar bis 1. März) zu homologieren. Während der laufenden Saison ist per Reglement dann noch ein Update erlaubt. Eine extrem wichtige Entscheidung also, die die Ducati-Piloten da treffen müssen.
"Das ist etwas ziemlich Kritisches. Alles andere kannst du während der Saison noch anpassen, die Aero nicht. Deshalb müssen wir uns morgen darauf fokussieren", erkannte am Mittwoch auch Marquez und beschrieb: "Du setzt ein Paket ein und die komplette Balance des Motorrads verändert sich. Speziell mit dem neuen Paket müssen wir die Balance noch besser anpassen." Völlig überzeugt scheint der 32-jährige Spanier also noch nicht von Ducatis 2026er-Aero. Und damit ist er nicht allein. "Es gibt Dinge, die gut und weniger gut funktionieren", ließ auch Bruder Alex Marquez zwischen den Zeilen Kritik durchklingen. Er klagte: "Wir müssen sie noch besser verstehen und uns dann entscheiden. Alles andere fühlt sich gut an, aber [bei der Aero, Anm.] haben wir noch Luft nach oben."

Der einzige Fahrer, der sich am Mittwoch wirklich positiv über die neue Aero äußerte, war Francesco Bagnaia. Er meinte: "Ich bin zufrieden. Mein Gefühl ist gut, ich fahre das Motorrad sehr smooth. Ich mag es." Ganz überraschend kommt diese Aussage allerdings nicht, kam der 29-jährige Italiener mit der GP25 schließlich nie auf einen grünen Zweig. Damit wartet auf Ducati am Donnerstag also eine wichtige Entscheidung: Welchem Fahrer-Feedback schenkt man das meiste Vertrauen und welche Aero-Version wählt man final für die MotoGP-Saison? "Wir haben vier unterschiedliche Pakete zur Auswahl. Deshalb steht uns morgen sehr wichtige Arbeit ins Haus. Wir müssen herausfinden, welche Kombination die beste für 22 Rennwochenenden ist", brachte es Marc Marquez auf den Punkt.
Ducati unter Druck: MotoGP-Konkurrenz schon einen Schritt voraus
Besonders ärgerlich für Ducati: Die Konkurrenz scheint hier schon deutlich voraus. Aprilia und Honda haben ihr Paket für 2026 bereits gefunden, KTM befindet sich zudem auf einem deutlich klareren Weg als der Hersteller aus Borgo Panigale. "Das ist das beste Motorrad, das ich in meiner Zeit bei Honda je gefahren bin", frohlockte etwa Joan Mir nach seiner Bestzeit am Mittwoch, der ersten für HRC in einem offiziellen MotoGP-Test seit Indonesien Anfang 2022. Und Marco Bezzecchi meinte derweil: "Wir sind bislang keine 'Timeattack' gefahren, wir haben uns auf die (Renn-)Pace konzentriert." Dass er am Mittwoch dennoch nur eine Zehntel langsamer als Fabio Di Giannantonio auf der schnellsten Desmosedici GP26 war, sollte Ducati also eine Warnung sein. Die Konkurrenz ist da, der Druck auf die Roten wächst.
Einzig Yamaha scheint aktuell nicht in der Lage, Ducati auch nur annähernd gefährlich zu werden. Alle Infos zum Motorendrama vom Mittwoch bekommt ihr in diesem Artikel:



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